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„Wir müssen die Prozessautomatisierung weiter strategisch voranbringen“

Warum die digitale Transformation der Prozessautomatisierung an Fahrt gewinnt, wo 2026 Wachstum entsteht und welche Rolle Cyber Security, sicherer Datenverkehr und neue Infrastrukturstandards künftig spielen – darüber spricht der wiedergewählte Vorsitzende des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung, Axel Lorenz, im Interview.

von | 09.12.25

Axel Lorenz startet in seine zweite Amtszeit als Vorsitzender des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomation.
Foto: Siemens

Warum die digitale Transformation der Prozessautomatisierung an Fahrt gewinnt, wo 2026 Wachstum entsteht und welche Rolle Cyber Security, sicherer Datenverkehr und neue Infrastrukturstandards künftig spielen – darüber spricht der wiedergewählte Vorsitzende des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung, Axel Lorenz, im Interview.

Herr Lorenz, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als Vorsitzender im ZVEI-Fachbereich Messtechnik und Prozessautomatisierung. Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit bis 2028 gesetzt?

Vielen Dank! Ich freue mich über das Vertrauen und möchte in den kommenden Jahren das fortführen, was wir erfolgreich begonnen haben. Besonders wichtig ist mir die enge Zusammenarbeit mit dem NAMUR-Vorstand, die sich als großer Erfolgsfaktor erwiesen hat. Gemeinsam mit dem Vorstand und dem ZVEI-Hauptamt wollen wir weiter intensiv daran arbeiten, die Prozessautomatisierung strategisch voranzubringen. Ein Schwerpunkt wird der Cyber Resilience Act sein. Wir müssen ihn gemeinsam angehen, um unseren Mitgliedern und ihren Kunden Sicherheit und Orientierung zu geben. Hier besteht nach wie vor viel Unsicherheit.

Welche Aufgaben ergeben sich daraus für den ZVEI-Fachbereich Messtechnik und Prozessautomation?

Ich sehe es als unsere Aufgabe, als verlässlicher Partner für Industrie und Politik zu agieren und die Perspektive der Prozessindustrie deutlich einzubringen. Darüber hinaus wollen wir unsere Mitglieder dabei unterstützen, sich auf die Digitalisierung vorzubereiten und bei Messen und Branchenevents sichtbar zu bleiben. Wichtig ist auch, dass wir die Rahmenbedingungen für den Erfolg des Standorts verbessern. Stichworte sind Entbürokratisierung, Vorzertifizierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Womit wir bei der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Branche wären. Wie bewerten Sie die Lage der Prozessautomatisierung und was sind die derzeit größten Herausforderungen?

Die Lage ist verhalten positiv. Wir sehen Wachstumschancen, allerdings entstehen viele Impulse derzeit stärker außerhalb Deutschlands und Europas – etwa in den USA, im Mittleren Osten und in Asien. In bestimmten Bereichen, vor allem Öl und Gas sowie Wasser und Abwasser, läuft es gut, ebenso sehen wir vielversprechende Entwicklungen bei autonomen Anlagen und bei der zunehmenden Elektrifizierung von Prozessen. Eine der größten Herausforderungen bleiben die Energiekosten und CO₂-Abgaben. Das belastet vor allem energieintensive Industrien. Gleichzeitig entstehen hier aber auch Chancen – etwa durch nachhaltige Lösungen und technologische Innovationen, die wir aus Deutschland heraus anbieten können. Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Viele Mitgliedsunternehmen suchen händeringend qualifizierte Fachleute. Auch geopolitische Themen wirken sich aus: Die USA setzen über Zölle Anreize zur Reindustrialisierung, China stärkt staatliche Unternehmen. Das alles verändert die globalen Wettbewerbsbedingungen.

Welche Prognose können vor diesem Hintergrund Sie für das kommende Jahr 2026 geben?

Ich bin vorsichtig optimistisch. Der Auftragseingang hat sich zuletzt leicht verbessert, und ich denke, dass auch 2026 ein moderates Wachstum möglich ist. Die globalen Märkte bieten viele Chancen, auch wenn Risiken, etwa durch Zölle oder hohe Energiekosten, bestehen bleiben. Insgesamt zeigt unsere Branche ein heterogenes Bild, je nach Produktportfolio und Zielindustrien. Besonders Öl und Gas und die Life Sciences investieren weiter in Effizienz und neue Technologien. Auch im Bereich Biopharma steigt die Nachfrage. 2025 werden weltweit täglich rund 3,8 Milliarden Medikamentendosen verabreicht. Das treibt Innovationen in der Automatisierung.

Welche Technologien werden für die Prozessindustrie in Zukunft dabei wichtig sein?

Wir bewegen uns mit unseren Kunden klar in Richtung Digitalisierung und autonome Anlagen. Die steigende Komplexität und der Kostendruck führen dazu, dass sich diese Transformation beschleunigt. Themen wie Cyber Security – gerade nach Inkrafttreten der NIS2-Richtlinie – und ein sicherer Datenverkehr werden immer wichtiger. Der Advanced Physical Layer, den NAMUR und ZVEI vorantreiben, ist dagegen ein Zukunftsthema, das 2026 voraussichtlich noch kein großer Wirtschaftsfaktor sein wird. Aber auch hier sehen wir nennenswertes Potenzial.

Axel Lorenz

Seit Oktober 2022 ist Axel Lorenz als CEO Process Automation bei Siemens tätig. Zuvor arbeitete der Diplom-Ingenieur als Vice President Control im Geschäftsbereich Factory Automation. Seine berufliche Karriere startete Axel Lorenz im Jahr 1992 als Ingenieur für Projektierung und Inbetriebsetzung in der damaligen Siemens-Abteilung für Engineering und Software in Berlin. Der gebürtige Berliner studierte Elektrotechnik an der Berliner Hochschule für Technik.

Weitere Informationen gibt es unter www.zvei.org.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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