PROFIBUS & PROFINET International (PI) entwickelt PROFIsafe für die funktional sichere Kommunikation weiter. Eine aktualisierte Spezifikation, neue Testwerkzeuge sowie überarbeitete Anwendungsprofile sollen die Umsetzung und Zertifizierung in der Fertigungs- und Prozessautomation vereinheitlichen. Zugleich bereitet PI die breitere Nutzung der Technologie in Prozessfeldgeräten vor.
PROFIsafe-Spezifikation präzisiert technische Grundlagen
Die im Juni 2026 veröffentlichte PROFIsafe-Spezifikation konkretisiert mehrere technische Punkte. Dazu gehören die PROFINET-Mechanismen für BaseID und Parametrierung, zulässige Werte und Datentypen, CRC-Berechnungen sowie Reaktionszeiten. Nach Angaben von PI wurde die Klarstellungsversion bereits vom TÜV bewertet.
Eine besondere Rolle spielt BaseID bei größeren Netzwerken sowie modular aufgebauten Maschinen und Anlagen. Zusätzliche PROFIsafe-Komponenten lassen sich darüber eindeutig identifizieren und in komplexere Netzwerkstrukturen einbinden. Damit adressiert PI insbesondere Anwendungen, bei denen Maschinenmodule ergänzt, ausgetauscht oder flexibel kombiniert werden.
Neue Testinfrastruktur für Implementierung und Zertifizierung
Parallel zur Spezifikation stellt PI eine erweiterte Testinfrastruktur bereit. Dazu gehören das neue PROFIsafe TestBundle, ein Layertester und die zugehörigen Labordokumente. Hersteller und PI-Testlabore sollen Implementierungen damit reproduzierbar prüfen können.
Die Werkzeuge decken damit den Übergang von der Spezifikation zur Produktprüfung ab. Für Hersteller funktional sicherer Geräte ist dies insbesondere bei der Vorbereitung auf die Zertifizierung relevant, da Implementierungen anhand einheitlicher Testverfahren verifiziert werden können.
Sichere Antriebe und IO-Link Safety
Auch die sichere Antriebskommunikation wurde aktualisiert. Im Juni 2026 gab PI eine neue Version des „PROFIdrive on PROFIsafe Amendment“ frei. Die Schnittstelle definiert die herstellerübergreifende Kommunikation für sichere Antriebsfunktionen.
Mit IO-Link Safety erweitert sich die funktional sichere Kommunikation zugleich bis in die Sensor- und Aktorebene. Nach Angaben von PI ist die Integration inzwischen verfügbar, erste Produkte befinden sich bereits am Markt. Damit können Safety-Funktionen auch auf Geräteebene in durchgängige Automatisierungsarchitekturen eingebunden werden.
PROFIsafe soll stärker in die Prozessautomation vordringen
Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt liegt auf der Prozessautomation. Aufbauend auf „PROFINET over APL“ und dem PA-Profil 4 sollen Anforderungen an die funktional sichere Kommunikation von Prozessfeldgeräten im „Profile for Process Control Devices“ verankert werden.
PI hat den aktuellen Entwurf nach eigenen Angaben mit dem NAMUR-Arbeitskreis „Digitale Prozesskommunikation“ abgestimmt. Vorgesehen ist, dass PROFIsafe-Feldgeräte sowohl im Safety- als auch im Standardmodus betrieben werden können. Betreiber könnten dadurch dieselbe Geräteausführung für unterschiedliche Messstellen und Sicherheitsanforderungen einsetzen.
Relevant ist dieser Ansatz unter anderem für Multipurpose-Anlagen oder für Messkreise, deren sicherheitstechnische Bewertung sich im Laufe des Anlagenlebens ändert. Die Anzahl benötigter Gerätevarianten kann dadurch reduziert werden, ohne Safety- und Standardanwendungen grundsätzlich auf getrennte Hardwareplattformen zu verteilen.
PA-Profil 4.10 soll noch 2026 in den Review gehen
Das entsprechende PA-Profil 4.10 soll nach der aktuellen Planung von PI noch 2026 in den Review gehen. Erste Implementierungen in Testgeräten sind für das zweite Quartal 2027 angekündigt.
Damit erweitert sich der Anwendungsbereich von PROFIsafe schrittweise von klassischen Maschinen- und Antriebsanwendungen in Richtung Prozessfeldtechnik. Entscheidend wird dabei sein, wie sich die spezifizierten Safety-Funktionen mit bestehenden Geräteprofilen und Kommunikationsstrukturen der Prozessautomation verbinden lassen.
Fazit
PI bündelt die Weiterentwicklung von PROFIsafe auf mehreren Ebenen: Die Spezifikation wird präzisiert, die Testinfrastruktur ausgebaut und zusätzliche Anwendungsfelder werden erschlossen. Für die Prozessautomation ist vor allem die geplante Integration in das PA-Profil 4.10 relevant, da sie funktional sichere Feldgeräte enger mit bestehenden PROFINET-basierten Automatisierungsarchitekturen verzahnen soll.








