Generic filters
FS Logoi

DIT 2025: Zukunftsperspektiven für den Standort Deutschland

Wie können konkrete Zukunftsperspektiven für den Standort Deutschland aussehen? Das diskutierten rund 1.500 Ingenieurinnen und Ingenieure auf dem 32. Deutschen Ingenieurtag in Düsseldorf unter dem Leitmotiv „Zukunft Standort Deutschland“ gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Forschung.

von | 19.05.25

VDI-Direktor Adrian Willig bei der Eröffnung des DIT 2025.
Foto: Screenshot Youtube

Wie können konkrete Zukunftsperspektiven für den Standort Deutschland aussehen? Das diskutierten rund 1.500 Ingenieurinnen und Ingenieure auf dem 32. Deutschen Ingenieurtag in Düsseldorf unter dem Leitmotiv „Zukunft Standort Deutschland“ gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Forschung.

DIT 2025: Es geht um die Zukunft

„Alle geistigen Kräfte der Technik zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen.“ So formulierten die Gründerväter des VDI den Anspruch des Ingenieurverbands im Jahre 1856. Knapp 175 Jahre später wird dieser Anspruch vom VDI-Direktor Adrian Willig in seinen Eröffnungsworten  neu interpretiert: „Wir diskutieren heute nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft!“

Diese durchaus selbstbewusste Interpretation der Rolle des deutschen Ingenieurtums adressierte auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. „Ingenieure retten die Welt, wir gehen den Weg von der Kohle zur KI“, erklärte er, die wichtigste Ressource sei heute nicht mehr unter unseren Füßen, sondern zwischen unseren Ohren. Wie weit vor allem das von ihm geführte Bundesland Nordrhein-Westfalen bei der digitalen Transformation schon gekommen sei, machte er vor allem an einem Fakt fest:

„NRW hat mehr Studierende als Kalifornien. Es gibt vier Exascale-Rechner (18 Mrd. Rechenoperationen pro Sekunde) auf der Welt. Drei davon stehen in den USA und einer im Supercomputing Centre des Forschungszentrums Jülich.“

Die aktuell zentralen Herausforderungen: Bildung, Fachkräftemangel, Pragmatismus

Doch bei aller Lobhudelei zeigte sich der VDI durchaus selbstkritisch. „Wir erfinden tolle Dinge, aber es wird der Schritt in die Industrialisierung sein, auf den es ankommt. Das ist uns in der Vergangenheit schwer gefallen“, erklärte etwa VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein. „Wir brauchen beim Hochlauf neuer Technologien mehr Pragmatismus“, machte Willig deutlich. Deutschlad müsse wieder in eine „Zeit der Innovation kommen“. Genau dafür brauche es neben technologischen Neuentwicklungen auch zusätzliche Fachkräfte. Junge Menschen und insbesondere junge Frauen für Technik zu begeistern sei neben der gezielten Anwerbung von internationalen Fachkräften eine zentrale Herausfoderung.

Auch für Ministerpräsident Wüst hat die Bildung vor allem von Kindern hohe Priorität. „Die größte Herausforderung im Bildungs-Sektor ist aktuell die Beherrschung der deutschen Sprache. Das können wir nicht mehr auf- und verschieben auf später. Das ist die basale Aufgabe dieser Zeit“, machte er deutlich. Gleichzeitig dürfte sich die Industrie nicht auf dem geschaffenen Wohlstand ausruhen. Wüst warb für eine „Allianz für mehr Risikobereitschaft“ mahnte aber im selben Atemzug ebenfalls, dass wir uns „unsere Zukunft nicht kaputt regulieren dürfen, sonst haben wir bald keine mehr.“

DIT 2025: Die zentralen Punkte der weiteren Keynotes

Prof. Dr. Jutta Günther, Rektorin der Universität Bremen

  • Die FuE-Ausgaben aller Bereiche (Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden) lagen 2023 bei 130 Mrd. Euro (3,1 % des BIP, EU-Durchschnitt 2,4 %)
  • Weltweit liegt Deutschland nur hinter Südkorea, Japan und USA
  • Automobilindustrie führen, IKT, Biotech sowie der Maschinenbau und die Elektroindustrie gestiegen
  • Vorgabe für 2025 sind 3,5 % des BIP
  • Anmeldezahlen von Patenten steigen (+4 % in 2024), weltweit Rang 2 hinter USA
  • Deutsche Universitäten sind weltweit Spitzenreiter bei europäischen Patenten

Dipl.-Ing. Matthias Zink, CEO Sparte Powertrain & Chassis und Mitglied des Vorstands, Schaeffler AG und Präsident CLEPA European Association of Automotive Suppliers, Belgien

