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81. NAMUR-Hauptsitzung: Field Instruments Supporting Digital Transformation

Die Digitalisierung der Prozessindustrie war auch auf der 81. NAMUR-Hauptsitzung wieder das beherrschende Thema. Die führenden Köpfe der Branche diskutierten am 8. und 9. November unter dem Motto "Field instruments supporting digital transformation" die Rolle der Feldinstrumente in der digitalen Transformation. Sponsor der diesjährigen Hauptsitzung war Endress+Hauser.

von | 04.11.20

"Die Digitalisierung ist inzwischen nicht nur im Feld, sondern auch in den Arbeitsprozessen angekommen." Mit dieser Erkenntnis eröffnete Dr. Wilhelm Otten die NAMUR-Hauptsitzung, die mit 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis auf den letzten Platz ausgebucht war. Im Bericht des Vorstands, der traditionell die Sitzung eröffnet, erklärte Dr. Otten das Thema Supply Chain zum Schwerpunktthema der NAMUR-Aktivitäten für 2019. "Hier können wir den Net-Revenue gezielt steigern", so Otten weiter. Das Thema 5G, das ebenfalls hohe Priorität habe, sei vor allem für die NAMUR Open Architecture ein Enabler.
Die erste Überraschung des Tages lieferte die Vorstandssitzung der NAMUR am Vorabend der Hauptsitzung. Der von Dr. Otten selbst als "alte Garde" bezeichnete ehemalige Vorstand macht Platz für die "Jungen Wilden". Zum neuen Vorsitzenden der NAMUR wurde Dr. Felix Hanisch von der Bayer AG gewählt. Sein Stellvertreter wird Michael Pelz (Clariant). Ebenfalls neu im Vorstand der Interessengemeinschaft ist Dr. Thorsten Dreier (Covestro). Aus dem Vorstand ausgeschieden sind Dr. Thomas Tauchnitz (ehemals Sanofi), sowie Dr. Herbert Meier (Clariant).||| Traditionell startete der zweite Tag der NAMUR-Hauptsitzung mit der Verleihung des NAMUR Awards. In diesem Jahr wurden zwei Abschlussarbeiten ausgezeichnet. Dr.-Ing. Maik Riedel, Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg, stellte einen Beitrag zur wissensbasierten Unterstützung bei der Auswahl technischer Ressourcen vor.
Den zweiten NAMUR Award bekam Dipl.-Ing. Markus Vogelbacher vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). In seiner Diplomarbeit befasste sich Vogelbacher mit einer neuen Methode zur kamerabasierten Analyse von Mehrstoffbrennern in industriellen Verbrennungsprozessen.|||||| "Feldgeräte sind das Fenster zum Prozess"
Das immense Potenzial der Digitalisierung heben will Endress+Hauser, der Sponsor der 81. Hauptsitzung. Smarte Geräte als sichere Bestandteile der OT und IT zu integrieren ist für CEO Matthias Altendorf dabei die größte Herausforderung. "Nur so können datengetriebene Entscheidungen überhaupt ermöglicht werden", so Altendorf weiter.
Endress+Hauser will dafür nicht nur neue Sensoren und Analysengeräte anbieten, sondern auch die Abläufe im Engineering der Messgeräte verbessern und für eine durchgängige Datenqualität sorgen. "Wir helfen unseren Kunden in der Prozessindustrie, produktiver zu arbeiten und das Potenzial der Digitalisierung zu heben."
Dabei gebe es vor allem im Engineering und der Beschaffung der Feldgeräte noch enormes Einsparpotenzial. Nikolaus Krüger, Vorstandsmitglied von Endress+Hauser, wählte dafür drastische Worte: "Häufig diskutieren wir Rabatte im Promille-Bereich, vergeigen aber Millionen bei den Prozesskosten."
Für Andreas Mayr, ebenfalls im Vorstand von E+H, liegt die Lösung dafür in den Anlagendaten. "97 Prozent der verfügbaren Informationen werden nicht genutzt", so Mayr. Das vordergründige Problem dafür sei die steigende Komplexität der Analysetechnik. Die Reduzierung der Komplexität sowie die Verknüpfung von Informationen bilden laut Mayr hier die Schlüssel. ||| Die digitale Transformation der PAT
In die gleiche Kerbe schlugen auch Frank Grümbel (Lanxess) und Ulrich Schünemann (BASF) in ihrem Vortrag "Vom Brownfield zur smarten Sensorik – Der Weg zur digitalen Transformation der PAT". Auch für sie ist gekapselte Intelligenz der Weg hin zu einer erfolgreichen Digitalisierung des Brownfields.
Smarte Feldgeräte und IT-Sicherheit
Welche Effekte digitale und intelligente Feldgeräte konkret auf die Automatisierung haben, diskutierte Michael Maiwald (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung) in seinem Vortrag "Smarte Feldgeräte – Nur ’smartisiert‘ oder echte Chance für zukünftige Automatisierung?". Auch Maiwald sieht in gekapselter Komplexität die Lösung, allerdings nur in Kombination mit einer IT-sicheren Umgebung. Sein Fazit: "Digitalisierung ist nicht im Alleingang möglich".
NOA – Reif für Produkte
So lautete der Titel des Vortrags von Jan De Caigny (BASF), der am Vormittag des ersten Tages die neuen Entwicklungen in der NAMUR Open Architecture vorstellte. Die große Herausforderung sei im Moment klar die Überführung der Idee in konkrete Produkte. Noch nicht vorhandene Spezifikationen machten es überdies schwer festzulegen, wann ein NOA-Produkt wirklich ein NOA-Produkt sei.
Erneut sehr gut besucht war der entsprechende NOA-Workshop am Nachmittag, der in diesem Jahr im Kongress-Saal stattfand. Während im vergangenen Jahr noch vier Demonstratoren das NOA-Konzept veranschaulichten, konnte in diesem Jahr erstmals eine Pilot-Anlage vorgestellt werden, die im Industriepark Hoechst steht. Die Anlage pumpt aus zwei 700 Liter Tanks Wasser hin und her. Insgesamt wurden auf der NAMUR Hauptsitzung vier Use-Cases präsentiert:

