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BIM ermöglicht interdisziplinäres Studium in der Baubranche

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Autor: Jonas Völker

BIM ermöglicht interdisziplinäres Studium in der Baubranche
Das BIM-Institut ist forschungsorientiert und greift als interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung zwischen Architektur- und Bauingenieur-Studierenden an der Bergischen Universität Wuppertal. Foto: adimas - stock-adobe.com

Studierende der Architektur und des Bauingenieurwesens kommen am Haspel-Campus der Bergischen Universität in Wupptertal zusammen, um den Umgang mit digitalen Tools praxisnah zu erlernen. Im Mittelpunkt steht dabei das Building Information Modeling (BIM).

Seit 2017 besteht das BIM-Labor an der Universität, berichten Anica Meins-Becker, geschäftsführende Institutsleitung, und Agnes Kelm, Leiterin des BIM- und Digitalisierungs-Labors, beim Besuch des VDI. 12 PCs mit aktueller Software stehen Studierenden zur Verfügung.

“Wir machen hier eigentlich nichts anderes als in anderen Laboren – nur nicht in weißen Kitteln. Die Erkenntnisse aus der Forschung fließen in die Praxis ein”, sagt Agnes Kelm.

Das Building Information Modeling (BIM) im Detail

BIM steht für Building Information Modeling und bezeichnet den Prozess zum Erstellen und Verwalten von Informationen für ein Bauprojekt. BIM ist ein zentraler Bestandteil der Digitalisierung der Baubranche. Ein smartes Modell, das über eine Cloud-Plattform läuft, liefert die Basis. BIM integriert strukturierte Daten, um eine digitale Darstellung eines Gebäudes oder anderen Bauprojektes über den gesamten Lebenszyklus abzubilden. Das reicht von der Bauplanung über den architektonischen Entwurf bis hin zum Betrieb.

Architektur und Bauingenieurwesen: Studierende arbeiten Hand in Hand

Nicht immer passen Entwurf und Umsetzung übereinander – das passiert auch Architekt:innen und Ingenieur:innen. Das entworfene Gebäude sollte zu geeigneten Materialien passen; das Bauwerk in seiner strukturellen Integrität stimmig sein. Nicht selten wird festgestellt: Das Bauprojekt kann so nicht gestartet werden.

Um dies zu vermeiden, setzt das BIM-Institut in Wuppertal auf gemeinsame Studienzeit. “Seit 2017 sind wir hier eine Fakultät. Architekten und Ingenieure kommen zusammen, um bereits im Studium an innovativen Projekten zu arbeiten”, sagt Anica Meins-Becker. Teamfähigkeit und interdisziplinäres Denken sind entscheidend, um erfolgreich Bauwerke zu errichten. Diese Schlüsselfähigkeiten erlernen die Studierenden in Wuppertal.

Das BIM-Institut ist forschungsorientiert und greift als interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung zwischen Architektur- und Bauingenieur-Studierenden an der Bergischen Universität Wuppertal. BIM eröffnet zudem eine einheitliche, kollaborative Zusammenarbeit. Dennoch gibt es immer noch Bedenken und sogar Ängste gegenüber der Digitalisierung auf dem Bau – vor allem im Handwerk.

Angst vor BIM: Das sorgt für den Push

Virtual Reality und BIM vereinfachen in Kombination die Projektführung. Über eine VR-Brille können Studierende Objekte realitätsgetreu in einer künstlichen Wirklichkeit abbilden.

BIM eröffnet zudem eine einheitliche, kollaborative Zusammenarbeit. Dennoch gibt es immer noch Bedenken und sogar Ängste gegenüber der Digitalisierung auf dem Bau – vor allem im Handwerk. “Im Handwerk besteht oftmals noch Angst vor BIM. Dabei ist die Verwendung einer Drohne auch bereits BIM. Hier ist noch Aufklärungsarbeit nötig”, sagt Anica Meins-Becker.