  • Die globalen Rahmenbedingungen der Automobilindustrie verschieben sich. Zusammenfassend: Die USA promoten, die EU reguliert, China plant
  • Marktanteile im Automobilsektor: 24 % China, EU 24 % und USA 10 %
  • Auch die Rollen von Zulieferunternehmen sind im Wandel: „Früher ging es ums Teile produzieren und Autobauer beliefern. Heute ist man Energieerzeuger, -lieferant, in vielen verschiedenen Branchen unterwegs“

Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds

  • „Wir dürfen nicht nur in Beton, sondern auch in die Köpfe dieses Landes investieren“
  • Anerkennung von Berufserfahrung und ausländischen Ausbildungen muss noch verbessert werden
  • Im Durchschnitt sind laut DGB 10 Stunden im Jahr für Fortbildungen möglich.

Prof. Dr. Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrates Wirtschaft, Professorin an der TU Nürnberg (UTN), Leiterin des Energy Systems und Market Design Lab

  • Stagnation in Deutschland, seit vier Jahren kein Wachstum
  • EU wächst seit 2019 um 4 %, USA um 12 %
  • „Wir müssen wissen, welche Rolle wir in der Welt spielen wollen und wie wir diese Rolle einnehmen können. Sich an den USA oder China zu orientieren, ist nicht zielführend.“
  • „Wir müssen technologisch besser werden. Wenn wir nur versuchen, unsere Position zu behalten, verlieren wir den Anschluss.“
  • „Wir regulieren in der EU nach dem Vorsorgeprinzip (Wo könnte es negative Effekte geben?), womit wir uns selbst Stolpersteine in den Weg legen. Innovationsprinzip ist das Stichwort.“

VDI-Ehrenmitgliedschaften für außerordentliches Engagement

Das Rückgrat des VDI sind die vielen tausende engagierten Ehrenamtlichen. Darum bietet der Deutsche Ingenieurtag den richtigen Rahmen, um dem Ehrenamt zu danken und besonderes Engagement auszuzeichnen.

Präsident Lutz Eckstein betont, die Ehrenmitgliedschaft werde vergeben, als „Wertschätzung für Engagement und Tatkraft, nicht nur im Beruf als Ingenieur und Ingenieurin, sondern im Ehrenamt. Denn diese Preisträger haben sich über alle Maße für den VDI und somit für die Gemeinschaft eingebracht.“ Gerade heute sei eine aktive Gestaltung wichtiger denn je.

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaften würdigten Präsident Lutz Eckstein und Direktor Adrian Willig das herausragende ehrenamtliche Engagement dreier Persönlichkeiten, die sich über Jahrzehnte hinweg um den VDI und die Ingenieurgemeinschaft verdient gemacht haben.

  • Prof. Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg wurde für sein langjähriges Wirken im Bereich der Verkehrssicherheit ausgezeichnet – ein Engagement, das weit über das Berufliche hinausgeht.
  • Prof. Dr.-Ing. Wilfried Clauß wurde für seine Dienste in der Weiterentwicklung des VDI geehrt, insbesondere die Entwicklung der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG).
  • Prof. Dr.-Ing. Eberhard Haller erhielt die Ehrenmitgliedschaft, da er als langjähirger Vorsitzender des Finanzbeirats, den VDI in seiner jetzigen Form maßgeblich mit gestaltet hat.

Die Auszeichnungen stehen stellvertretend für die tausenden Ehrenamtlichen im VDI, ohne deren Tatkraft und Mitgestaltung die Arbeit des Vereins nicht möglich wäre. Gerade in Zeiten des Wandels ist aktives Engagement ein entscheidender Faktor für eine zukunftsfähige Ingenieurgesellschaft.

VDI verleiht auf dem DIT 2025 zwei Grashof-Medaillen

Preisträgerin Prof. Sabine Kunst als Vorbild für Frauen in technischen Berufen

Prof. Sabine Kunst ist promovierte Umweltbiotechnologin. Nach leitenden Positionen an der Universität Potsdam und beim Deutschen Akademischen Austauschdienst wurde sie Wissenschaftsministerin in Brandenburg. Anschließend übernahm sie das Präsidentenamt der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2022 ist sie Vorstandsvorsitzende der Hamburger Joachim Herz Stiftung. Ihre Verdienste reichen von der Wasserwirtschaft bis zur Förderung junger Frauen in MINT-Berufen.

