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Das Handwerk wird digitaler

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Autor: Charlotte Lange

Das Handwerk wird digitaler
Handwerksbetrieben in Deutschland setzten vermehrt auf die Digitalisierung (Bild: pixabay)

Das Handwerk in Deutschland wird digitaler. Schon zwei Drittel aller Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen digitale Technologien und Anwendungen. Vor zwei Jahren waren es mit 53 % noch deutlich weniger, 2017 waren es sogar nur 45 %. Bei mehr als der Hälfte der Handwerksbetriebe hat die Digitalisierung insbesondere durch die Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen. Und 55 % der befragten Handwerker:innen sind mittlerweile der Meinung, dass die Digitalisierung die Existenz ihrer Betriebes sichert. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Befragung unter 503 Handwerksbetrieben in Deutschland, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführt wurde.

Die Nutzung digitaler Technologien und Anwendungen zahlt sich dabei direkt auf die tägliche Arbeit der Handwerksbetriebe aus. Zu den Vorteilen zählen die Befragten Zeitersparnisse, optimierte Lagerung und Logistik sowie eine flexiblere Arbeitsorganisation. Auch eine höhere Sichtbarkeit bei der Kundschaft und körperliche Entlastung spielen eine große Rolle.

4 von 10 Handwerksbetrieben nutzen Social Media

Einen starken Schub hat es im Handwerk auch bei der Nutzung digitaler Plattformen gegeben. 4 von 10 Betrieben machen in sozialen Medien auf sich aufmerksam, wobei kleine Betriebe mit weniger als 5 Mitarbeitenden für Facebook, Instagram, LinkedIn und Co. offenbar deutlich weniger Ressourcen aufbringen können als größere Betriebe. Mehr als ein Viertel (27 %) hat einen Eintrag auf einer Bewertungsplattform wie Yelp und 22 % nutzen Online-Plattformen für Aufträge und Termine wie MyHammer oder Treatwell. Fast alle Handwerker:innen verfügen über eine eigene Website, 76 % haben einen Eintrag in Online-Verzeichnissen wie gelbeseiten.de, und 23 % schalten Werbeanzeigen im Netz. Ebenfalls mehr als jeder fünfte Betrieb setzt auf Marketing via E-Mail oder Newsletter.

Onlinekommunikation gewinnt auch im Handwerk deutlich an Bedeutung

Ob für Aufträge, Terminabsprachen oder den fachlichen Austausch: In der Pandemie sind digitale Tools und Lösungen für die Kommunikation mit Kund:innen, Mitarbeitenden oder Geschäftspartnern insgesamt deutlich wichtiger geworden. In der internen wie externen Kommunikation ist die Nutzung von Videokonferenzen etwa über Zoom, Skype oder GoToMeeting im Vergleich zu 2020 am stärksten gewachsen. Jeder fünfte Handwerksbetrieb setzt intern bereits auf Kollaborationstools wie MS Teams oder Slack, 18 % kommunizieren auch extern darüber.

Gleichwohl haben die digitalen Tools auch die Beziehungen zu den Kund:innen verändert – nicht immer jedoch zum Positiven. 97 % der Handwerker:innen stimmen der Aussage zu, Kundinnen und Kunden würden durch die Digitalisierung schnelle Rückmeldung und Lieferung erwarten, während gleichzeitig verstärkt individuellere Angebote gewünscht sind. Drei Viertel der Handwerksbetriebe stellen auch fest, dass Kund:innen eine ständige Erreichbarkeit 24/7 auf allen Kanälen erwarten.

Drei Viertel sehen Digitalisierung als Chance

Insgesamt zeigt sich die überwiegende Mehrheit der Handwerksbetriebe der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen. 77 % sehen in ihr eine konkrete Chance für den eigenen Betrieb, 8 % halten die Digitalisierung jedoch auch für ein Risiko. Noch 14 % der Handwerksbetriebe in Deutschland sagen: Die Digitalisierung hat keinen Einfluss auf unseren Betrieb. Im Gegensatz dazu sagt nur jeder fünfte Handwerksbetrieb, die Digitalisierung habe Einfluss auf das eigene Geschäftsmodell. 30 % bieten aufgrund der Digitalisierung mittlerweile neue Produkte und Dienstleistungen an.

IT-Sicherheit ist für zwei Drittel der Betriebe wichtig

Die größten Hürden beim Einsatz neuer Technologien sind nach Ansicht der Betriebe hohe Investitionskosten, die Sorge um IT-Sicherheit sowie hohe Anforderungen an den Datenschutz. Auch unzureichende Internetversorgung und der Verlust von Datenhoheit geben den Betrieben zu denken. Gleichwohl betonen 67 %, das Thema IT-Sicherheit habe in ihrem Betrieb einen großen Stellenwert. Lediglich 15 % sorgen sich vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine vor Hackerangriffen auf ihren Betrieb. „Die Cyberkriminalität steigt seit Jahren. Daher sollten auch Handwerksbetriebe die eigenen Sicherheitsvorkehrungen überprüfen und wo nötig nachbessern“, betont Bitkom-Geschäftsleiter Veltkamp.

Insgesamt sagen fast zwei Drittel der Handwerker:innen, dass die Digitalisierung eine Herausforderung für ihren Betrieb ist. Damit liegt die Digitalisierung jedoch hinter anderen aktuellen Herausforderungen für die Branche, so etwa die hohen Energiepreise, die Suche nach qualifizierten Fachkräften oder unterbrochene Lieferketten aufgrund der weltpolitischen Lage. Allerdings hat auch jeder dritte Handwerksbetrieb konkrete Probleme, die Digitalisierung insgesamt zu bewältigen. 81 % halten viele digitale Anwendungen auf dem Markt für überdimensioniert für den eigenen Betrieb, die Hälfte kann sich viele Anwendungen nicht leisten. Die dafür vorhandenen Förderprogramme von Bund und Ländern werden oft als zu bürokratisch bewertet und nicht auf den Bedarf des Betriebes abgestimmt.

ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte: „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Digitalisierungsvorhaben weiterhin von der Politik unterstützt werden. Es gibt gute Ansätze, beispielsweise die Förderprogramme ‚go digital‘ und ‚digital jetzt‘, die professionelle Beratungen, Mitarbeiterschulungen und die Implementierung von digitalen Technologien bezuschussen. “ Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp: „Vor allem kommt es auch auf die Handwerks-Unternehmen selbst an: Wer digitalisieren will, muss loslegen. Jetzt gilt es, den Digitalisierungs-Boost durch die Corona-Pandemie fortzuführen und zu verstetigen. Unternehmen, die digital aufgestellt sind, sind nicht nur wettbewerbsfähiger, sie kommen auch besser durch die Krise.“

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