Die Automatisierungstechnik soll in Deutschland künftig stärker von datengetriebenen und KI-basierten Anwendungen profitieren. Dafür haben Bundesregierung, Industrie, Verbände und Forschung die Plattform Industrie 4.0 neu ausgerichtet. Ziel ist es, industrielle KI bis 2030 flächendeckend in industriellen Anwendungen zu etablieren und damit Wettbewerbsfähigkeit sowie technologische Souveränität zu stärken.
Automatisierungstechnik im Fokus der neuen Plattform Industrie 4.0
Im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung am 3. Juli 2026 in Berlin beschlossen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung die Neuausrichtung der Plattform Industrie 4.0. Künftig soll sie als zentrales Strategie- und Umsetzungsnetzwerk für industrielle KI dienen. Neben Forschungseinrichtungen wie acatech und der Fraunhofer-Gesellschaft beteiligen sich 17 Industrieunternehmen aktiv an der Weiterentwicklung.
Als technologisches Zielbild dient der auf der Hannover Messe 2026 vorgestellte Industrial AI Stack. Er soll eine durchgängige Architektur von Infrastruktur und Daten über industrielle Foundation Models bis hin zu KI-Anwendungen schaffen.
Vier Handlungsfelder bis Ende 2026
Die neue Leitung der Plattform durch Siemens und TRUMPF definiert vier zentrale Maßnahmen:
- Aufbau eines Ökosystems für industrielle KI mit Arbeitsplan für Infrastruktur, Daten, Foundation Models und Anwendungen.
- Öffnung der Plattform für weitere Industrieunternehmen, Mittelstand, Start-ups und Technologieanbieter.
- Einrichtung einer Arbeitsgruppe für den Transfer von KI-Anwendungen in den Mittelstand.
- Einführung neuer Governance-Strukturen mit Leitungsgremium, Steuerkreis und flexiblen Arbeitsgruppen.
Ein erster Arbeitsplan soll bis September 2026 vorliegen. Erste Umsetzungsmaßnahmen sind noch im laufenden Jahr vorgesehen.
Von Industrie 4.0 zu Industrial AI
Die Neuausrichtung soll vorhandene Initiativen wie Manufacturing-X, 8ra und IPCEI AI stärker miteinander verzahnen. Ziel ist es, regulatorische Rahmenbedingungen, Datenökosysteme und skalierbare Infrastrukturen zusammenzuführen, damit KI-Anwendungen entlang der industriellen Wertschöpfungskette schneller umgesetzt werden können.
Nach Angaben der neuen Industrievorsitzenden der Plattform steht dabei insbesondere die Überführung bestehender Entwicklungen in industrielle Anwendungen im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sicheren Nutzung von Daten über Unternehmensgrenzen hinweg sowie auf der Skalierung bestehender Lösungen in der Produktion.
Bedeutung für die Prozessindustrie
Für Unternehmen der Prozess- und Fertigungsindustrie gewinnt die Plattform damit eine neue Rolle. Während bisher Grundlagen wie Verwaltungsschale, digitaler Zwilling oder industrielle Datenräume im Mittelpunkt standen, rückt nun die praktische Nutzung von KI-Anwendungen in den Fokus. Insbesondere mittelständische Unternehmen sollen künftig stärker beim Transfer in industrielle Produktionsprozesse unterstützt werden.
Mit der Neuausrichtung entwickelt sich die Plattform Industrie 4.0 von einem technologieorientierten Netzwerk zu einer Umsetzungsplattform für industrielle KI. Der Fokus liegt künftig stärker auf skalierbaren Anwendungen, einer gemeinsamen Dateninfrastruktur und dem Transfer in die industrielle Praxis.