„Ihr wissenschaftliches Werk, ihre innovativen Lösungen und ihre Weitsicht haben einen enormen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung und dem Schutz unserer Wasserressourcen geleistet“, so VDI-Präsident Prof. Lutz Eckstein. Weiter sagt er: „Frau Prof. Kunst hat stets darauf hingewiesen, wie wichtig eine gleichberechtigte Teilnahme von Frauen an wissenschaftlichen und technischen Berufen ist, um das volle Potenzial der Gesellschaft zu entfalten.“

Preisträger Prof. Siegfried Rußwurm als Impulsgeber der Industrie

Siegfried Rußwurm, der sich selbst als „Technik-Freak“ bezeichnet, hat die deutsche Industrie über Jahrzehnte geprägt – unter anderem als Vorstand bei Siemens. Zuletzt war er als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) die wichtigste Stimme für die Interessen der Industrie in Deutschland und Europa. Der VDI würdigte ihn mit der Grashof-Denkmünze für seine technologische Exzellenz, Innovationskraft und sein unermüdliches Engagement für eine nachhaltige Industriepolitik. Als Honorarprofessor und Mitglied zahlreicher Gremien schlägt er aktiv die Brücke zwischen Forschung und Praxis.

Prof. Lutz Eckstein sagt über ihn: „Sie haben schon früher als viele andere die Chancen der Digitalisierung und der aufkommenden KI-Technologien erkannt und insbesondere für die industrielle Anwendung stets nach passenden Lösungen gesucht und oft gefunden.“ Von 2021 bis 2024 führte er als Präsident die größte und wohl bedeutendste Wirtschaftsvereinigung in Deutschland, den BDI. „Sein außergewöhnliches Engagement zeigt sich nicht nur in seinen Führungsrollen, sondern auch in seinem Einsatz für Wissenschaft und Forschung“, ergänzt Eckstein.

Zukunftsweisende Themen in den Workshops des DIT 2025 am Nachmittag

Am Nachmittag wurde an zukunftsweisenden Themen gearbeitet und in den Fachsessions über wichtige Entwicklungen diskutiert. Hier erhielten die Gäste Impulse durch Fachvorträge und konnten mit anderen Fachleuten auf Podium und im Publikum diskutieren. Kurze Zusammenfassungen der einzelnen Workshops gibt es auf der VDI-Website.

Ein kurzes Recap-Video des DIT 2025 gibt es auf Youtube:

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Grünes Licht für Industriestrompreis aus Brüssel
Grünes Licht für Industriestrompreis aus Brüssel

Die EU-Kommission hat den deutschen Industriestrompreis genehmigt und damit den beihilferechtlichen Rahmen für Entlastungen stromintensiver Unternehmen geschaffen. Das Fördervolumen beträgt 3,8 Milliarden Euro, die Regelung gilt für den Zeitraum von 2026 bis 2028. Ziel ist es, besonders energieintensive Branchen im internationalen Wettbewerb zu stabilisieren und Produktionsverlagerungen zu vermeiden. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisierte die Entlastung als zu gering.

mehr lesen
VDI und IW: Potenzial von Ingenieurinnen wird nicht ausreichend genutzt
VDI und IW: Potenzial von Ingenieurinnen wird nicht ausreichend genutzt

Deutschland lässt wirtschaftliches Potenzial in Milliardenhöhe ungenutzt: Kurz vor der Hannover Messe, dem weltweit wichtigsten Branchentreff der Industrie, hat der VDI gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) neue Zahlen zur Rolle von Ingenieurinnen für den Standort Deutschland vorgestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte der VDI ein Gutachten, das zeigt: Deutschland nutzt das Potenzial von Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen noch immer nicht ausreichend. Die gesamte Studie steht zum kostenfreien Download bereit.

mehr lesen
BSI veröffentlicht neuen Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer vor
BSI veröffentlicht neuen Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer vor

Cloud Computing ist essenziell für die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Um die Potenziale dieser Technologie sicher nutzen zu können, bedarf es industrietauglicher Sicherheitsstandards. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt mit dem Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue (C5) seit 2016 den deutschlandweit wichtigsten Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer bereit – dieser liegt nun in einer neuen Version (C5:2026) vor.

mehr lesen
SECURITY UNTER KONTROLLE: Nächster Kongresstermin für 2027 steht fest
SECURITY UNTER KONTROLLE: Nächster Kongresstermin für 2027 steht fest

Der Termin für die nächste Ausgabe von SECURITY UNTER KONTROLLE steht fest: bereits am 2. und 3. März 2027 findet der größte deutschsprachige OT-Security-Kongress zum vierten Mal statt. Nach der mit über 200 Teilnehmenden ausverkauften Premiere im Gebläsehallenkomplex des Landschaftsparks Duisburg-Nord wird das Event auch in knapp einem Jahr wieder mitten im Ruhrgebiet auf dem Gelände des ehemaligen Hüttenwerks stattfinden.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03