Generic filters
FS Logoi

Planen statt auf Wunder hoffen

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz, Chefredakteur Industry des atp magazins, empfiehlt, planvoll ans Werk zu gehen und nicht auf Wunder zu warten. KI-generiert Glauben Sie an Wunder? „Nein, natürlich nicht“, werden Sie empört antworten. Wir wissen um den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. „Von nichts kommt nichts“, sagt der zweite Hauptsatz der Thermodynamik. (Oder, etwas präziser nach […]

von | 22.08.24

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz, Chefredakteur Industry des atp magazins, empfiehlt, planvoll ans Werk zu gehen und nicht auf Wunder zu warten.

KI-generiert

Glauben Sie an Wunder? „Nein, natürlich nicht“, werden Sie empört antworten. Wir wissen um den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. „Von nichts kommt nichts“, sagt der zweite Hauptsatz der Thermodynamik. (Oder, etwas präziser nach Wikipedia zitiert: „Wärme kann nicht von selbst von einem Körper niedriger Temperatur auf einen Körper höherer Temperatur übergehen.“) Für Wunder ist da kein Platz.

KI als Wunder?

Doch ich habe Zweifel, ob wir den Glauben an Wunder wirklich aufgegeben haben. Ich traf kürzlich einen Bekannten, seines Zeichens Verfahrensingenieur, auf dem Markt. Ich berichtete, dass mir meine Rolle als Consultant für Automatisierungstechnik und Industrie 4.0 viel Spaß macht. Und er erwiderte: „Ach, dann machst Du jetzt also auch KI?“

Offensichtlich setzte er „Automatisierungstechnik und Industrie 4.0“ mit der Künstlichen Intelligenz gleich. Das ist von der Sache her völliger Quatsch: Künstliche Intelligenz braucht Daten, zunächst zum Anlernen und dann zum Auswerten. Und wo sollen denn die Daten herkommen, wenn nicht aus den Automatisierungs- und Digitalisierungs-Systemen? KI ersetzt diese nicht, sondern baut auf ihnen auf. In der Pyramide ist KI ganz oben, und ohne die Automatisierungs- und Digitalisierungstechnik darunter kann sie überhaupt nichts. Schon gar keine Wunder bewirken.

Hoffen auf Wunder

Mir ging dieses Gespräch lange nach, denn es scheint mir symptomatisch zu sein für unsere Zeit: Statt heute die Grundlagen zu schaffen, reden wir mit Begeisterung über die Möglichkeiten in der Zukunft. Offensichtlich glauben wir doch noch an Wunder.

  • Statt endlich Windkraftanlagen zu bauen, hoffen wir auf Wasserstoffheizungen (die vier Mal mehr grünen Strom brauchen würden).
  • Statt endlich die Schulbildung zu verbessern, hoffen wir auf perfekt ausgebildete ausländische Spezialisten, die in unser kompliziertes Land kommen wollen.
  • Statt endlich Wohnungen in den Städten zu bauen, hoffen wir, dass die Menschen aufs Land ziehen (und dadurch neuen Verkehr generieren).
  • Statt endlich die betrieblichen Automatisierungs- und IT-Systeme zu verbinden (Connectivity) und auf dieser Basis Sichtbarkeit und Verstehen zu erreichen, träumen wir von prädiktiven oder adaptiven Anlagen (vergleiche Acatech Maturity Index, siehe hier.)

Schritt für Schritt und planvoll

Statt gedanklich „das Pferd von hinten aufzuzäumen“ und auf Wunder zu hoffen, sollten wir besser Schritt für Schritt nach einem guten Plan voranschreiten. Und dabei müssen wir drei Aspekte der Nachhaltigkeit zusammenbringen: Ökologie, Ökonomie und gesellschaftliche Nachhaltigkeit. Den letzten Begriff habe ich von Roland Bent im Gespräch für den „AUTOMATION Podcast“ gelernt (Spotify oder Amazon oder Apple): Wir müssen auch die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft berücksichtigen.

Am Beispiel der Windkraftanlagen: Geld allein reicht nicht, wir brauchen auch Planer, Genehmigungsbehörden, Fabriken, Handwerker – und eine gesellschaftliche Akzeptanz. Kluge Menschen haben ausgerechnet, dass die Energiewende bis 2035 machbar ist, wenn wir jedes Jahr 120 Milliarden investieren (was sogar gut angelegtes Geld wäre, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ermittelt hat). Wenn die Hälfte davon Personalkosten sind und man pro Mitarbeitenden 100.000 Euro jährlichen rechnet, bräuchte man 600.000 Mitarbeitende allein für die Planung, Herstellung und Montage der Windkraftanlagen. Das überfordert definitiv unsere „gesellschaftliche Nachhaltigkeit“. Und leider, leider wird es auch hier keine Wunder geben. Und in den anderen Beispielen auch nicht. Also, lasst uns realistisch planen und dann: kraftvoll ans Werk!

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz
Chefredakteur Industry atp magazin
atp@TAUTOMATION.consulting

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Grünes Licht für Industriestrompreis aus Brüssel
Grünes Licht für Industriestrompreis aus Brüssel

Die EU-Kommission hat den deutschen Industriestrompreis genehmigt und damit den beihilferechtlichen Rahmen für Entlastungen stromintensiver Unternehmen geschaffen. Das Fördervolumen beträgt 3,8 Milliarden Euro, die Regelung gilt für den Zeitraum von 2026 bis 2028. Ziel ist es, besonders energieintensive Branchen im internationalen Wettbewerb zu stabilisieren und Produktionsverlagerungen zu vermeiden. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisierte die Entlastung als zu gering.

mehr lesen
VDI und IW: Potenzial von Ingenieurinnen wird nicht ausreichend genutzt
VDI und IW: Potenzial von Ingenieurinnen wird nicht ausreichend genutzt

Deutschland lässt wirtschaftliches Potenzial in Milliardenhöhe ungenutzt: Kurz vor der Hannover Messe, dem weltweit wichtigsten Branchentreff der Industrie, hat der VDI gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) neue Zahlen zur Rolle von Ingenieurinnen für den Standort Deutschland vorgestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte der VDI ein Gutachten, das zeigt: Deutschland nutzt das Potenzial von Frauen in Ingenieur- und Informatikberufen noch immer nicht ausreichend. Die gesamte Studie steht zum kostenfreien Download bereit.

mehr lesen
BSI veröffentlicht neuen Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer vor
BSI veröffentlicht neuen Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer vor

Cloud Computing ist essenziell für die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Um die Potenziale dieser Technologie sicher nutzen zu können, bedarf es industrietauglicher Sicherheitsstandards. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt mit dem Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue (C5) seit 2016 den deutschlandweit wichtigsten Sicherheitsstandard für Cloud-Anbieter und -Nutzer bereit – dieser liegt nun in einer neuen Version (C5:2026) vor.

mehr lesen
SECURITY UNTER KONTROLLE: Nächster Kongresstermin für 2027 steht fest
SECURITY UNTER KONTROLLE: Nächster Kongresstermin für 2027 steht fest

Der Termin für die nächste Ausgabe von SECURITY UNTER KONTROLLE steht fest: bereits am 2. und 3. März 2027 findet der größte deutschsprachige OT-Security-Kongress zum vierten Mal statt. Nach der mit über 200 Teilnehmenden ausverkauften Premiere im Gebläsehallenkomplex des Landschaftsparks Duisburg-Nord wird das Event auch in knapp einem Jahr wieder mitten im Ruhrgebiet auf dem Gelände des ehemaligen Hüttenwerks stattfinden.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03