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KI: Neue Weiterbildungsstudie zeigt deutlichen Anstieg der KI-Kompetenz

Die KI-Kompetenz in der deutschen Wirtschaft nimmt deutlich zu: 27 % der Unternehmen haben ihre Beschäftigten bereits im Umgang mit KI geschult. Das ist ein zentrales Ergebnis der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“, für die Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden befragt hat.

von | 07.05.26

Unabhängig von ihrer hohen Bedeutung ist Weiterbildung in vielen Unternehmen nicht strategisch verankert.
Foto: putilov_denis - stock-adobe.com

Die KI-Kompetenz in der deutschen Wirtschaft nimmt deutlich zu: 27 % der Unternehmen haben ihre Beschäftigten bereits im Umgang mit KI geschult. Das ist ein zentrales Ergebnis der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“, für die Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden befragt hat.

KI-Kompetenz wird immer wichtiger

Im Vergleich zum Jahr 2024 hat sich der Anteil des geschulten Personals mehr als verdoppelt (2024: 12 %). Knapp jedes zehnte Unternehmen (9 %) plant entsprechende Maßnahmen konkret und 17 % ermitteln aktuell den Bedarf.

„Der Ausbau von KI-Kompetenzen in der Wirtschaft gewinnt an Dynamik“, sagte Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands, bei Vorstellung der Studienergebnisse. „Immer mehr Unternehmen investieren in entsprechende Weiterbildungsangebote.“

Gleichzeitig bleibt ein großer Teil der Unternehmen zurückhaltend: Knapp die Hälfte der Befragten (45 %) sieht derzeit keinen Bedarf an KI-Weiterbildungen. Vorreiter bei KI-Weiterbildungen sind große Unternehmen ab 250 Beschäftigten: Fast jedes zweite Großunternehmen (49 %) hat bereits geschult. Deutlich niedriger ist der Anteil bei mittleren Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitenden (32 %). In kleinen Unternehmen mit 20 bis 49 Beschäftigten liegt er bei nur 21 %.

„Angesichts der Bedeutung von Künstlicher Intelligenz geht der Kompetenzaufbau insbesondere im Mittelstand nur langsam voran“, sagt Bühler. Die Unternehmen sollten mehr in KI-Schulungen investieren und Fortbildungen von der Politik stärker gefördert werden.

KI-Weiterbildung ist nicht strategisch verankert

Laut der Unternehmensbefragung ist der Einsatz generativer KI im Arbeitsalltag bereits weiter verbreitet als die Qualifizierung: 56 % nutzen Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Copilot im Arbeitsalltag. In großen Unternehmen liegt der Anteil bei 68 %, in mittleren bei 60 % und in kleinen bei 53 %. „Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst im Arbeitsalltag angekommen, aber der Kompetenzaufbau hält mit der Nutzung nicht Schritt“, sagt Bühler. „Wer KI produktiv und sicher einsetzen will, muss gezielt in die Qualifizierung der Beschäftigten investieren.“

Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage bleibt Weiterbildung für die große Mehrheit der Unternehmen von hoher Bedeutung: 87 % bewerten sie als sehr wichtig oder eher wichtig (2024: 93 %). Zugleich hat sich der Anteil der Unternehmen, die Weiterbildung eine geringere Bedeutung beimessen, innerhalb von zwei Jahren von 6 auf 13 % mehr als verdoppelt.

Unabhängig von ihrer hohen Bedeutung ist Weiterbildung in vielen Unternehmen nicht strategisch verankert: Nur 29 % verfügen über eine schriftlich fixierte Weiterbildungsstrategie. Bühler: „In wirtschaftlich angespannten Zeiten wird Weiterbildung oft zurückgestellt. Genau das ist der Fehler. Gerade jetzt liegt die Chance darin, freie Kapazitäten gezielt für Qualifizierung zu nutzen. Wer heute in KI-, Digital- und Cyberkompetenzen investiert, verschafft sich morgen den entscheidenden Vorsprung.“

Weiterbildung? Kein Geld oder keine Zeit

Der Zugang zu Weiterbildung ist in vielen Unternehmen gegeben: Drei von vier Unternehmen (75 %) ermöglichen Qualifizierungsangebote für alle Mitarbeitenden, 19 % für bestimmte Gruppen. 6 % bieten keine Weiterbildung an. Beim zeitlichen Umfang zeigt sich jedoch ein begrenztes Niveau: 51 % der Unternehmen stellen drei bis fünf Weiterbildungstage pro Jahr zur Verfügung, 23 % ein bis zwei Tage. Mehr als neun Tage sind nur in 8 % der Unternehmen üblich. Auch die finanziellen Ressourcen bleiben häufig gering: 29 % der Unternehmen investieren weniger als 500 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr. Die Mehrheit liegt zwischen 500 und 1.000 Euro, während 18 % 1.000 bis 2.000 Euro und 7 % mehr als 2.000 Euro bereitstellen.

