Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau befindet sich in einer Gemengelage aus Produktionsschwäche, Umsatzrückgang und Kostendruck. Eine Trendwende mit Blick auf die Konjunktur im In- und Ausland für das Jahr 2026 ist nicht zu erwarten. Dies geht aus dem aktuellen Maschinenbau-Barometer der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland hervor.
Mehr als die Hälfte des Maschinenbaus blickt pessimistisch auf 2026
Der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat sich in den Führungsetagen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus wieder merklich eingetrübt. Mehr als die Hälfte der Entscheidungsträger bewertet die deutsche Konjunktur im Jahr 2026 dezidiert pessimistisch, eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorquartal von zwölf Prozentpunkten. Lediglich 14 % gehen derzeit noch von einem Wirtschaftswachstum aus. Der Anteil der Unternehmenslenker, die positiv auf die Weltwirtschaft in 2026 blicken, liegt fast doppelt so hoch (27 %) – wohl auch vor dem Hintergrund der Zolleinigung zwischen der EU und den USA einerseits und der Entspannung im Handelskonflikt zwischen den beiden Hauptmärkten des deutschen Maschinenbaus China und den USA andererseits. Dennoch muss man auch bei beiden Prognosen konstatieren: die überwiegende Mehrheit ist unentschlossen bis skeptisch gestimmt.
Auch die Umsatzprognose für die Gesamtbranche fällt zum Jahreswechsel düster aus: Lediglich ein Drittel der Entscheider prognostiziert für 2026 ein Wachstum des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, die Mehrheit ist überzeugt, dass er schrumpfen wird. Im Schnitt erwarten die Manager im deutschen Maschinen- und Anlagenbau ein Minus von 2,8 % im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr.
„Wir gehen nun zum vierten Mal in Folge mit einer negativen Umsatzprognose ins neue Jahr“, sagt Bernd Jung, Leiter der Praxisgruppe Industrial Manufacturing bei PwC Deutschland. „Fast scheint es so, als werde die Ausnahme zur neuen Normalität. Eine Gewöhnung an die Krise darf aber keinesfalls eintreten, vielmehr müssen sich die Entscheidungsträger mit unbequemen Maßnahmen zur Kostenstruktur, mit Effizienzprogrammen, aber auch mit neuen Geschäftsmodellen dagegenstemmen.“
Kostendruck bei Personal und Rohstoffen als größte Hemmschuhe
Es ist vor allem der zunehmende Kostendruck, der die überwiegende Mehrheit der befragten Maschinenbauer ausbremst. 83 % von ihnen geben an, dass der zunehmende Kostendruck ein Wachstumshindernis darstelle, gefolgt von den politischen Situationen im Ausland (78 %) und der schwachen Nachfrage (71 %). Vor allem befürchten die Entscheider einen Anstieg der Kosten für Personal (65 %) und Rohstoffe bzw. Vorprodukte (59 %). Im Schnitt sollen die Personalkosten um 4,7 % und die Kosten bei Rohstoffen um 5,2 % im Jahr 2026 steigen.
Etwas entspannter sieht die Lage im Bereich Energie aus. Hier wirken sich anscheinend die getroffenen Maßnahmen wie Industriestrompreis und das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität positiv auf die Einschätzung der Entscheidungsträger aus. Lediglich knapp ein Drittel prognostiziert Preissteigerungen für Energie.
„Hohe Kosten sind die große Schwachstelle der deutschen Industrie”, bemerkt Jung. „Während günstige Arbeitskosten und hohe Profitabilität lange Zeit verlässlich für Wachstum und Wohlstand sorgten, ist dieses Verhältnis inzwischen ins Gegenteil gekippt. So wird es immer schwerer, profitabel zu produzieren und eine gute Wettbewerbsposition auf dem Weltmarkt zu halten.”
Kapazitätsauslastung im deutschen Maschinenbau auf historisch niedrigem Niveau
Tatsächlich stottert die Produktion im deutschen Maschinen- und Anlagenbau erheblich. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Unternehmen liegt mit 81 % weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Jedes dritte Unternehmen erreicht nicht einmal eine Auslastung über der 80-%-Marke. Lediglich noch jedes fünfte Unternehmen arbeitet am oberen Kapazitätslimit – das sind rund 20 Prozentpunkte unter dem Schnitt aller bisherigen Erhebungswellen. Seit nunmehr drei Jahren ist die durchschnittliche Auslastung nicht mehr über 90 % im Schnitt gestiegen.
„Beim Blick auf die Zahlen stellt sich zwangsläufig die Frage, wie wir im kommenden Jahr auf einen Wachstumspfad zurückkehren können”, resümiert Jung. „Trotz des offensichtlichen Kostendrucks müssen Unternehmen zielgerichtet investieren, Agilität und Flexibilität fördern und auch offen für neue Ansätze sein. Digitale Plattformen, datenbasierte Geschäftsmodelle und der Trend zu „as-a-Service“-Angeboten verändern die industrielle Wertschöpfung grundlegend. Warum sollten Maschinenbauer diese Ideen nicht gewinnbringend aufgreifen, um neue Umsatzströme zu generieren?“
Weitere Informationen zur Studie gibt es unter www.pwc.de.







