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Industrie 4.0: Wir hinken hinterher

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz, Chefredakteur Industry des atp magazins, diskutiert Ergebnisse des Industrie 4.0 Barometers 2025.

von | 10.04.25

Hinken wir in Deutschland bei der Digitalisierung hinterher?
Foto: KI-generiert via ChatGPT

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz, Chefredakteur Industry des atp magazins, diskutiert Ergebnisse des Industrie 4.0 Barometers 2025.

Es gibt Lektüren, die einfach keinen Spaß machen. Dazu gehört das aktuelleIndustrie 4.0-Barometer“, das jährlich von MHP herausgegeben wird. Die MHP Management- und IT-Beratung GmbH ist ein Unternehmen der Porsche AG und der LMU – Ludwig-Maximilians-Universität München, Professur für Digital Services and Sustainability.

Die Ergebnisse der Studie sind erschreckend. Ein paar Kernsätze:

  • „Im internationalen Vergleich wird deutlich, dass die USA und China deutlich schneller voranschreiten und ihre Führungsposition im Bereich Industrie 4.0 festigen.“
  • „Viele Unternehmen in der DACH-Region haben ihre digitale Transformation erst begonnen. Sie kämpfen weiter mit strukturellen Hemmnissen: veralteten IT-Infrastrukturen, einem Mangel an Fachkräften und einer oft unzureichenden Priorisierung durch das Management.“
  • „Viele Unternehmen verfügen zwar über eine Datenbasis, nutzen diese jedoch nicht ausreichend, um datenbasierte Entscheidungen zu treffen oder Innovationen voranzutreiben.“
  • „Datensilos und ein nicht durchgängiger Datenaustausch verzögern die Einführung weiterer Industrie 4.0-Technologien. Ohne diese Basis bleiben das volle Potential von künstlicher Intelligenz ungenutzt und die Möglichkeiten einer datenbasierten Ökonomie eingeschränkt.“

In der sorgfältig erstellten und sehr umfangreichen Studie (85 Seiten) findet man viele Statistiken. In KEINER davon gibt es im DACH-Raum bessere Ergebnisse als in den USA und China! Interessant auch die Unterscheidung zwischen defensiven und offensiven Datenstrategien:

  • Zu defensiven Strategien gehören die Senkung der Betriebskosten, die Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, die Verhinderung von Cyberangriffen und Datenschutzverletzungen, die Reduktion operationeller Risiken, die Verbesserung der Datenqualität und die Optimierung von Geschäftsprozessen.
  • Zu offensiven Datenstrategien gehören die Erzeugung zusätzlicher Einnahmen mit bestehenden Produkten und Services, die Schaffung neuer Produkte und Services, die schnelle Reaktion auf Wettbewerber und Marktveränderungen, die Nutzung neuer Datenquellen und das Monetarisieren von Unternehmensdaten.

Die meisten Unternehmen gestalten ihre Datenstrategie defensiv. Dies ist besonders in der DACH-Region der Fall, wo der Fokus stärker auf der Reduzierung von Risiko und Kosten sowie auf der Erfüllung von Compliance-Vorgaben liegt.

Aus meiner Sicht will ich einige Kommentare hinzufügen:

  • „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“, sagte wohl Winston Churchill. Bei einer Studie einer IT-Beratung muss man wohl mit einem Bias rechnen. Wenn diese zusammen mit einem Hochschulinstitut 823 Teilnehmende aus verschiedenen Regionen befragt hat (216 Befragte aus der DACH-Region, 201 aus dem Vereinigten Königreich, 201 aus den USA und 205 aus China), sollte man aber von einem validen Kern in den Ergebnissen ausgehen.
  • Auch ich verfolge die Nachrichten und weiß, dass im Moment viele Unternehmen und auch die DACH-Länder andere Sorgen haben, als ihre Digitalisierung voranzutreiben. Aber bei allem Verständnis: Die höhere Umsetzungsgeschwindigkeit von USA und China wurde schon bei den letzten Barometern festgestellt, ohne dass dies zu Taten geführt hätte.
  • Und für Menschen, die sich noch immer fragen, ob wir mehr Digitalisierung brauchen, die Gegenfrage: Wie sonst sollten wir den gigantischen Herausforderungen entgegentreten: hohen Löhnen, teurer Energie, einer schwindelerregenden Änderungsgeschwindigkeit in den Märkten, der Forderung nach Nachhaltigkeit und einer nicht enden wollenden Abfolge von Krisen? Die Option „weiter wie bisher“ gibt es nicht mehr! Wir müssen flexibler, billiger und letztlich intelligenter werden.


Die Studie diskutiert viele Aspekte der Digitalisierung. Mein ganz pragmatischer Vorschlag: Arbeiten Sie das Papier gründlich durch und verwenden Sie es als Checkliste für mögliche Maßnahmen, priorisieren Sie diese für Ihr Unternehmen und fangen Sie mit den wichtigsten fünf oder zehn Punkten an!

 

Dr.-Ing. Thomas Tauchnitz
Chefredakteur Industry atp magazin
atp@TAUTOMATION.consulting

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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