Generic filters
FS Logoi

Die Corona-Pandemie trieb die Digitalisierung laut ZEW-Studie nicht voran

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung half die Covid-19-Pandemie nicht, die Digitalisierung in Deutschland voranzubringen, wie das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim in einer Befragung herausgefunden hat. Zwar gaben Unternehmen mehr Geld für Technik aus, die Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit ermöglicht. Gleichzeitig gingen jedoch Investitionen in modernste Produktionsmittel ebenso zurück wie solche in modernste Analyse- und Planungstechnologien sowie digital gestütztes Kundenmanagement. Vor allem größere Vorhaben wurden verschoben oder ganz aufgegeben.

von | 02.10.24

Rund 3.000 deutsche Betriebe nahmen an der neuen repräsentativen „Betriebsbefragung IAB-ZEW-Arbeitswelt 4.0“ (BIZA II) teil.
Foto: greenbutterfly - stock-adobe.com

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung half die Corona-Pandemie nicht, die Digitalisierung in Deutschland voranzubringen, wie das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim in einer Befragung herausgefunden hat. Zwar gaben Unternehmen mehr Geld für Technik aus, die Homeoffice und virtuelle Zusammenarbeit ermöglicht. Gleichzeitig gingen jedoch Investitionen in modernste Produktionsmittel ebenso zurück wie solche in modernste Analyse- und Planungstechnologien sowie digital gestütztes Kundenmanagement. Vor allem größere Vorhaben wurden verschoben oder ganz aufgegeben.

Das zeigt eine gemeinsam von ZEW Mannheim, dem Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA), dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER) und weiteren Forschungseinrichtungen verfasste Studie auf Basis einer repräsentativen Betriebsbefragung.

Corona-Pandemie warf Technologieentwicklung massiv zurück

„Einerseits halfen diese pandemiebedingten Investitionen den Unternehmen, negative Folgen der Pandemie abzumildern. Sie konnten die Homeofficenutzung stärker ausdehnen und nahmen weniger Kurzarbeit in Anspruch. Diese Anpassungsinvestitionen gingen jedoch zu Lasten anderer Technologieinvestitionen, was möglicherweise zum aktuell schwachen Produktivitätswachstum in Deutschland beiträgt“, erklärt Prof. Dr. Melanie Arntz, stellvertretende Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs „Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen“ und Ko-Autorin der Studie.

So wurde ein Großteil der Investitionen in moderne digitale Technologien vor der Pandemie getätigt, während die Investitionstätigkeit mit der Pandemie insgesamt zurückging. Die pandemiebedingte Investitionslücke beläuft sich dabei auf etwa 50 %. Damit brachte die Pandemie entgegen der öffentlichen Wahrnehmung keinen Digitalisierungsschub, sondern warf die Technologieentwicklung in Deutschland sogar um knapp 1,5 Jahre zurück.

Größere Investitionen wurden auch nach der Corona-Pandemie weiter aufgeschoben

Für die Zeit nach der Pandemie prognostiziert Arntz auf Grundlage der Studienergebnisse: „Wir vermuten, dass der unmittelbar nach der Pandemie auftretende Energiepreis- und Unsicherheitsschock wegen des Krieges in der Ukraine in Deutschland dazu beigetragen hat, größere Investitionen auch nach Abklingen der Pandemie weiter aufzuschieben. Für das Produktivitätswachstum in Deutschland und die Erholung der Wirtschaft sind dies keine guten Voraussetzungen.“

Über die Studie

Rund 3.000 deutsche Betriebe nahmen an der neuen repräsentativen „Betriebsbefragung IAB-ZEW-Arbeitswelt 4.0“ (BIZA II) teil, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wurde. Diese vergleicht die Nutzung modernster digitaler Technologien in deutschen Betrieben zwischen 2016 und 2021. Damit werden moderne Produktionsmittel wie sich selbst steuernde Maschinen und Anlagen ebenso erfasst wie etwa Analysetools mit Big Data, Cloud-Computing-Systeme, Kollaborations- und Kommunikationstools sowie Künstliche Intelligenz.

Die gesamten Ergebnisse der Studie können kostenfrei heruntergeladen werden:

Zum Download

Weitere Informationen gibt es unter www.zew.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Chemie und Pharma: VCI meldet alarmierende Jahreszahlen
Chemie und Pharma: VCI meldet alarmierende Jahreszahlen

Deutschlands Industrie hat ein kraftraubendes Jahr hinter sich, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) auf seiner Jahresabschlusskonferenz bekanntgab. Auch die Lage von Chemie- und Pharmaunternehmen hat sich weiter verschärft. „Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger“, erklärte VCI-Präsident Markus Steilemann.

mehr lesen
Endress+Hauser: Umfassende Veränderungen im Executive Board
Endress+Hauser: Umfassende Veränderungen im Executive Board

Endress+Hauser hat drei neue Mitglieder in das Executive Board berufen: Dr. Mirko Lehmann, Prof. Dr.-Ing. Katja Windt und Helena Svensson. Mit den anstehenden Ruheständen des Chief Operating Officer (COO) Dr. Andreas Mayr und des Chief Information Officer (CIO) Pieter de Koning im Jahr 2026 ordnet das Unternehmen die Zuständigkeiten seiner Geschäftsführung neu.

mehr lesen
Siegfried Russwurm wird neuer acatech-Präsident
Siegfried Russwurm wird neuer acatech-Präsident

Das acatech-Präsidium hat am 25. November 2025 Siegfried Russwurm einstimmig zum neuen Präsidenten der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften gewählt. Er übernimmt das Amt am 1. April 2026 von Thomas Weber und bildet laut einer Pressemeldung gemeinsam mit der amtierenden Präsidentin Claudia Eckert die neue Doppelspitze.

mehr lesen
„Wir müssen die Prozessautomatisierung weiter strategisch voranbringen“
„Wir müssen die Prozessautomatisierung weiter strategisch voranbringen“

Warum die digitale Transformation der Prozessautomatisierung an Fahrt gewinnt, wo 2026 Wachstum entsteht und welche Rolle Cyber Security, sicherer Datenverkehr und neue Infrastrukturstandards künftig spielen – darüber spricht der wiedergewählte Vorsitzende des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung, Axel Lorenz, im Interview.

mehr lesen
ZVEI startet neue Plattform „Industrial AI & Data Economy“
ZVEI startet neue Plattform „Industrial AI & Data Economy“

Der ZVEI hat eine neue Plattform für „Industrial AI & Data Economy“ ins Leben gerufen. Die Einheit bündelt Fachwissen zu industrieller KI, Datenökosystemen und datenbasierten Geschäftsmodellen. Sie soll Unternehmen dabei unterstützen, Chancen frühzeitig zu identifizieren und digitale Innovationen umzusetzen.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03