Künstliche Intelligenz könnte nach Einschätzung von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger erheblich zum Wachstum der deutschen Wirtschaft beitragen. Im Gespräch mit der Wochenzeitung DIE ZEIT hält der CDU-Politiker bei einem erfolgreichen KI-Einsatz sogar Wachstumsraten von mehr als 5 % für möglich. Zugleich fordert er Unternehmen und Politik auf, die Technologie schneller einzusetzen und regulatorische Hürden zu begrenzen.
Künstliche Intelligenz soll Produktivität und Investitionen stärken
Wildberger sieht Effizienzsteigerungen als einen wichtigen Hebel für zusätzliches Wachstum. Unternehmen, die durch KI profitabler wirtschafteten, könnten nach seiner Argumentation mehr investieren, neue Produkte entwickeln und neue Tätigkeitsprofile schaffen. Gleichzeitig räumt der Minister ein, dass durch KI Arbeitsplätze wegfallen und einzelne Berufsgruppen stärker als andere betroffen sein werden.
Als Vergleich verweist Wildberger auf die chinesische Wirtschaft, die nach seiner Aussage in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 5 % jährlich gewachsen sei. Wenn Deutschland den Einsatz von KI erfolgreich gestalte, seien ähnliche Wachstumsraten auch hierzulande möglich. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung des Ministers, nicht um eine im Gespräch näher ausgeführte volkswirtschaftliche Prognose.
Geschwindigkeit trifft auf Forderung nach Leitplanken
Im ZEIT-Streitgespräch trifft Wildbergers Position auf die von DGB-Vorsitzender Yasmin Fahimi. Sie fordert einen menschenzentrierten KI-Einsatz und stärkere Mitbestimmung. Unternehmen sollten vor der Einführung von Anwendungen gemeinsam mit Beschäftigten Ziele, mögliche Risiken, Monitoring und Eingriffsmöglichkeiten definieren.
Wildberger warnt dagegen vor langen Abstimmungsprozessen. Unternehmen, die KI nicht oder nur zögerlich einsetzten, könnten im internationalen Wettbewerb gegenüber effizienteren Wettbewerbern zurückfallen. Gesetzliche Vorgaben dürften Unternehmen deshalb nach seiner Auffassung nicht übermäßig bremsen. Zugleich spricht er sich grundsätzlich für Vorkehrungen gegen Risiken der Technologie aus.
KI-Einsatz verändert Anforderungen an den Arbeitsmarkt
Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte ist der Umgang mit den Folgen der Automatisierung. Wildberger plädiert für mehr Flexibilität bei Einstellungen und Beschäftigungsverhältnissen sowie für Weiterbildung und Umschulung. Für Übergangsphasen, in denen Berufsgruppen durch KI unter Druck geraten, sieht er Unterstützungsbedarf durch Staat und Unternehmen.
Fahimi setzt stärker auf betriebliche Weiterbildung und die Verantwortung der Arbeitgeber. Wenn Arbeitsplatzwechsel unvermeidbar seien, sollten Arbeitsagenturen und Unternehmen enger zusammenarbeiten. Damit zeigt die Debatte einen zentralen Zielkonflikt der industriellen KI-Transformation: Unternehmen benötigen Spielraum für einen schnellen Technologieeinsatz, während gleichzeitig Qualifizierung, Beschäftigung und Regeln für den Einsatz der Systeme berücksichtigt werden müssen. :contentReference[oaicite:3]{index=3}
Bedeutung für die Automatisierungstechnik
Für die produzierende Industrie reicht die Debatte damit über den Einsatz einzelner KI-Anwendungen hinaus. Entscheidend wird sein, wie Unternehmen KI in Prozesse und Geschäftsmodelle integrieren und zugleich belastbare organisatorische Rahmenbedingungen schaffen. Wildbergers Forderung nach höherem Tempo steht dabei Fahimis Ansatz gegenüber, KI-Einführungen stärker mit Beschäftigten abzustimmen.
Fazit
Ob Künstliche Intelligenz tatsächlich Wachstumsraten in der von Wildberger genannten Größenordnung ermöglicht, bleibt offen. Das Streitgespräch macht jedoch deutlich, welche Fragen für den industriellen KI-Einsatz an Bedeutung gewinnen: Produktivität und Innovationsgeschwindigkeit stehen ebenso auf der Agenda wie Qualifizierung, Mitbestimmung und Regulierung.