  • Device Health
  • Automatisches As-built
  • Online-Analyse von PAT-Systemen
  • PLT-Geräte-Dimensionierung

|||Das Highlight war die Live-Demo des 2. Use-Case. Über eine Videokonferenz und anhand der Gerätedaten konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer live einen Sensortausch verfolgen. Dazu konnten sich die Zuhörer per Smartphone über eine Remote-Verbindung in das HMI einloggen.||| Innovate vs. Stagnate – Der Industrie 4.0 Reality-Check
In einem gemeinsamen Vortrag stellten Dr. Thorsten Pötter (SAMSON AG) und Alba Mena Subiranas (BASF) dar, wie es wirklich um die Digitalisierung der Prozessindustrie steht. Dafür stellten die beiden Vortragenden anhand von drei Szenarien dar, wie die fiktiven Unternehmen Innovate (vollständig digitalisiert) und Stagnate (wenig bis gar nicht digitalisiert) mit einer Inspektion, einem Kompressor-Ausfall sowie mit einer Anlagenänderung in Form eines Austauschs umgehen.
Ein gelungener Reality-Check, der zwar für den ein oder anderen Lacher sorgte, aber die ernste Botschaft nicht vergaß: Industrie-4.0-Szenarien sind in der Anwendung noch nicht flächendeckend verbreitet und umgesetzt.
Plug-&-Produce auf dem Weg zur Markteinführung
Ulrich Christmann (NAMUR), Axel Haller (ZVEI) und Frank Stenger (ProcessNet) stellten eindrucksvoll dar, warum "Automation as a service" dank des Module Type Package (MTP) kein Wunschtraum mehr ist. "Wir haben bereits den Status ‚Produkte und Projekte‘ erreicht", erkllärte Ulrich Christmann und verwies auf drei Pilot-Projekte, die bereits angelaufen sind. Die drei Referenten kündigten außerdem erste MTP-Produkte für das kommende Jahr an.
Die bis dahin noch zu bewältigenden Herausforderungen drehen sich vorrangig um die Standardisierung und Harmonisierung des MTP aber auch um die Safety und IT-Sicherheit.
Anlagenbau ohne strukturierte Daten?
Diese Frage stellten Dr. Wilhelm Otten und Michael Wiedau (beide Evonik) dem Auditorium in ihrem Vortrag. Die Voraussetzung dafür sei in jedem Fall ein standardisiertes Datenmodell. Die Idealvorstellung: aus einem Operational Data Modell kann in Zukunft automatisch ein MTP erstellt werden. Dieses Datenmodell bildet die Basis für eine Unified Operational Data Platform. ||| BSI wird 159. NAMUR-Mitglied
Auf den Höhepunkt des zweiten Tages der NAMUR Hauptistzung musste das Auditorium fast bis zum Schluss warten. Während des Vortrags "Connectivity – Fundament für die Digitalisierung" verkündeten Martin Schwibach (BASF) und der neue NAMUR-Vorsitzende Hanisch die Aufnahme des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in die NAMUR. Im Gegenzug wird die NAMUR Mitglied in der Allianz für Cybersicherheit.
Arne Schönbohm, Präsident des BSI, begrüßte die enge Zusammenarbeit von BSI und NAMUR und erklärte: "Wer Digitalisierung ernst meint, sollte sich mit einem Mindestmaß an IT-Sicherheit auskennen." Informationssicherheit sei die Voraussetzung für Digitalisierung und müsse auf ein einheitliches Niveau gehoben werden.
Außerdem fehle es bislang an Regeln und Strukturen, Martin Schwibach (BASF). Unter dem Oberbegriff der Data Connectivity nutzte Schwibach außerdem die Chance, um im Angesicht der Vergabe der 5G-Frequenzen dafür zu werben, dass 25 Prozent der Frequenzen für industrielle Anwendungen reserviert werden müssten. "Schließlich ist 5G ein Quantensprung, für den bereits alle Basis-Technologien und Hardware-Entwicklungen vorhanden sind."
"Die Digitalisierung wird anfassbar"
In seinem Abschlussvortrag fasste der neue NAMUR-Vorsitzende Hanisch die Hauptsitzung noch einmal zusammen. Sein Fazit: "Ein standardisiertes Datenmodell ist in allen Anwendungsszenarien der Grundstein". Vor allem aber werde die Digitalisierung endlich anfassbar.
Zum Abschluss gab Hanisch das Thema der Namur-Hauptsitzung im kommenden Jahr bekannt. Das Motto lautet dann „Enhanced connectivity for smart production“. Sponsor der Hauptsitzung wird 2019 Phoenix Contact sein.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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