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Digitalisierung: Deutsche Unternehmen geben sich eine Drei

Die Unternehmen in Deutschland sind in den vergangenen zwölf Monaten bei der Digitalisierung zwar vorangekommen, bewerten den eigenen Fortschritt aber eher zurückhaltend. So vergeben Geschäftsführer und Vorstände, gefragt nach dem Stand der Digitalisierung des eigenen Unternehmens, im Durchschnitt nur die Schulnote „befriedigend“, wie eine neue Bitkom-Umfrage ergab.

von | 04.11.20

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Mittelständler mit 100 bis 499 Mitarbeitern geben sich sogar lediglich ein „ausreichend“. Zugleich sehen nur noch 22 % die deutsche Wirtschaft im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung in der Spitzengruppe, vor einem Jahr waren es noch 26 %. Für in puncto Digitalisierung weltweit führend hält Deutschland weiterhin niemand.
Zugleich wächst der Anteil derjenigen, die Deutschland im Mittelfeld (von 47 auf 51 %) oder unter den Nachzüglern (von 18 auf 21 %) verorten. Unverändert halten 4 % die deutsche Wirtschaft für digital abgeschlagen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 603 Unternehmen aller Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom

Corona-Krise macht Bedeutung der Digitalisierung deutlich

„Die Coronakrise hat uns die Bedeutung digitaler Technologien für Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sehr klar vor Augen geführt. Die Krise ist ein Weckruf, die Digitalisierung nun massiv voranzutreiben“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir haben uns in der Vergangenheit zu viel Zeit bei der Digitalisierung gelassen. Das Motto des ,Weiter so‘ gilt nicht mehr. Jetzt heißt es, digitale Infrastruktur aufzubauen, Geschäftsprozesse umfassend zu digitalisieren und neue, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln.“

Nur noch jedes zehnte Unternehmen hat Existenzangst

Die Digitalisierung wird dabei in der Breite der deutschen Wirtschaft positiv gesehen. 9 von 10 Unternehmen (90 %) sehen sie eher als Chance, nur 5 Prozent als Risiko. Jedes Dritte (34 %) gibt zugleich an, Probleme zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen. Aber nur noch jedes zehnte Unternehmen (10 %) sieht seine Existenz durch die Digitalisierung gefährdet. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 12 %, vor zwei Jahren sogar bei 24 %.
Die Unternehmen versuchen als Folge der Digitalisierung ihr Angebot anzupassen. So bringen 6 von 10 der Unternehmen (60 %) als Folge der Digitalisierung neue Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt. Vor einem Jahr lag der Anteil erst bei 53 %, vor zwei Jahren sogar nur bei 48 %. Drei Viertel (75 %) passen inzwischen bereits bestehende Produkte oder Dienstleistungen an, jedes Zweite (49 %) nimmt Produkte oder Dienstleistungen vom Markt.

Wer frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt hat, ist jetzt im Vorteil

Die Unternehmen reagieren damit auch auf einen starken Wettbewerbsdruck. So sagen jeweils 6 von 10 Unternehmen, dass Wettbewerber aus der Internet- und IT-Branche (64 %) bzw. aus anderen fremden Branchen (61 %) auf ihren Markt drängen. Zugleich gibt rund jedes zweite Unternehmen (48 %) an, dass Wettbewerber aus der eigenen Branche, die frühzeitig auf Digitalisierung gesetzt haben, ihnen nun voraus seien. Vor einem Jahr sahen das erst 42 % so, vor zwei Jahren sogar nur 37 %.
„Digitalisierung entwickelt sich exponentiell. Je länger man bei der Digitalisierung zögert, umso schwieriger wird es, den Vorsprung der anderen aufzuholen. Deshalb gilt jetzt: Nicht im Analogen verharren, sondern so schnell wie möglich die Digitalisierung selbst vorantreiben“, so Berg.

Drei Viertel der Unternehmen haben inzwischen eine Digitalstrategie

Der Anteil der Unternehmen, die die Digitalisierung strategisch angehen, steigt dabei weiter. So haben inzwischen mehr als drei Viertel (77 %) eine Digitalstrategie entwickelt: 39 % verfügen über Strategien in einzelnen Unternehmensbereichen, 38 %sogar über eine zentrale Digitalstrategie. Allerdings verzichtet immer noch rund jedes fünfte Unternehmen (22 %) auf eine Digitalstrategie.
Auffallend: Während alle Unternehmen mit 2.000 oder mehr Beschäftigten über eine Strategie verfügen und nur 7 % der großen Unternehmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern keine Strategie aufgestellt haben, liegt der Anteil bei kleinen und mittelständischen Unternehmen deutlich darüber. Bei jenen mit 100 bis 499 Mitarbeiter sind es 18 %, bei denen mit 20 bis 99 Mitarbeitern sogar 23 %.
„Wer nicht einmal für Teile seines Unternehmens eine Digitalstrategie aufgestellt hat, muss sich schon fragen lassen, ob er seine Existenz mutwillig aufs Spiel setzen will“, so Berg. „Beunruhigend ist, dass zu viele kleine und mittlere Unternehmen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft gerade in Krisenzeiten bilden, bei der Digitalisierung auf Sicht fahren. Jedes Unternehmen muss jetzt eine Digitalstrategie entwickeln – und diese dann auch konsequent umsetzen.“

Datenschutz, IT-Sicherheit und Fachkräftemangel bremsen Technologie-Einsatz

Die drei größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien sind nach Ansicht der Unternehmen Anforderungen an den Datenschutz (79 %, 2019: 74 %), die Anforderungen an die technische Sicherheit (63 %, 2019: 57 %) sowie fehlende Fachkräfte (55 %, 2019: 48 %). Mit deutlichem Abstand folgen Zeitmangel im Alltagsgeschäft (33 %), fehlende finanzielle Mittel (25 %) und das Fehlen marktfähiger Lösungen (18 %).
„Wir müssen jetzt schon an die Zeit nach der Coronakrise denken und überall die Weichen in Richtung Digitalisierung stellen“, mahnte Berg an. „Wir können aktuell sehr schön sehen, dass stärker digitalisierte Unternehmen und die Digitalwirtschaft sehr viel mehr sind als ein Wachstumsmotor. In Krisenzeiten sind sie weniger anfällig, sie stabilisieren die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.“
Die Unternehmen seien gefordert, trotz aller Herausforderungen durch die konkreten Auswirkungen des Lockdowns die eigene Digitalisierung voranzutreiben. „Aber auch die Politik braucht für die Zeit nach Corona eine Strategie, um die Wirtschaft wieder hochzufahren. Ihre Basis ist das Digitale“, sagte Berg.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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