Die Baubranche öffne sich aber zunehmend für BIM; bei Großprojekten ist die digitale Anwendung schon Standard. Das ist allerdings auch dringend erforderlich, denn erst kürzlich ging das BIM-Portal des Bundes an den Start. Die Bundesregierung will Planungsprozesse digitalisieren und beschleunigen. BIM ist dafür ein zentrales Instrument. „Von dem Portal erhoffe ich mir einen Anstoß für einen echten Kulturwandel beim Bauen und die konsequente Digitalisierung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Bis 2025 wird es bei öffentlichen Bauvorhaben bundesweit heißen: Digital ist besser“, so Bundesverkehrsminister Volker Wissing bei der Vorstellung des Portals in Berlin. Absolventen und Absolventinnen mit Erfahrung in der BIM-Technologie sind also gefragt.

Dennoch gibt es ein deutliches “Nein” als Antwort auf die Frage, ob ausreichend junge Leute den Studiengang belegen. “Klares Nein, wir haben nicht genug Studierende”, heißt es von Anica Meins-Becker. “Wir denken aber, dass durch das Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung wieder mehr Studierende ihren Weg in diesen Studiengang finden”, ergänzt die Professorin. “Medienarbeit und in Schulen präsent sein – das ist wichtig.” Die Problematik des Fachkräftemangels bekräftigt auch VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut: “Besonders hoch ist der Fachkräftemangel im Bauingenieurwesen und bei den Berufen, die sich mit Digitalisierung beschäftigen, zum Beispiel Informatik oder Elektrotechnik.” Wie prekär die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist, zeigt der aktuelle VDI-Ingenieurmonitor.

Berufsbegleitend BIM-Anwendungen erlernen

Umso wichtiger erscheint Weiterbildung. BIM-Anwendungen können auch Menschen lernen, die bereits fest im Berufsleben stehen. “Wir bieten hier in Wuppertal drei berufsbegleitende Studiengänge an. Da ist der Zulauf sehr hoch”, so Anica Meins-Becker. Darunter der MBE Baubetrieb, ein berufsbegleitender Masterstudiengang für Führungskräfte des Baubetriebs. Ein wichtiger Bestandteil des Studiums ist der Punkt Digitalisierung von Prozessen. Die Studierenden erfahren im Umgang mit entsprechender Software und Projektmanagement und -kommunikationssystemen wie Abläufe und Prozesse automatisiert und dadurch einfacher, kürzer und sicherer werden. Das zweite Angebot umfasst ein Studium neben dem Job im Bau- und Immobilienmanagement. Bei BIMKommunal wird eine Weiterbildung in der Bau- und Immobilienwirtschaft angeboten.

Qualitätsgesicherte Schulungen zu BIM werden auch auf Basis der Richtlinienreihe VDI 2552 angeboten.

Potenzial in der Baubranche ausschöpfen

Daten sind nicht nur in der Wirtschaft das neue Gold, sondern können die Baubranche noch stärker nach vorne bringen, um effizienter zu agieren. Neuer Wohnraum ist in zahlreichen Städten gefragt – auch hier können transparente Datensätze dank Digitalisierung helfen. “Vor allem das Potenzial von leer stehenden Gebäuden kann durch BIM und die gezielte Auswertung von Daten durch Städte und Bauherren besser ausgeschöpft werden”, weiß Leiterin Agnes Kelm.

Um Studierende in Wuppertal auf dem neuesten Stand in Sachen Software und Datenverarbeitung zu halten, befindet sich das BIM-Labor seit 2017 ebenfalls im stetigen Wandel. “Hier wird Fortschritt groß geschrieben. Die Software wandelt sich immer wieder – wir versuchen auf dem neuesten Stand zu sein. Dazu tragen auch freie Lizenzen für Studierende und Dozenten bei”, ordnet Kelm ein. Anica Meins-Becker ergänzt einen weiteren Benefit von BIM: “Wir haben eine Untersuchung am Beispiel des Kostenmanagements durchgeführt. Hier lässt sich eine Effizienz BIM-basiert gegenüber konventionellen Methoden in Höhe von ca. 50 % erkennen.“

Weitere Informationen gibt es unter www.vdi.de.

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