Generic filters
FS Logoi

KI: Überregulierung könnte Wettbewerbsnachteil sein

Der Digitalverband Bitkom warnt vor einer Überregulierung von Künstlicher Intelligenz in Europa. Dadurch könnten europäische Unternehmen von einer Nutzung der Zukunftstechnologie abgeschreckt werden und ein Wettbewerbsnachteil gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern entstehen.

von | 04.11.20

Nach einer langen Vorlaufzeit, in der sich die EU-Gremien vor allem mit ethischen Aspekten von Künstlicher Intelligenz beschäftigt haben, hat der Rechtsausschuss des EU-Parlaments Anfang der Woche einen Berichtsentwurf zu Haftungsfragen diskutiert.
Darin wird die Einführung einer verschuldensunabhängigen Haftung für Künstliche Intelligenz in Hochrisiko-Anwendungen vorgeschlagen. Haftbar soll danach der Betreiber der KI-Anwendung sein, also z. B. der Unternehmer, der eine Maschine einsetzt, die mit einer lernenden Software ausgestattet ist. Der Betreiber soll darüber hinaus gezwungen werden, eine Pflichtversicherung für mögliche Risiken abzuschließen.

Mehr Anreize für KI-Entwicklung benötigt

„Anstelle von zusätzlicher Regulierung, Haftungsverschärfungen und Pflichtversicherungen bräuchten die Unternehmen mehr Anreize, in die Entwicklung und den Einsatz dieser Technologie zu investieren“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Eine aktuelle Umfrage unter Geschäftsführern und Führungskräften in Unternehmen ab 50 Mitarbeitern in Deutschland im Auftrag des Bitkom zeigt, dass bislang gerade einmal 9 % der Unternehmen KI-Anwendungen im Einsatz haben. Für zwei Drittel (64 %) der Unternehmen ist ein solcher Einsatz dagegen derzeit gar kein Thema.
Nach Ansicht des Bitkom können KI-Systeme in vielfältiger Weise Tätigkeiten und Entscheidungen menschlicher Anwender unterstützen und ihnen ihre Aufgaben erleichtern. Solche Systeme werden etwa bei der Qualitätskontrolle von Stoffen oder bei der Diagnose von Krankheiten eingesetzt. Sie können aber auch für die Textanalyse, etwa zur Bestimmung der Autorenschaft, genutzt werden oder bei der Wartung von Großanlagen und beim Design komplexer Industrieaggregate unterstützen.

Bitkom warnt vor unkoordinierten Vorschriften

„Künstliche Intelligenz ist eine der hoffnungsvollsten Zukunftstechnologien in Europa“, betont Berg. „Wir dürfen das riesige Potenzial dieser Technologie für vielfältige Verbesserungen in Wirtschaft und Gesellschaft nicht vorschnell ausbremsen.“ Bitkom warnt insbesondere vor einer unkoordinierten Vielzahl neuer Vorschriften, mit denen der KI-Einsatz reguliert wird. „Die jetzt im EU-Parlament diskutierte Initiative betrifft zunächst KI-Systeme mit besonderem Gefährdungspotenzial, jedoch sind weitere Haftungsvorschriften und andere rechtliche Vorgaben für die Entwicklung von KI bereits angekündigt“, so Berg.
So wird schon seit längerem diskutiert, die Produkthaftung auf EU-Ebene zu verschärfen, um insbesondere auch Entwickler von KI-Systemen unmittelbarer in die Haftung einzubeziehen. Außerdem hat die EU-Kommission in ihrem Weißbuch zu Künstlicher Intelligenz aus dem Februar für KI-Hochrisikoanwendungen neue Dokumentationspflichten und Risikomanagementanforderungen für KI-Hersteller und KI-Anwender, zwingende Konformitätsbewertungen für KI-Produkte und eine Änderung der Regeln zur Beweislast zulasten von KI-Herstellern vorgeschlagen. Diese neuen Vorschriften würden zu der schon bestehenden Haftung für Diskriminierungen und für Datenschutzverstöße hinzukommen.
„Weil keine Technologie perfekt ist, müssen wir Menschen wirksam vor Schäden durch solche Systeme schützen und es darf nicht zu Haftungslücken kommen. Wichtig ist, dabei ein in sich konsistentes System zu schaffen, das zudem verhältnismäßig ist“, sagt Berg.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

PROFIBUS & PROFINET International veröffentlicht neues Security-Whitepaper
PROFIBUS & PROFINET International veröffentlicht neues Security-Whitepaper

PROFIBUS & PROFINET International (PI) hat ein neues gemeinsames technisches Positionspapier zum sicheren Einsatz industrieller Kommunikationsprotokolle veröffentlicht. Das Dokument wurde im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit der FieldComm Group, der ODVA und der OPC Foundation erarbeitet. Das Whitepaper steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.

mehr lesen
Jubiläum: VDI feiert 170. Geburtstag
Jubiläum: VDI feiert 170. Geburtstag

Vor 170 Jahren, am 12. Mai 1856, wurde der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Alexisbad gegründet. Seitdem hat sich viel getan: Der VDI ist heute mit 125.000 Mitgliedern die größte Community für Ingenieurinnen und Ingenieure in Deutschland.

mehr lesen
MTP: NAMUR veröffentlicht aktualisierte NE 200 zur Integration
MTP: NAMUR veröffentlicht aktualisierte NE 200 zur Integration

Die neue Auflage der NE 200 „Hybrid BATCH – MTP Integration in bestehende Batch-Systeme“ beschreibt systematisch, wie Process Equipment Assemblies (PEAs) mit MTP-Schnittstelle in klassische ISA-88-konforme Batchsysteme integriert werden können. Das Dokument richtet sich an Anlagenbetreiber, Batchsystem-Hersteller und Systemintegratoren und definiert, welche Engineering- und Laufzeitanforderungen auf Seiten des Batchsystems erfüllt sein müssen, ohne Eingriffe in die PEA selbst.

mehr lesen
VDI/VDE-GMA sucht Fachleute für Digitalisierung und Virtualisierung
VDI/VDE-GMA sucht Fachleute für Digitalisierung und Virtualisierung

Die VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik ruft Fachleute zur Mitarbeit im Fachbereich 3 „Digitalisierung und Virtualisierung“ auf. Der Fachbereich befasst sich mit Bausteinen für eine digitalisierte, flexible und ressourcenschonende Produktion. Im Mittelpunkt stehen unter anderem vernetzte Systeme, Datenschnittstellen, sichere Kommunikation, industrielle KI-Anwendungen und die Weiterentwicklung von Richtlinien für die Mess- und Automatisierungstechnik.

mehr lesen
IGR-Erfahrungsaustausch Technik 2026: KI-Einsatz in der Prozessindustrie im Fokus
IGR-Erfahrungsaustausch Technik 2026: KI-Einsatz in der Prozessindustrie im Fokus

Am 30. September und 1. Oktober 2026 findet im Bürgerhaus in Mörfelden/Walldorf der IGR-Erfahrungsaustausch Technik statt. Die Veranstaltung widmet sich der Frage, wie Künstliche Intelligenz von der Pilotphase in die Produktion überführt werden kann. Im Mittelpunkt stehen resiliente Produktionsprozesse, ein gezielter Ressourceneinsatz sowie neue digitale Geschäftsmodelle. Die Anmeldung ist ab sofort möglich.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03