Generic filters
FS Logoi

Energiewende: VDI-Direktor fordert mehr Pragmatismus und Realismus

Der Direktor des Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Adrian Willig, hat den Anfang der Woche von Bundeswirtschaftsministerin Reiche vorgestellten Monitoring-Bericht des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) kommentiert. Seine Kernaussage: "Die Bundesregierung hat die richtigen Schlüsse gezogen: Die Energiewende benötigt ein Update. Mehr Pragmatismus und Realismus sind der richtige Weg."

von | 17.09.25

Aus Sicht des VDI sind es vor allem die Stromkosten, die das Gelingen der Energiewende beeinflussen.
Foto: lovelyday12 - stock-adobe.com

Der Direktor des Verein Deutscher Ingenieure (VDI), Adrian Willig, hat den Anfang der Woche von Bundeswirtschaftsministerin Reiche vorgestellten Monitoring-Bericht des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) kommentiert. Seine Kernaussage: „Die Bundesregierung hat die richtigen Schlüsse gezogen: Die Energiewende benötigt ein Update. Mehr Pragmatismus und Realismus sind der richtige Weg.“

Der Strompreis ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Die kommenden Monate und Jahre würden laut Willig darüber entscheiden, ob Deutschland den Wandel bezahlbar, praktikabel und mit breiter Akzeptanz schaffe. Dabei entscheiden insbesondere die Stromkosten, denn sie seien die Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands: Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien müsse die Bezahlbarkeit im Zentrum stehen, wenn Deutschland als Industriestandort bestehen wolle.

Der Monitoringbericht zeige: Es fehle nicht an Energie, sondern an der besseren Nutzung und besseren Integration, gebremst durch schleppende Genehmigungen, fehlende Standards und mangelnde Synchronisierung von Erzeugung und Netzen. Gerade diese Synchronisierung sei entscheidend: Nur wenn Netzausbau, Speicher und Erzeugung zusammenpassten, vermeide Deutschland Engpässe und Akzeptanzprobleme.

Größter Bremsklotz ist laut VDI-Direktor der stockende Netzausbau

„Der größte Bremsklotz ist der stockende Netzausbau. Hier brauchen wir mehr Tempo und moderne Strukturen: digitale Netze, intelligente Messsysteme und grid-forming-fähige Einspeiser für die Systemstabilität. Mehr einheitliche Standards bei den Netzanschlüssen würden den Ausbau zusätzlich beschleunigen. Intelligente Messsysteme und Batteriespeicher sind keine Zukunftsmusik, sondern überfällige Basis-Infrastruktur. Speicher sind bei der künftigen Energiepolitik ein Gamechanger. Sie müssen nicht nur ausgebaut, sondern differenziert eingesetzt werden – für Sekunden, Stunden und Wochen. Dafür bedarf es sowohl großer Wasserstoffspeicher z. B. in Salz-Kavernen als auch für die Kurzzeitspeicherung Batteriespeicher. Nur so lassen sich Dunkelflauten überbrücken und Solarspitzen sinnvoll abfangen.“

Die Energiewende sei ohne Wasserstoffhochlauf nicht möglich

Für den Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft seien darüber hinaus pragmatische Rahmenbedingungen notwendig. Daher sei der Vorschlag zur Reduktion regulatorischer Vorgaben für grünen Wasserstoff zu begrüßen. Auch hier sollte das systemische Zusammenspiel zwischen Elektrolyseuren, EE-Erzeugung und Netzauslastung berücksichtigt werden. Der VDI habe hierzu bereits im Frühling Vorschläge zum Wasserstoffhochlauf erarbeitet und vorgestellt.

Auch die Versorgungssicherheit müsse nach Meinung von Willig neu gedacht werden: Reservekapazitäten seien unverzichtbar. Neue Kraftwerke sollten möglichst wasserstofffähig sein, aber: ‚H2-ready‘ dürfe kein bloßes Etikett bleiben. Ohne klare technische Standards und praktikable Umrüstpfade bleibe dieser Anspruch wirkungslos. Entscheidend sei die Systemfunktion: flexible Kraftwerke, Speicher und Nachfrageflexibilität müssten zusammenspielen, damit das Gesamtsystem stabil bleibe.

„Ohne Tempo, Mut und ingenieurtechnische Verlässlichkeit wird die Energiewende zwar gelingen – aber langsamer, teurer und mit höheren Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit.“

Weitere Informationen gibt es unter www.vdi.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

5G: Siemens stellt KI-Cybersecurity-Lösung für industrielle Netze vor
5G: Siemens stellt KI-Cybersecurity-Lösung für industrielle Netze vor

Siemens hat heute auf dem Mobile World Congress 2026 eine verifizierte Cybersecurity-Lösung für industrielle private 5G-Netzwerke in Zusammenarbeit mit Palo Alto Networks angekündigt. Die Lösung kombiniert Siemens‘ private 5G-Infrastruktur mit der Next-Generation Firewall (NGFW) von Palo Alto Networks, die speziell für Künstliche Intelligenz (KI) optimiert wurde.

mehr lesen
AMA Innovationspreis 2026: Die nominierten Unternehmen stehen fest
AMA Innovationspreis 2026: Die nominierten Unternehmen stehen fest

Der AMA Verband für Sensorik und Messtechnik hat drei junge Unternehmen für den AMA Innovationspreis 2026 nominiert. Alle drei Finalisten werden mit dem Sonderpreis ‚Junges Unternehmen‘ ausgezeichnet und sind zugleich für den Hauptpreis nominiert. Die Zahl qualifizierter Einreichungen junger Firmen in diesem Jahr unterstreicht die hohe Innovationsdynamik in der Sensorik und Messtechnik.

mehr lesen
KI: Qualifizierung und Re-Skilling laut VDI-Studie entscheidend
KI: Qualifizierung und Re-Skilling laut VDI-Studie entscheidend

Deutschland steht vor einer strukturellen Paradoxie: Während in einzelnen Industriezweigen Stellen abgebaut werden, fehlen in anderen Bereichen Ingenieurinnen und Ingenieure. Technologische Sprünge – insbesondere getrieben durch Künstliche Intelligenz – verändern Kompetenzprofile rasant. Gleichzeitig verschärfen demografischer Wandel und internationaler Wettbewerbsdruck den Fachkräftemangel. Eine aktuelle VDI-Studie zeigt, dass Qualifizierung und Re-Skilling in technischen Berufen keine Randthemen sind, sondern ein Schlüssel, um Fachkräfte gezielt in neue Aufgaben zu bringen.

mehr lesen
SECURITY UNTER KONTROLLE: Jetzt die letzten Tickets sichern!
SECURITY UNTER KONTROLLE: Jetzt die letzten Tickets sichern!

In knapp zwei Wochen dreht sich im Landschaftspark Duisburg-Nord am 17. und 18 März alles um die OT-Security. Dort findet die nächste Ausgabe von SECURITY UNTER KONTROLLE im Gebläsehallenkomplex statt und wird zum dritten Mal die Cybersicherheit der Operational Technology in den Fokus rücken. Der Kongress ist mit mehr als 170 Teilnehmenden fast ausverkauft, Kurzentschlossene müssen schnell sein, wenn sie sich noch Tickets sichern möchten.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03