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14 Wochen Unsicherheit: Rettung für Leuna steht

Für den Chemiestandort Leuna zeichnet sich eine Lösung ab: Eine neu gegründete Gesellschaft übernimmt die Anlagen in Sachsen-Anhalt. Allerdings wird nicht die gesamte Belegschaft weiterbeschäftigt.

von | 13.04.26

Leuna: Strukturelle Herausforderungen bleiben.
Quelle: mije shots I Adobe Stock
Rettung in letzter Minute für Leuna

Nach 14 Wochen der Unsicherheit ist das eine positive Nachricht für den Standort und zugleich ein wichtiges Signal für die Prozessindustrie im mitteldeutschen Chemiedreieck. Die geplante Stilllegung der Anlagen des belgischen Unternehmens Domo Chemicals in einem der größten Chemieparks Deutschlands ist damit abgewendet.

Neue Eigentümerstruktur steht

Die Anlagen der deutschen Tochter Domo Caproleuna gehen an das Chemieunternehmen Leuna-Harze sowie an den Betreiber des Chemieparks, Infraleuna. Domo Caproleuna hatte über die Weihnachtsfeiertage gemeinsam mit zwei weiteren deutschen Gesellschaften des Konzerns Insolvenz angemeldet.

Die eigens von Leuna-Harze und Infraleuna gegründete Gesellschaft Leuna-Polyamid übernimmt neben den Anlagen 436 der zuvor knapp 500 Beschäftigten. Zeitgleich eröffnete das zuständige Gericht am Mittwoch das Insolvenzverfahren über die drei deutschen Domo-Gesellschaften.

Rettung in letzter Minute

Insolvenzverwalter Lucas Flöther, der den Betrieb seit Ende Dezember weitergeführt hatte, sprach von einer Rettung in letzter Minute in einem außergewöhnlichen Verfahren. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Klaus Paur, Inhaber und Geschäftsführer von Leuna-Harze, bezifferte den Finanzbedarf für den Wiederanlauf der Anlagen auf rund 50 Millionen Euro.

Ziel sei es, das Unternehmen wieder wirtschaftlich aufzustellen und weiterzuentwickeln, erklärte Infraleuna-Geschäftsführer Christof Günther auf einer Pressekonferenz in Leuna.

Ein späterer Verkauf sei nicht vorgesehen. Die operative Leitung von Leuna-Polyamid übernimmt Martin Naundorf, bislang verantwortlich für das Standortmarketing bei Infraleuna.

Der Notbetrieb der Anlagen war zuvor mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bezeichnete die Entwicklung als „guten Tag für Sachsen-Anhalt“.

Die Landesregierung hatte im Januar im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme Maßnahmen zur Gefahrenabwehr eingeleitet und damit die Grundlage für einen geordneten Investorenprozess geschaffen. Auf dieser Basis wurde auch der Weiterbetrieb der Anlagen finanziert. Insgesamt wandte das Land dafür in den vergangenen Wochen rund 80 Millionen Euro auf.

Strukturelle Herausforderungen bleiben

Die Einigung kurz vor Ablauf dieser Maßnahme Ende März gilt auch politisch als Erfolg. Zugleich macht der Fall die strukturellen Herausforderungen für die Prozessindustrie am Standort deutlich.

Leuna-Harze und Infraleuna hatten ihr Engagement zunächst lediglich als Ausweichoption ins Spiel gebracht, falls sich kein externer Investor findet. Das Interesse potenzieller Käufer blieb angesichts der schwachen wirtschaftlichen Perspektiven in Europa und zunehmender Konkurrenz bei Produkten der Grundstoffchemie, wie dem von Domo Caproleuna produzierten Caprolactam, begrenzt.

Dass Leuna-Harze und Infraleuna nun doch einsteigen, hängt auch damit zusammen, dass eine Stilllegung der Anlagen als einzige Alternative größere Risiken für die beteiligten Unternehmen und den Industriestandort insgesamt bedeutet hätte.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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