Generic filters
FS Logoi

Ingenieurmonitor: Rekord-Arbeitslosenzahl in Ingenieur- und Informatikberufen

Der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor ergibt eine Abkühlung am Arbeitsmarkt für Ingenieur- und Informatikberufe: Die offenen Stellen verringerten sich im zweiten Quartal 2025 um 22,1 % im Vergleich zum Vorjahr, es bleiben insgesamt 106.310 Arbeitsplätze unbesetzt. Zeitgleich meldeten sich 54.926 Personen aus diesen Berufszweigen arbeitslos, eine Steigerung um 19,1 % – das ist der höchste Stand seit Erfassung der Daten im Jahr 2011. Dennoch ist in den kommenden Jahren mit einem steigenden Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren zu rechnen und die Nachwuchsgewinnung bleibt ein wichtiges Thema.

von | 28.10.25

Trotz der aktuellen Lage zeichnet der längerfristige Trend ein positives Bild am Ingenieurarbeitsmarkt.
Foto: Hunters Race / Unsplash

Der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor ergibt eine Abkühlung am Arbeitsmarkt für Ingenieur- und Informatikberufe: Die offenen Stellen verringerten sich im zweiten Quartal 2025 um 22,1 % im Vergleich zum Vorjahr, es bleiben insgesamt 106.310 Arbeitsplätze unbesetzt. Zeitgleich meldeten sich 54.926 Personen aus diesen Berufszweigen arbeitslos, eine Steigerung um 19,1 % – das ist der höchste Stand seit Erfassung der Daten im Jahr 2011. Dennoch ist in den kommenden Jahren mit einem steigenden Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren zu rechnen und die Nachwuchsgewinnung bleibt ein wichtiges Thema.

Fachkräftemangel betrifft aktuell besonders Technische Forschung und Produktsteuerung

Die Beschäftigungstrends variieren deutlich je nach Berufsfeld: Besonders stark betroffen ist derzeit die Technische Forschung und Produktsteuerung. Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 %. In der Rohstofferzeugung fiel der Anstieg hingegen deutlich moderater aus und lag bei rund 8 %. Insgesamt bleibt der Fachkräftemangel in IT- und Ingenieurberufen bestehen. Im Durchschnitt standen 194 unbesetzte Positionen 100 arbeitslosen Ingenieuren und IT-Fachkräften gegenüber. Diese sogenannte Engpasskennzahl ist nun geringer als im Vorjahr (296 offene Stellen pro 100 Arbeitslose), aber sie behält einen hohen Stand.

„Die schwächelnde Wirtschaft beeinflusst auch den Ingenieurarbeitsmarkt, die Lücke bei den Fachkräften schließt sich damit jedoch nicht“, erklärt VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut. „In wichtigen, Branchen wie Bau, Energie- und Elektrotechnik oder Maschinenbau sind qualifizierte Fachkräfte weiterhin sehr gesucht.“ Die größten Engpässe bestehen in den Ingenieurberufen Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur (314 offene Stellen pro 100 Arbeitslose), Energie- und Elektrotechnik (284) sowie den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik (222).

Anteil internationaler Studierender hat sich seit 2010 verdoppelt

Trotz der aktuellen Lage zeichnet der längerfristige Trend ein positives Bild am Ingenieurarbeitsmarkt: Seit 2012 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikberufen um 58,5 % auf 1,53 Millionen. Besonders stark entwickelten sich dabei die Branchen Informatik (+151 %) und Bauwesen (+54 %). Rund ein Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses in Ingenieurberufen entfällt dabei laut VDI-IW-Ingenieurmonitor Q1 2025 auf internationale Fachkräfte – ein Beleg für deren zunehmende Bedeutung zur Sicherung der Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Die größten Gruppen stellen Fachkräfte aus Indien (13.893), Türkei (9.136), Italien (6.916) und China (6.690). Besonders die Zuwanderung über Hochschulen trägt zum Erfolg bei: Der Anteil internationaler Studierender in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen stieg von 15 % im Jahr 2010 auf 33 % im Jahr 2023.