Aus Sicht des TÜV-Verbands besteht angesichts der technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Handlungsbedarf im Bereich der betrieblichen Weiterbildung. Unternehmen sollten Weiterbildung stärker strategisch verankern und den Aufbau von KI-, Digital- und Cyberkompetenzen systematisch vorantreiben. Die Zusammenarbeit mit professionellen Bildungspartnern und praxisorientierte, qualitätsgesicherte Weiterbildungsangebote können dazu beitragen, neue Technologien sicher und produktiv einzusetzen. Darüber hinaus kommt es darauf an, Weiterbildung stärker in den Arbeitsalltag zu integrieren. Ein bedarfsgerechter Mix aus Präsenz-, Online- und Blended-Learning-Formaten, kürzere Lernzyklen sowie verbindliche Lernzeiten und eine aktive Rolle von Führungskräften kann die Lernkultur stärken.

TÜV-Verband fordert Bildungsoffensive

Auch die politischen Rahmenbedingungen sind entscheidend. „Deutschland braucht eine Bildungsoffensive für KI-, Digital- und Cyberkompetenzen“, sagt Bühler. „Nur mit qualifizierten Beschäftigten können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und die Potenziale neuer Technologien nutzen.“ Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, benötigen leichteren Zugang zu praxisnahen und flexiblen Angeboten. Die Bundesregierung hat mit ihrer nationalen Weiterbildungsstrategie einen Schritt in die richtige Richtung getan. Viele Unterstützungsangebote, insbesondere für den Mittelstand, sind aber zu wenig bekannt oder die Förderbedingungen werden als zu komplex wahrgenommen. „Die Bedeutung von Weiterbildung ist in der Politik angekommen, jetzt kommt es darauf an, die Unterstützung für die Unternehmen auf ihrer Praxistauglichkeit hin zu überprüfen und entsprechend nachzusteuern“, sagt Bühler.

Auch bei der Steigerung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit ist die Politik gefragt. Die Umsatzsteuerbefreiung für Bildungsleistungen verfolgt ein richtiges Ziel: Sie soll private Weiterbildung bezahlbar halten und den Zugang zu Bildung sichern. Grundlage ist die Mehrwertsteuerrichtlinie der EU, in Deutschland umgesetzt unter anderem über § 4 Nr. 21 UStG. Bühler: „Was für die private Nachhilfe oder staatliche Bildungsangebote richtig ist, wirkt in der betrieblichen Weiterbildung kontraproduktiv.“ Da viele Anbieter in der betrieblichen Weiterbildung nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, steigen ihre Kosten und damit auch die Preise für Weiterbildungsangebote. Das schwächt Investitionen in Zukunftskompetenzen und belastet die Wettbewerbsfähigkeit der Branche. Länder wie Österreich zeigen, dass praktikablere Lösungen möglich sind.

Darüber hinaus braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von Honorarkräften sowie zeitgemäße Regelungen für digitale Weiterbildungsformate. Viele Weiterbildungsangebote werden von freiberuflichen Trainerinnen und Trainern getragen. Für Unternehmen besteht dabei jedoch häufig zu Rechtsunsicherheit, etwa bei der Abgrenzung zwischen selbstständiger Tätigkeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung. Das führt zu hohem bürokratischem Aufwand, erhöhten Risiken und hemmt den flexiblen Einsatz qualifizierter Fachkräfte. Bühler: „Weiterbildung ist politisch gewollt – wird aber gerade in der betrieblichen Weiterbildung durch Bürokratie und veraltete Rahmenbedingungen ausgebremst. Dazu zählen steuerliche Regelungen ebenso wie das Fernunterrichtsschutzgesetz aus dem Jahr 1977. Wer Weiterbildung stärken will, muss auch die Anbieter stärken.“

Der vollständige Studienbericht der „TÜV Weiterbildungsstudie 2026“ und eine Präsentation mit den Kernergebnissen ist abrufbar:

Zur Studie

Weitere Informationen gibt es unter www.tuev-verband.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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