Datenschutz bei KI wird für Unternehmen in Deutschland zu einer wachsenden Herausforderung. In einer repräsentativen Bitkom-Befragung unter 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten geben 50 % an, dass Datenschutzanforderungen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im eigenen Unternehmen behindern. Gleichzeitig steigt nach Einschätzung der Befragten der Aufwand für Datenschutz insgesamt weiter.
Datenschutz bei KI wird aufwendiger
Mit dem zunehmenden Einsatz von KI-Systemen treffen Datenschutz, Datenmanagement und neue regulatorische Anforderungen unmittelbar aufeinander. 78 % der befragten Unternehmen berichten, dass die Datenschutzprüfung von KI-Projekten immer aufwendiger wird. Für 72 % ist Datenschutz beim KI-Einsatz bereits ein großes Thema im eigenen Unternehmen.
Die Unsicherheit ist dabei erheblich: 56 % der Unternehmen geben an, bei Datenschutzfragen rund um Künstliche Intelligenz häufig überfordert zu sein. 79 % vertreten die Auffassung, der Datenschutz müsse an das KI-Zeitalter angepasst werden. Im Vorjahr lag dieser Wert laut Bitkom noch bei 71 %.
Besonders relevant für datengetriebene Anwendungen ist die Frage, unter welchen Voraussetzungen personenbezogene Daten für Entwicklung und Training von KI-Systemen genutzt werden können. 57 % der Befragten sprechen sich dafür aus, dies bei Vorliegen eines berechtigten Interesses zu ermöglichen.
Dokumentationspflichten verursachen hohen Aufwand
Die Schwierigkeiten beschränken sich nicht auf KI-Projekte. Insgesamt bezeichnen 92 % der Unternehmen ihren Aufwand für Datenschutz als hoch, 42 % sogar als sehr hoch. Bei 71 % hat der Aufwand innerhalb des vergangenen Jahres weiter zugenommen.
Als größten einzelnen Aufwandstreiber nennen 84 % die Dokumentation von Verarbeitungstätigkeiten. Dahinter folgen die Klärung rechtlicher Anforderungen mit 68 % sowie die technische Implementierung mit 65 %. Informationspflichten verursachen für 61 % erhöhten Aufwand, die Sicherstellung von Betroffenenrechten für 51 %.
Für Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte ist vor allem die wiederkehrende Prüfung neuer Systeme relevant. 70 % der Unternehmen berichten, dass die Einführung neuer Tools Datenschutzprüfungen immer wieder neu auslöst. 88 % sehen zudem Unsicherheit über die konkreten Datenschutzvorgaben als Herausforderung. 83 % betrachten die Umsetzung als dauerhafte Aufgabe, weil regelmäßig auf neue rechtliche Entwicklungen reagiert werden müsse.
Unternehmen fordern einheitlichere Datenschutzaufsicht
90 % der befragten Unternehmen halten eine gezielte Reform der DS-GVO für notwendig. Bei der deutschen Datenschutzaufsicht sehen 93 % Reformbedarf. Besonders häufig wird eine stärkere Vereinheitlichung gefordert.
Von den Unternehmen, die Reformbedarf bei der Aufsicht sehen, sprechen sich 85 % für eine Zentralisierung innerhalb Deutschlands aus. 82 % wünschen sich eine bessere Abstimmung zwischen den Behörden und 76 % eine zentrale Datenbank mit aufsichtsbehördlichen Entscheidungen. 70 % fordern einheitliche Meldeprozesse für Datenschutzverstöße.
Auch die Beratung durch die Behörden steht in der Kritik. 37 % der Unternehmen geben an, innerhalb der vergangenen zwei Jahre eine Hilfestellung angefragt und keine Rückmeldung erhalten zu haben. Die erhaltene Unterstützung wird im Durchschnitt mit der Schulnote 2,9 bewertet.
Weniger Pflichten bei risikoarmen Datenverarbeitungen
Bei möglichen Vereinfachungen stehen risikobasierte Ansätze im Vordergrund. 89 % der Unternehmen wünschen sich weniger Dokumentationspflichten für risikoarme Verarbeitungsvorgänge. 76 % nennen eine einheitliche Auslegung durch die Datenschutzbehörden, 73 % mehr Rechtssicherheit bei Interessenabwägungen.
Für Unternehmen, die KI- und Automatisierungslösungen einsetzen, ist zudem das Zusammenspiel verschiedener Regulierungen relevant. 69 % wünschen sich eine bessere Abstimmung des Datenschutzrechts mit anderen Vorgaben wie dem AI Act. Auf EU-Ebene liegt mit dem Digital Omnibus bereits ein Vorschlag vor, der Änderungen an mehreren Digitalrechtsakten und eine Reduzierung des Compliance-Aufwands vorsieht.
Datenschutz wird Teil der technischen Systemauswahl
Die Befragung zeigt außerdem Auswirkungen auf die Auswahl digitaler Technologien. 42 % der Unternehmen haben nach eigenen Angaben wegen Datenschutzbedenken bereits auf Produkte oder Lösungen aus Staaten außerhalb der EU verzichtet. Bei den betroffenen Unternehmen werden besonders häufig Anbieter aus China und den USA genannt.
Damit wird Datenschutz zunehmend zu einem Faktor bei Architekturentscheidungen, Cloud- und Softwareauswahl sowie KI-Projekten. Für Automatisierungsverantwortliche bedeutet das, technische Anforderungen, Datenflüsse und regulatorische Rahmenbedingungen bereits bei der Planung neuer Systeme gemeinsam zu betrachten.
Fazit
Die Bitkom-Ergebnisse beschreiben Datenschutz nicht nur als Compliance-Thema, sondern zunehmend als Randbedingung für Digitalisierung und KI-Einsatz. Besonders Dokumentationsaufwand, Rechtsunsicherheit und unterschiedliche Auslegungen beschäftigen die Unternehmen. Für datengetriebene Automatisierung wird deshalb entscheidend sein, wie Datenschutzanforderungen, KI-Regulierung und technische Umsetzung künftig zusammenspielen.








