KI-Agenten könnten die nächste Entwicklungsstufe beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in Unternehmen markieren. Auf der Digital X in Köln diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft darüber, wie aus einzelnen KI-Werkzeugen automatisierte Prozesse entstehen können. Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher kamen zu der Veranstaltung im Kölner Rheinauhafen.
KI-Agenten sollen komplette Prozesse übernehmen
Im Mittelpunkt der Diskussion steht eine Verschiebung von assistierenden KI-Anwendungen hin zu Systemen, die innerhalb definierter Grenzen selbstständig Aufgaben bearbeiten und Entscheidungen vorbereiten oder treffen. Damit verändert sich auch die Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzen künstlicher Intelligenz.
Rodrigo Diehl, Telekom-Vorstand, erwartet in diesem Bereich eine schnelle Entwicklung. „Wir werden in den nächsten drei Jahren einen iPhone-Moment erleben, der die nächsten 20 Jahre definieren wird“, sagte er auf der Digital X. Als wichtige Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Einsatz nennt das vorgestellte Material geeignete Prozesse, verfügbare Daten und eine klare Governance.
Für Industrieunternehmen ist insbesondere der Übergang vom isolierten KI-Werkzeug zu durchgängigen Prozessketten relevant. Erst wenn KI-Systeme auf Unternehmensdaten zugreifen und mit bestehenden Abläufen verbunden werden, können daraus stärker automatisierte Prozesse entstehen. Gleichzeitig steigen damit die Anforderungen an Kontrolle und Sicherheit.
Digitale Souveränität wird zur Infrastrukturfrage
Eng mit dem Einsatz von KI verbunden ist die Frage, auf welcher Infrastruktur Modelle und Anwendungen betrieben werden. Nach den auf der Digital X vorgestellten Angaben könnte generative KI laut Institut der deutschen Wirtschaft bis zu 330 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung für die deutsche Industrie erschließen.
Die Diskussion auf der Veranstaltung verband dieses Potenzial mit der digitalen Souveränität Europas. Dabei geht es weniger um vollständige technologische Autarkie als um die Kontrolle über Daten, Prozesse und die eingesetzten Technologien. Unternehmen müssen entsprechend bewerten, wo Daten verarbeitet werden, welche Abhängigkeiten von Anbietern entstehen und welche Alternativen verfügbar sind.
Telekom-Chef Tim Höttges formulierte diesen Ansatz auf der Veranstaltung so: „Digitale Souveränität heißt nicht Deutschtum, sondern: Kontrolle über Daten, Prozesse und die Nutzung von Technologien.“
KI-Cloud soll zusätzliche Rechenkapazität bereitstellen
Die technische Basis für rechenintensive KI-Anwendungen bildet zunehmend spezialisierte Cloud-Infrastruktur. Die Deutsche Telekom will ihre Industrial AI Cloud in München nach eigenen Angaben weiter ausbauen. Als Grund nennt das Unternehmen eine steigende Nachfrage. Gleichzeitig sollen die Cloud-Angebote stärker auf Anforderungen mittelständischer Unternehmen zugeschnitten werden.
Für Anwender stellt sich damit die Frage nach der geeigneten Betriebsumgebung für unterschiedliche Workloads. Neben Rechenleistung und Kosten spielen Datensicherheit, regulatorische Anforderungen und die gewünschte Kontrolle über Daten und Anwendungen eine Rolle. Je nach Einsatzfall können daraus unterschiedliche Anforderungen an Cloud-, Edge- oder lokale Infrastrukturen entstehen.
Cybersecurity begrenzt die Autonomie von KI-Agenten
Mit zunehmender Automatisierung wächst zugleich die Bedeutung der Cybersecurity. KI kann nicht nur für Unternehmensprozesse genutzt werden, sondern nach Einschätzung der auf der Digital X vertretenen Sicherheitsexperten auch Cyberangriffe erleichtern und deren Automatisierung vorantreiben.
Besonders relevant wird dies bei KI-Agenten, die selbstständig auf Daten, Anwendungen oder andere Systeme zugreifen. Je größer ihr Handlungsspielraum ist, desto wichtiger werden Zugriffsrechte, Überwachung und nachvollziehbare Entscheidungsstrukturen. Die technische Einführung agentischer Systeme ist deshalb unmittelbar mit Fragen der Governance und IT-Sicherheit verbunden.
Kontrolle wird zur Kernfrage beim Einsatz von KI-Agenten
Wie weit diese Autonomie reichen darf, war auch Gegenstand der gesellschaftlichen Debatte auf der Digital X. Der Historiker Yuval Noah Harari warnte davor, KI ausschließlich als Werkzeug zu betrachten. Künftig könnten zahlreiche KI-Systeme Entscheidungen beeinflussen, die Menschen unmittelbar betreffen.
Damit reicht die Diskussion über KI-Agenten über reine Leistungs- und Effizienzfragen hinaus. Unternehmen müssen festlegen, welche Entscheidungen automatisiert werden dürfen, wann menschliche Freigaben erforderlich sind und wie sich Entscheidungen technisch nachvollziehen lassen.
Für die industrielle Digitalisierung zeichnet sich damit ein zusammenhängendes Aufgabenfeld ab: Leistungsfähige KI benötigt geeignete Daten und Prozesse, ausreichende Recheninfrastruktur und sichere Schnittstellen. Werden daraus autonome oder teilautonome Agenten, kommen Governance, Cybersecurity und menschliche Kontrolle als weitere technische und organisatorische Anforderungen hinzu.








