Industrielle KI soll bis 2030 in der Breite der Industrie verankert werden. Dafür richtet die Plattform Industrie 4.0 ihre Arbeit neu aus und will sich als zentrales Strategienetzwerk für industrielle KI in Deutschland positionieren. Ein neues Zielbild beschreibt dafür einen Ansatz, der von Recheninfrastruktur und Daten über Foundation Models bis zu konkreten KI-Anwendungen reicht. Im Mittelpunkt stehen offene, interoperable und sichere Technologien. Das gesamte Dokument steht zum kostenfreien Download bereit.
Industrielle KI wird neuer Schwerpunkt der Plattform
Die Plattform Industrie 4.0 will die systematische, sichere und skalierbare Nutzung von KI in industriellen Wertschöpfungssystemen vorantreiben. Dabei sollen Open-Source-Technologien und offene Standards gegenüber proprietären Ansätzen eine zentrale Rolle spielen. Eingebunden werden sollen Industrie und Mittelstand ebenso wie Start-ups, Verbände, Wissenschaft, Arbeitnehmervertretungen, Transferinitiativen und internationale Partner. :contentReference[oaicite:0]{index=0}
Technisch sieht das Zielbild ein föderiertes Ökosystem entlang des gesamten KI-Technologiestacks vor. Die Plattform unterscheidet vier miteinander verbundene Ebenen: Infrastruktur, Daten, Industrial Foundation Models und KI-Anwendungen. :contentReference[oaicite:1]{index=1}
Brownfield-Anlagen an die KI-Infrastruktur anbinden
Auf der Infrastrukturebene setzt das Konzept unter anderem auf ein Multi-Provider-Cloud-Edge-Kontinuum und gemeinsam nutzbare Rechenkapazitäten. Sensor- und Prozessdaten sollen an der Edge vorverarbeitet und in der Cloud gespeichert werden. Damit soll die erforderliche Datenqualität für sogenannte Industry-Grade-Datasets geschaffen werden.
Besondere Bedeutung misst das Zielbild bestehenden Maschinen, Anlagen und Automatisierungssystemen bei. Diese Brownfield-Umgebungen müssen nach Einschätzung der Plattform systematisch an die neue Infrastruktur angebunden werden, damit industrielle KI breit skalieren kann. Als mögliche technische Bausteine nennt das Papier interoperable Starterkits, Referenzarchitekturen und offene Schnittstellen. :contentReference[oaicite:2]{index=2}
Manufacturing-X liefert die Datenbasis
Bei der Datenebene baut die Plattform ausdrücklich auf Manufacturing-X auf. Die Initiative für industrielle Datenökosysteme wird im Zielbild als Grundlage für eine digitale und datengetriebene industrielle Wertschöpfung eingeordnet. Diese Basis soll nun durch einheitliche Datenstrukturen und gemeinsame Standards weiterentwickelt werden.
Geplant sind zudem sogenannte Data Alliances für das kontrollierte Teilen industrieller Daten. Für nicht differenzierende Prozessschritte sollen standardisierte industrielle Datensätze aufgebaut und gemeinsam genutzt werden. Damit will die Plattform Doppelarbeit reduzieren und die Skalierung von KI-Anwendungen erleichtern. :contentReference[oaicite:3]{index=3}
Foundation Models und Agentic AI für die Industrie
Eine weitere Ebene bilden Industrial Foundation Models. Die Plattform will hier nicht selbst den wettbewerblichen Markt ersetzen, sondern Standards und Basismechanismen im vorwettbewerblichen Bereich unterstützen. Dabei sollen die Anforderungen industrieller Prozesse verschiedener Branchen berücksichtigt und bestehende Datenökosysteme genutzt werden.
Für konkrete KI-Anwendungen sollen gemeinsame Standards entstehen. Das Zielbild nennt dafür klare Anforderungen: Anwendungen sollen robust, erklärbar, integrierbar, regulatorisch konform, menschzentriert und wirtschaftlich einsetzbar sein. Darauf aufbauend sollen interoperable und regulatorisch konforme Agentic-Architekturen entwickelt werden. :contentReference[oaicite:4]{index=4}
Regulierung und Cybersecurity als Teil der KI-Strategie
Die technische Skalierung soll von Empfehlungen für praxistaugliche regulatorische Rahmenbedingungen begleitet werden. Dazu nennt das Papier regulatorische Sandboxes und Reallabore. Bestehende europäische Vorgaben wie der Cyber Resilience Act, die Maschinenrichtlinie und die NIS-2-Richtlinie sollen für den Einsatz industrieller KI praxisnah berücksichtigt werden.
Auch die längerfristige Absicherung von KI-Systemen nimmt das Zielbild auf. Die Plattform will Konzepte für die Sicherheit industrieller KI im Umfeld des Quantencomputings vorantreiben und Voraussetzungen für postquantenkryptografische Verfahren schaffen. :contentReference[oaicite:5]{index=5}
Anwendungsfälle und Mittelstand entscheiden über den Transfer
Das Zielbild stellt konkrete Use Cases mit nachvollziehbarem Nutzen ins Zentrum. Technologische Entwicklungen sollen damit schneller aus der Konzeptphase in industrielle Anwendungen überführt werden. Gleichzeitig soll eine eigene Arbeitsgruppe die Digitalisierung und KI-Nutzung in der Produktion bearbeiten. :contentReference[oaicite:6]{index=6}
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Transfer in den Mittelstand. Auch dafür ist eine eigene Arbeitsgruppe vorgesehen. Nach dem Zielbild entscheidet die Skalierung vorhandener Technologien wesentlich darüber, ob industrielle KI tatsächlich eine breite industrielle Anwendung erreicht. :contentReference[oaicite:7]{index=7}
Durchgängiger Technologieansatz
Mit dem neuen Zielbild verschiebt die Plattform Industrie 4.0 ihren Schwerpunkt deutlich in Richtung industrieller KI. Bemerkenswert ist dabei der durchgängige Technologieansatz: Recheninfrastruktur, Brownfield-Integration, Manufacturing-X-Datenräume, Foundation Models und konkrete KI-Anwendungen werden als zusammenhängendes System betrachtet. Für die Automatisierungsindustrie dürfte vor allem entscheidend sein, ob offene Schnittstellen und Standards den Transfer aus Pilotprojekten in bestehende Produktionsumgebungen tatsächlich vereinfachen.
Das überarbeitete Zielbild steht als PDF-Dokument zum kostenfreien Download zur Verfügung:
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