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Chemieindustrie: Branchenumsatz 2023 zweistellig gesunken

Ein schwieriges Jahr geht für die chemisch-pharmazeutische Industrie zu Ende, wie der VCI in einer Pressemitteilung berichtet. Die Hoffnungen auf eine Belebung der Konjunktur haben sich nicht erfüllt. Auch für 2024 ist zunächst keine Besserung in Sicht. „Wir befinden uns mitten in einem tiefen, langen Tal. Und noch ist unklar, wie lange wir es durchschreiten […]

von | 19.12.23

Umsatzrückgang, sinkende Verkaufspreise und hohe Produktionskosten setzen die Gewinne der Unternehmen erheblich unter Druck.
Foto: TTstudio - stock-adobe.com

Ein schwieriges Jahr geht für die chemisch-pharmazeutische Industrie zu Ende, wie der VCI in einer Pressemitteilung berichtet. Die Hoffnungen auf eine Belebung der Konjunktur haben sich nicht erfüllt. Auch für 2024 ist zunächst keine Besserung in Sicht.

„Wir befinden uns mitten in einem tiefen, langen Tal. Und noch ist unklar, wie lange wir es durchschreiten müssen“, kommentiert der Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie, Markus Steilemann, die Lage. Ein schneller Aufschwung sei nicht in Sicht.

Krise betrift nicht nur die Chemieindustrie

Deutschland steckt in einer Krise, die nicht nur die Chemieindustrie betrifft. Die gesamte deutsche Wirtschaft leidet unter der schwachen Konjunktur und strukturellen Problemen. Um den Standort Deutschland zurück in die Erfolgsspur zu bringen, braucht es aus Sicht des Verbandes dringend einen tiefgreifenden Politikwechsel und einen Fokus auf eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Denn sie sichert die Basis für eine nachhaltige Zukunft.

„Die endlose Diskussion und das Ergebnis der Haushaltseinigung unterstreichen dramatisch: Die Politik muss endlich aufwachen, damit das Wohlstandsmodell Deutschland keinen Schiffbruch erleidet“, betont Steilemann.

Chemieproduktion verzeichnet hohen einstelligen Rückgang

Für die Branche war 2023 ein schlechtes Jahr. Insgesamt ging die Chemie- und Pharmaproduktion um 8 % zurück. Rechnet man das Pharmageschäft heraus, liegt der Rückgang bei 11 %. Den Unternehmen fehlten zunehmend die Aufträge. Die Kapazitäten der Branche waren mit durchschnittlich rund 77 % nicht ausgelastet. Damit liegt die Produktion seit neun Quartalen unterhalb der wirtschaftlich notwendigen Grundauslastung von 82 %.

Die Hersteller anorganischer Grundstoffe sowie von Seifen, Reinigungsmitteln und Kosmetika drosselten ihre Produktion um 10 %. In der Fein- und Spezialchemie lag der Produktionsrückgang bei 4 %. Auch die Pharmasparte hatte nach dem Impfstoffboom mit schlechten Standortbedingungen zu kämpfen und büßte 3 % ein.

Mit rund 230 Milliarden Euro lag der Branchenumsatz 12 % niedriger als im Vorjahr. Besonders kräftig fiel der Rückgang im Inlandsgeschäft aus. Die Verkäufe sanken um 16 % auf 86 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz lag mit 144 Milliarden Euro 10 % niedriger als im Vorjahr. Zum Umsatzrückgang haben auch rückläufige Chemikalienpreise beigetragen. Die Erzeugerpreise für chemisch-pharmazeutische Produkte waren 2023 durchschnittlich rund 1 % günstiger als im Vorjahr.

Schlechte Aussichten auch für 2024

Zum Jahresende herrscht in der Branche weiterhin Rezessionsstimmung. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate sind negativ. Damit dürften weiter Aufträge im Chemiegeschäft fehlen. Der VCI geht deshalb für das kommende Jahr nicht davon aus, dass die Chemieproduktion wieder ansteigt. Beim Branchenumsatz wird ein Minus von 3 % erwartet.

Diese Prognose bestätigen auch die Ergebnisse der aktuellen Mitgliederumfrage: Die Unternehmen rechnen kurzfristig nicht mit einem Aufschwung. 45 % rechnen frühestens 2025 mit einer Besserung.

Starke Gewinneinbrüche und rote Zahlen

Umsatzrückgang, sinkende Verkaufspreise und hohe Produktionskosten setzen die Gewinne der Unternehmen erheblich unter Druck. Laut aktueller VCI-Mitgliederumfrage beklagen knapp 40 % deutliche Gewinneinbrüche. Rund 15 % der Unternehmen schreiben bereits rote Zahlen.

Gleichzeitig zwingt die anhaltend schwierige Geschäftslage die Unternehmen zu schmerzhaften Anpassungen. „Je länger diese Situation anhält, desto mehr müssen wir damit rechnen, dass weitere Anlagen stillgelegt werden“, warnt Steilemann. Auch der Ausstieg aus defizitären Geschäftsfeldern, Investitionsverlagerung ins Ausland oder Personalabbau seien mittlerweile nicht mehr auszuschließen.

VCI fordert Entlastung bei  Energiepreisen

Für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft und eine grüne Transformation benötigt die Industrie auch konkurrenzfähige Energiepreise. Kurzfristig heißt das: Entlastungen bei den Energiepreisen. Langfristig heißt es: Tempo beim Umbau des Energiesystems – Stromangebot ausweiten, Netze ausbauen und Reservekapazitäten mit Back-up-Kraftwerken und Energiespeichern schaffen. Das Strompreispaket, das nach der Einigung im Haushaltsstreit weiter geplant ist, erhält jedoch lediglich den Status quo.

Das Energiethema ist aber nur eins von vielen ungelösten Problemen. Auf der Mängelliste stehen weiterhin die marode Infrastruktur, der Fachkräftemangel oder die überbordende Bürokratie und Regulierung.

„Wir müssen Deutschland neu denken. Wir brauchen eine Offensive 2030“, fordert Steilemann. Denn eine wettbewerbsfähige Wirtschaft sichere die Basis für eine nachhaltige Zukunft. Nur so ließen sich die zentralen politischen Ziele erreichen: Wohlstand, grüne Transformation, Sozialstaat und solide Staatsfinanzen.

Laut VCI-Mitgliederumfrage stemmen sich die Unternehmen mit aller Kraft gegen die Krise. 70 % haben angekündigt, Effizienzmaßnahmen noch stärker in den Fokus zu rücken. Jedes zweite Unternehmen plant, die Innovationsanstrengungen zu intensivieren. 30 % der Unternehmen wollen den ökologischen Umbau beschleunigen.

„Wir sind ein Standort mit immensem Potenzial“, erklärt VCI-Präsident Steilemann. „Wir reichen der Politik die Hand, jetzt mit vollem Elan die dringend notwendigen Strukturreformen anzugehen.“

Die Bundesregierung müsse

  • die Wirtschaft von Bürokratie befreien und durch ein Moratorium weitere Lasten verhindern;
  • Genehmigungen massiv beschleunigen und Deutschland zum Digitalland umbauen. Mit einer modernen Verwaltung sparen andere Nationen 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts ein;
  • bei den Staatsausgaben priorisieren. Dabei müssen Kosten-Nutzen-Überlegungen ausschlaggebend sein und nicht politische Ideologie.

 

Weitere Informationen gibt es unter www.vci.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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