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Fachkräftemangel: VDI präsentiert Kompetenzen der Zukunft

Mangelnder Technik-Nachwuchs, Fachkräftemangel in vielen Bereichen, zu geringer Frauenanteil oder Abwanderung ins Ausland gehören zu den gängigen Meldungen zum Ingenieurbereich in Deutschland. Der VDI hat sich im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ mit dem Thema Qualifikation im Ingenieurberuf befasst. Bei einem Pressegespräch präsentierte der Verein Herausforderungen und Lösungsansätze für die Kompetenzen der Zukunft und fordert Bildungspolitik, Hochschulen und Wirtschaft auf, die Ingenieurausbildung entschlossen an die Anforderungen der Zukunft anzupassen.

von | 09.10.25

Hierzulande sind laut dem VDI/IW-Ingenieurmonitor über 106.000 Stellen im Ingenieur- und IT-Wesen unbesetzt.

Mangelnder Technik-Nachwuchs, Fachkräftemangel in vielen Bereichen, zu geringer Frauenanteil oder Abwanderung ins Ausland gehören zu den gängigen Meldungen zum Ingenieurbereich in Deutschland. Der VDI hat sich im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ mit dem Thema Qualifikation im Ingenieurberuf befasst. Bei einem Pressegespräch präsentierte der Verein Herausforderungen und Lösungsansätze für die Kompetenzen der Zukunft und fordert Bildungspolitik, Hochschulen und Wirtschaft auf, die Ingenieurausbildung entschlossen an die Anforderungen der Zukunft anzupassen.

Trotz hohem Ansehen muss Ingenieurausbildung angepasst werden

Nur mit modernen Curricula, innovativen Lehrmethoden und einer stärkeren Verzahnung mit der Industrie kann Deutschland die dringend benötigten Fachkräfte für Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Nachhaltigkeit gewinnen und zukunftsfähig ausbilden. Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit steht insgesamt auf dem Prüfstand. Zukunftstechnologien und technische Innovationen kommen zunehmend aus den USA oder China. Um mithalten zu können, braucht Deutschland weiterhin eine hohe Zahl technischer Fachkräfte. Gleichzeitig werden viele Baby-Boomer in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen.

Die Demografie arbeitet gegen Deutschland und deutsche Universitäten verabschieden jährlich nur 90.000 bis 100.000 junge Ingenieurinnen und Ingenieure. Debatten über Hochschulfinanzierung, mangelnde Lehrkapazitäten und geringe Sichtbarkeit im internationalen Spitzenfeld trüben das Bild zusätzlich, obwohl die deutsche Ingenieurausbildung sich international eines hohen Ansehens erfreut.

„Die Ingenieurausbildung ist auf einem hohen Niveau in Deutschland. Wir dürfen jedoch nicht an alten Curricula festhalten. Kompetenzen aus Technologiefeldern wie Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie Methodenkompetenzen, z. B. im Bereich des interdisziplinären Arbeitens, müssen fester Bestandteil der Hochschullehre in unserem Land werden“, erklärt VDI-Direktor Adrian Willig in Düsseldorf. Flexibilität und Soft Skills spielen mittlerweile eine große Rolle. Das belegt auch die Umfrage „Innovation@Risk“ unter den VDI Young Engineers.

Knapp 50 % der befragten Studierenden und Young Professionals sind mit dem Anteil der erlernten „Soft Skills“ im Studium unzufrieden. Zu den als wichtig erachteten Fertigkeiten zählen Kommunikationsfähigkeit, Zeitmanagement, Präsentationsfähigkeit sowie interdisziplinäres Denken und Arbeiten. Das Fazit: Die Anforderungen des Studiums werden dem rasanten technischen Wandel nicht gerecht.

VDI stellt Handlungsempfehlungen für die Kompetenzen der Zukunft vor

Hierzulande sind laut dem VDI/IW-Ingenieurmonitor über 106.000 Stellen im Ingenieur- und IT-Wesen unbesetzt (Q2/25). Die Lage hat sich im Vergleich zu den Vorquartalen verbessert, jedoch besteht immer noch eine nennenswerte Lücke. Parallel zeichnen sich Verschiebungen zwischen den Branchen ab. Die angespannte Situation im Automobilbereich macht sich bemerkbar. Höhere Arbeitslosigkeit ist die Folge. Auch die Medizintechnologie und Arzneimittelbranche sucht händeringend nach Fachkräften. Die Frage wird laut: Mit welchen Kompetenzen sind Ingenieure und Ingenieurinnen aktuell am besten aufgestellt? Und was bedeutet das für das Ingenieurstudium?

Um den Herausforderungen aktiv zu begegnen, hat der VDI das Papier „Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft“ erarbeitet. Darin sind als konkrete Schritte zur Sicherung der Ingenieurausbildung der Zukunft genannt:

  • Zukunftskompetenzen systematisch verankern: Ausbau interdisziplinärer Studienmodelle, Integration von KI- und Digitalisierungsthemen sowie Anerkennung von Microcredentials im Zuge von Weiterbildung und lebenslangem Lernen.
  • Innovative Lehrmethoden fördern: Einsatz von KI-gestütztem Lernen, Augmented Reality und virtuellen Laboren, kombiniert mit praxisnahen Formaten wie Challenge Based Learning. Lernen durch praxisbezogene Herausforderungen fördern.
  • Kooperation zwischen Hochschulen und Wirtschaft stärken: Bedarf der Unternehmen muss schneller in die Studieninhalte einfließen, um Absolventen und Absolventinnen optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.
  • Fachkräftemangel gezielt gegenwirken: Mehr Studierende für Ingenieurfächer gewinnen, Frauenanteil erhöhen und internationale Talente langfristig binden.

„Mit den richtigen Kompetenzen sichern wir nicht nur die Innovationskraft Deutschlands, sondern auch die wirtschaftliche Stärke unseres Standortes“, betont Prof. Antonia Kesel, Vorsitzende des Berufspolitischen Beirates des VDI. „Wir brauchen dringend Tempo bei der Transformation der Ingenieurausbildung und der Verzahnung von Hochschule und Wirtschaft.“

Anpassung der Hochschul-Studiengänge innerhalb von drei Jahren realistisch

Die Einführung eines neuen Studiengangs in Deutschland ist ein mehrstufiger Prozess, der rechtlich, organisatorisch und inhaltlich abgesichert werden muss. Die Dauer hängt stark von Hochschule, Bundesland und Art des Studiengangs ab. 1,5 bis 3 Jahre sind realistisch. Ist das zu langsam? „Die Qualität der Ausbildung spricht für den Prozess, jedoch sollten Anpassungen in einer gewissen Geschwindigkeit umsetzbar sein, sodass aktuelle Bedarfe aufgrund des sich beschleunigten technologischen Wandels in die Ausbildung einfließen können. Ein Mittel dazu sind Microcredentials“, so Prof. Kesel von der Hochschule Bremen.

Der VDI versteht sich als Brücke zwischen Hochschulen, Unternehmen und Politik. Mit eigenen Programmen wie WoMentorING und VDI-Xpand setzt er Impulse, um Talente zu fördern und den Ingenieurberuf zukunftsfähig zu gestalten. Die VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ befasst sich mit der langfristigen Perspektive unseres Wirtschafts- und Technologiestandorts. Die Initiative legt den Fokus unter anderem auf den gesamten „Lebenszyklus“ der Kompetenzentwicklung: von der technischen Bildung in Kita und Schule, über die Ingenieurausbildung bis hin zur Weiterbildung (lebenslanges Lernen).

Weitere Informationen gibt es unter www.vdi.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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