„Ingenieurinnen und Ingenieure sind und bleiben der Schlüssel für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland“, betont VDI-Direktor Adrian Willig. „Deshalb müssen wir internationale Fachkräfte langfristig integrieren und gleichzeitig junge Menschen früh für Technik begeistern, um den Nachwuchs zu sichern.“

Weiterhin zu wenig Nachwuchskräfte in den Ingenieurberufen

Während die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in IT- und Ingenieurberufen insgesamt wuchs und voraussichtlich wachsen wird, bleibt die Situation bei der Nachwuchsgewinnung angespannt. So schließen in Deutschland jährlich nur 90.000 bis 100.000 junge Ingenieurinnen und Ingenieure ihr Studium ab.

„Wenn wir den wachsenden Ingenieurbedarf der kommenden Innovationsphase decken wollen, müssen wir jetzt handeln. Unsere jüngste Publikation im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ zum Thema Bildung und Qualifikation zeigt: Es reicht nicht mehr aus, einfach nur Fachwissen in klassischen Lehrplänen zu vermitteln. Zukunftskompetenzen wie KI-, Digital- und Nachhaltigkeitskompetenz sowie interdisziplinäres Arbeiten müssen systematisch in die Ingenieurausbildung eingebaut werden“, so Willig.

Mit dem Impulspapier „Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft“ legt der VDI klare Handlungsempfehlungen vor, wie Technikbildung und die Ingenieurausbildung fit für die Zukunft werden können: darunter die systematische Verankerung von Future Skills, die Förderung innovativer Lehrmethoden sowie eine stärkere Verzahnung von Hochschule und Wirtschaft. „Mit den richtigen Kompetenzen sichern wir nicht nur die Innovationskraft Deutschlands, sondern auch die wirtschaftliche Stärke unseres Standortes“, betont Willig.

Weitere Informationen gibt es unter www.vdi.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Green Energy Manufacturing: BASF will die Dekarbonisierung unterstützen
Green Energy Manufacturing: BASF will die Dekarbonisierung unterstützen

Mit Green Energy Manufacturing erweitert BASF ihre Sustainability Toolbox für technische Kunststoffe um einen Ansatz zur Reduzierung des Product Carbon Footprint (PCF). Die Lösung ermöglicht den Einsatz CO₂-reduzierter Materialien ohne Änderungen bestehender Fertigungsprozesse und unterstützt Unternehmen bei der Erfüllung regulatorischer Nachhaltigkeitsanforderungen.

mehr lesen
PI-Konferenz 2027: Sichere Daten als Grundlage für Industrial AI
PI-Konferenz 2027: Sichere Daten als Grundlage für Industrial AI

Die PROFIBUS Nutzerorganisation (PNO) veranstaltet am 24. und 25. Februar 2027 die 10. PI-Konferenz in Frankfurt am Main. Im Mittelpunkt stehen sichere und interoperable Datenstrukturen als Voraussetzung für den Einsatz von Industrial AI sowie aktuelle Entwicklungen der PI-Technologien in der industriellen Kommunikation.

mehr lesen
Physical AI: Studie sieht Industrie vor dem Übergang zur Skalierung
Physical AI: Studie sieht Industrie vor dem Übergang zur Skalierung

Industrieunternehmen betrachten physische KI zunehmend als strategische Transformation statt als isoliertes Automatisierungsprojekt. Das geht aus dem „Future-Ready Manufacturing: TCS Physical AI Readiness Report 2026“ hervor, für den Tata Consultancy Services 300 Führungskräfte aus Nordamerika und Europa befragt hat.

mehr lesen
AI Act: Neue Transparenzpflichten für KI-Systeme werden verbindlich
AI Act: Neue Transparenzpflichten für KI-Systeme werden verbindlich

Mit dem nächsten Umsetzungsschritt des europäischen AI Acts gelten ab Sonntag weitere verbindliche Transparenzanforderungen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Betroffen sind unter anderem KI-Chatbots, generative KI, Deepfakes und Systeme zur Emotionserkennung. Branchenvertreter sehen jedoch weiterhin erhebliche Rechtsunsicherheiten.

mehr lesen
Digitaler Produktpass: Impulse für die vernetzte Industrie
Digitaler Produktpass: Impulse für die vernetzte Industrie

Der Digitale Produktpass und industrielle Datenräume gewinnen für die vernetzte Industrie zunehmend an Bedeutung. Gemeinsam mit der IHK Heilbronn-Franken und dem VDMA zeigte die GEMÜ Gruppe im Rahmen einer Fachveranstaltung in Kupferzell anhand konkreter Praxisbeispiele, wie Unternehmen den Einstieg in den unternehmensübergreifenden Datenaustausch gestalten können.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03