Der von Evonik bereits im Juni 2026 angekündigte Stellenabbau wird Realität. Insgesamt will das Chemieunternehmen weltweit 3.200 Arbeitsplätze abbauen, davon rund 2.150 in Deutschland. Die Maßnahmen sind Teil des Umbauprogramms Tailor Made, mit dem der Spezialchemiekonzern seine Kostenbasis weiter senken will. Parallel richtet Evonik laut einer Pressemitteilung Portfolio, Investitionen und Produktionsstandorte stärker nach definierten strategischen Rollen aus.
Evonik Stellenabbau läuft bis 2029
Das Programm Tailor Made geht 2027 in seine zweite Umsetzungsphase und läuft anschließend bis 2029. Sie schließt an die erste Phase von 2024 bis 2026 an. Die Detailplanung für die weiteren Maßnahmen soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
„Vorstand, Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertreter teilen eine Überzeugung: Wir befinden uns in einer strukturellen und ökonomischen Krise unserer Industrie“, erklärte Interims-CEO Claus Rettig. „Wir werden diese Polykrise nutzen, um alte Strukturen zu ändern und uns besser aufzustellen. Auch in dieser Krise wachsen viele Teile unseres Geschäfts-Portfolios. Wir werden daher unser Wachstum auf unsere Stärken, die richtigen Zukunftsthemen und lukrativsten Märkte konzentrieren. Zugleich werden wir Spielräume durch verbesserte Kostenpositionen schaffen.“
Für den Personalabbau sieht Evonik unter anderem die Nicht-Nachbesetzung frei werdender Stellen, frühere Übergänge in den Ruhestand sowie freiwillige Austritte gegen Zahlung von Abfindungen vor. Betriebsbedingte Beendigungskündigungen schließt das Unternehmen weiterhin aus.
Neue Rollen für Geschäfte in der Prozessindustrie
Parallel zum Kostenprogramm ordnet Evonik sein Portfolio stärker nach der strategischen Funktion einzelner Geschäftsbereiche. Aktivitäten sollen künftig konsequenter entweder als Wachstumstreiber oder als Cash-Generator geführt werden. Investitionsentscheidungen werden damit enger an der langfristigen Rolle eines Geschäfts im Konzern ausgerichtet.
Zu den Wachstumsthemen zählt die neu gegründete Business Line Designed Polymer Solutions. Sie bündelt Aktivitäten für Anwendungen in Luft- und Raumfahrt, Automotive sowie Gas-Separation. Letztere umfasst nach Angaben des Unternehmens unter anderem Anwendungen für Biogas und Wasserstoff.
Investitionen in Healthcare und Biotechnologie
Die durch Kostensenkungen entstehenden finanziellen Spielräume will Evonik auch für Investitionen in ausgewählte Wachstumsmärkte nutzen. In Kanada und der Slowakei hat das Unternehmen Projekte aus den Bereichen Healthcare und Biotechnologie gestartet. Das Gesamtvolumen liegt im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Weitere Investitionsmöglichkeiten prüft der Konzern insbesondere in Asien und Amerika. Langfristig strebt Evonik eine ausgewogenere Verteilung der Umsätze auf Europa, Asien und Amerika an.
Deutsche Produktionsstandorte erhalten neue Profile
Auch das deutsche Produktionsnetz wird neu ausgerichtet. Für die sechs großen Standorte definiert Evonik jeweils ein spezifisches Zukunftsprofil, das in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll.
Damit sollen Aufgaben und Investitionen innerhalb des Produktionsverbunds klarer zugeordnet werden. Welche konkreten technologischen Schwerpunkte die einzelnen Standorte erhalten, geht aus der Mitteilung bislang nicht hervor.
Portfolio wird weiter bereinigt
Neben Wachstumsinvestitionen setzt Evonik die Bereinigung des Portfolios fort. Geschäftsaktivitäten ohne langfristige Perspektive im Konzern sollen abgegeben oder beendet werden. In diesen Zusammenhang ordnet das Unternehmen auch angekündigte Schließungen kleinerer Standorte ein.
Die Verkaufsprozesse für die C4-Chemie der Oxeno GmbH sowie für die Infrastrukturbetriebe der Syneqt GmbH werden nach Unternehmensangaben planmäßig fortgeführt.
Fazit
Der Abbau von 3.200 Stellen ist ein zentraler Bestandteil des weiteren Konzernumbaus bei Evonik. Gleichzeitig nutzt das Unternehmen die Restrukturierung, um Geschäftsbereiche und Produktionsstandorte neu zu ordnen und Investitionen stärker auf ausgewählte Technologien und internationale Wachstumsmärkte auszurichten.








