Investitionshemmnisse wie Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und lange Genehmigungsdauern erschweren nach Angaben des ZVEI zusätzliche Investitionen der Elektro- und Digitalindustrie in Deutschland. Im aktuellen Entscheider-Panel des Verbands nennen 85 % der Befragten diese Faktoren als Hindernis für Investitionen am Standort.
Investitionshemmnisse reichen von Regulierung bis Energiekosten
Neben administrativen und regulatorischen Anforderungen spielt aus Sicht der Befragten der Arbeitsmarkt eine wichtige Rolle. 75 Prozent nennen Restriktionen wie starre Arbeitszeiten oder einen aus ihrer Sicht zu restriktiven Kündigungsschutz als Belastung. Hinzu kommen die Standortkosten: 57 % verweisen auf hohe Lohnkosten, jeweils 53 Prozent auf Strom- und Energiekosten sowie auf Steuern und Abgaben.
ZVEI-Präsident Daniel Hager leitet daraus Forderungen nach weniger Bürokratie, schnelleren Genehmigungsverfahren, wettbewerbsfähigen Strompreisen und flexibleren Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt ab. Dabei handelt es sich um die Position des Industrieverbands auf Grundlage der Befragung.
Breite Unterstützung für Produktion von Schlüsseltechnologien
Parallel zu den genannten Standortproblemen zeigt das Panel eine hohe Zustimmung zu einer stärkeren heimischen Produktion strategisch relevanter Technologien. 98 % der Befragten befürworten nach Angaben des ZVEI eine verstärkte Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien wie Halbleitern oder Batterien in Deutschland beziehungsweise Europa.
51 % unterstützen dieses Ziel demnach auch dann, wenn damit wirtschaftliche Belastungen verbunden sind. Weitere 46 % befürworten zusätzliche heimische und europäische Wertschöpfung, sofern die daraus entstehenden Belastungen begrenzt bleiben.
Schlüsseltechnologien betreffen auch die industrielle Digitalisierung
Für die Elektro- und Digitalindustrie verbindet sich die Standortdebatte damit unmittelbar mit Fragen technologischer Souveränität und resilienter Lieferketten. Halbleiter gehören zu den zentralen Komponenten zahlreicher Automatisierungs-, Steuerungs- und Digitalisierungslösungen. Entscheidungen über Produktionsstandorte und Investitionen beeinflussen deshalb auch die industrielle technologische Basis in Europa.
Der ZVEI sieht hierfür verlässliche wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen als Voraussetzung. Die Ergebnisse des Panels zeigen zugleich, dass Unternehmen eine stärkere europäische Wertschöpfung grundsätzlich unterstützen, deren wirtschaftliche Auswirkungen jedoch unterschiedlich gewichten.
Unternehmen fordern schnellere handelspolitische Verfahren
Auch die internationalen Wettbewerbsbedingungen spielen in der Befragung eine Rolle. 60 % der Teilnehmenden sprechen sich dafür aus, Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren der Europäischen Union zu beschleunigen. Der ZVEI verbindet dies mit der Forderung, Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Beihilfen oder künstliche Preisvorteile konsequenter zu adressieren.
Hager fordert darüber hinaus unter anderem Ausgleichszölle bei nachgewiesenen Wettbewerbsverzerrungen sowie eine engere Zusammenarbeit Europas mit Partnern, die offene Märkte unterstützen. Diese Vorschläge geben die handelspolitische Position des Verbands wieder.
Standortbedingungen werden zum strategischen Faktor
Für die Automatisierungs- und Digitalindustrie verdeutlicht das ZVEI-Panel den Zusammenhang zwischen Investitionsbedingungen, industrieller Wertschöpfung und der Verfügbarkeit strategischer Technologien. Aus Sicht der befragten Entscheider liegen Hemmnisse sowohl in administrativen Verfahren und Arbeitsmarktregeln als auch bei Energie-, Lohn- und Abgabenkosten.
Gleichzeitig besteht eine hohe Bereitschaft, den Aufbau europäischer Wertschöpfung bei Schlüsseltechnologien zu unterstützen. Wie stark entsprechende Investitionen tatsächlich ausfallen, hängt nach Einschätzung des Verbands wesentlich von den regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.








