Der ZVEI hat auf dem Climate Solution Forum der E-world energy & water in Essen zwei zentrale Handlungsfelder diskutiert, um die Flexibilität, Transparenz des Stromnetzes zu erhöhen. Für den Verband der Elektro- und Digitalindustrie sind dafür ein beschleunigter Steuerungsrollout im Verteilnetz und der Digital Product Passport 4.0 (DPP4.0) zentrale Hebel für ein besseres Stromnetz.
Wo stoßen Stromnetze aktuell an ihre Grenzen?
Das Stromnetz stand seit Jahresbeginn verstärkt im öffentlichen Fokus – häufig im Zusammenhang mit Störungen und der Frage, wo bestehende Systeme an ihre Grenzen stoßen. Auf der E-world energy & water in Essen lag der Schwerpunkt hingegen auf Lösungen: Wie lassen sich Schwachstellen beheben? Welche Instrumente stehen zur Verfügung, um Flexibilität, Transparenz und Effizienz im Netz zu erhöhen?
Im Rahmen des Climate Solution Forums hat der ZVEI zwei zentrale Handlungsfelder diskutiert: den beschleunigten Steuerungsrollout im Verteilnetz und den Digital Product Passport 4.0.
Steuerungsrollout soll ab 2026 schneller werden
Im ersten ZVEI-Panel stand der Steuerungsrollout im Mittelpunkt, der ab 2026 deutlich an Dynamik gewinnen soll. Diskutiert wurden die entstehenden Flexibilitätsoptionen, die Anforderungen an eine robuste Steuerung im bestehenden Netz sowie der Weg hin zu tatsächlich intelligenten Netzinfrastrukturen. Klar wurde: Ohne skalierbare Steuerungslösungen lassen sich die wachsenden Anforderungen durch Elektromobilität, Wärmepumpen und dezentrale Erzeugung nicht effizient bewältigen.
Mit Blick auf die Zielmarke 2027 stand die Frage im Raum, was prioritär umgesetzt werden muss, um spürbare Flexibilitätswirkungen in der Niederspannung zu erzielen. Die Impulsgeber betonten drei Punkte:
- Gemeinsame Stärkung und konsequente Anwendung technischer Standards
- Schließen bestehender Integrationslücken zwischen Komponenten und Systemen
- Systematische Überführung von Pilotprojekten in den Massenrollout
Nur wenn Pilotwissen schnell skaliert wird, können Flexibilitätsoptionen im Netz wirksam gehoben werden.
DPP4.0: Durchgängige Datenbasis für den Product Lifefcycle
Im zweiten Panel rückte der Digital Product Passport 4.0 (DPP4.0) in den Fokus. Ziel ist der Aufbau einer belastbaren, durchgängigen Datenbasis über den gesamten Produktlebenszyklus. Gerade im Netzausbau und -betrieb eröffnet dies erhebliches Effizienzpotenzial.
Aus Sicht von Netzbetreibern, Standardisierung und Industrie wurde deutlich: Der DPP4.0 kann zu einem zentralen Instrument für mehr Transparenz und Qualität im Netzbetrieb werden – etwa bei Zustandsbewertungen, Wartungsstrategien oder Fehlerdiagnosen. Voraussetzung ist eine praxisnahe Ausgestaltung.
Der Erfolg des DPP wird sich in den kommenden Jahren an klaren Kriterien messen lassen:
- Ein breites Commitment von Herstellern und Anwendern zur Einführung in Deutschland und Europa
- Der Aufbau eines eigenständigen Datenökosystems auf Basis der gesetzlich geforderten Produktpässe
- Die Nutzung als zentrale Datenquelle in einem interoperablen und datensouveränen Datenraum
Technologische Basis für ein besseres Stromnetz sind vorhanden
Die Diskussionen in Essen haben gezeigt: Die technologische Basis für ein leistungsfähigeres Stromnetz ist vorhanden. Entscheidend sind nun Geschwindigkeit, Standardisierung und konsequente Umsetzung.
Sowohl beim Steuerungsrollout als auch beim Digital Product Passport gilt: Einzelne Pilotprojekte reichen nicht aus. Erst die breite Anwendung, klare Schnittstellen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen die Voraussetzungen für ein resilientes, flexibles und effizientes Energiesystem.
Weitere Informationen gibt es unter www.zvei.org.







