Generic filters
FS Logoi

Physical AI: Neue Studie ordnet Potenziale und Herausforderungen ein

Mit dem Fortschritt Künstlicher Intelligenz rückt ein Konzept zunehmend in den Fokus der industriellen Transformation: Physical AI. Eine aktuelle Veröffentlichung des Forschungsbeirats Industrie 4.0 beleuchtet den Stand der Technologie, ihre Anwendungsperspektiven sowie zentrale Herausforderungen für den industriellen Einsatz. Das Papier steht zum kostenfreien Download zur Verfügung. Im atp magazin 6-7/2026 zur AUTOMATION 2026 erscheint darüber hinaus ein detaillierter Übersichtsbeitrag.

von | 27.03.26

Trotz der Potenziale befindet sich Physical AI noch in einem frühen Entwicklungsstadium.
Foto: Alex - stock-adobe.com
Gesicht, bestehend aus Datenpunkten

Mit dem Fortschritt Künstlicher Intelligenz rückt ein Konzept zunehmend in den Fokus der industriellen Transformation: Physical AI. Eine aktuelle Veröffentlichung des Forschungsbeirats Industrie 4.0 beleuchtet den Stand der Technologie, ihre Anwendungsperspektiven sowie zentrale Herausforderungen für den industriellen Einsatz. Das Papier steht zum kostenfreien Download zur Verfügung. Im atp magazin 6-7/2026 zur AUTOMATION 2026 erscheint darüber hinaus ein detaillierter Übersichtsbeitrag.

Von der Automatisierung zur autonomen Anlage

Die industrielle Produktion ist bereits weitgehend automatisiert, folgt jedoch meist starren, regelbasierten Abläufen. Systeme reagieren bislang nur eingeschränkt auf unvorhergesehene Veränderungen, und digitale Modelle sowie reale Anlagen sind häufig noch nicht eng miteinander verzahnt. Physical AI setzt genau hier an: Sie integriert KI direkt in physische Systeme wie Maschinen oder Produktionsanlagen. Diese können ihre Umgebung wahrnehmen, Daten in Echtzeit verarbeiten und eigenständig Entscheidungen treffen. In Kombination mit Digitalen Zwillingen entsteht so die Grundlage für adaptive und lernfähige Produktionssysteme .

Eine Schlüsselrolle kommt dem digitalen Zwilling zu, der als virtuelle Repräsentation von Anlagen und Prozessen fungiert. Er verknüpft Echtzeitdaten mit Simulationen und ermöglicht es, Handlungsoptionen vor ihrer Umsetzung zu bewerten. Im Zusammenspiel mit Physical AI entsteht ein kontinuierlicher Datenkreislauf:

  • Reale Anlagen liefern Daten
  • Der Digitale Zwilling simuliert Szenarien
  • KI-Systeme leiten daraus optimale Steuerungsentscheidungen ab
  • Diese werden zurück in die physische Anlage gespielt

Dieses Prinzip erlaubt eine vorausschauende und dynamische Steuerung industrieller Prozesse.

Konkreter Anwendungsfall: Prozessanlagen

Am Beispiel komplexer Prozessanlagen zeigt die Studie, wie Physical AI eingesetzt werden kann. In solchen Anlagen werden zahlreiche Parameter wie Temperatur, Druck oder Energieflüsse überwacht und gesteuert. Während heute viele Eingriffe noch manuell erfolgen, kann ein KI-gestützter digitaler Zwilling künftig verschiedene Steuerungsoptionen simulieren und bewerten. Eine sogenannte „Agentic AI“ wählt daraufhin eigenständig die jeweils optimale Maßnahme aus – etwa zur Energieoptimierung oder zur Anpassung an veränderte Marktbedingungen.

Die zentralen Vorteile von Physical AI liegen laut Studie in mehreren Dimensionen:

  • Höhere Flexibilität: Systeme reagieren in Echtzeit auf Störungen oder Veränderungen
  • Effizienzsteigerung: Optimierte Nutzung von Energie und Ressourcen
  • Resilienz: Robustere Prozesse durch kontinuierliche Anpassung
  • Systemweite Optimierung: Betrachtung gesamter Produktions- und Logistikketten statt einzelner Maschinen

Zudem ermöglicht der kontinuierliche Abgleich zwischen realer und digitaler Welt eine fortlaufende Verbesserung der Modelle und Entscheidungen.

Entwicklungsstand: Frühe Phase mit großem Potenzial

Trotz der beschriebenen Potenziale befindet sich Physical AI noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Während Datenerfassung und digitale Zwillinge bereits in der Industrie verbreitet sind, ist die Integration von KI in physische Systeme bislang überwiegend Gegenstand von Forschung und Pilotprojekten. Insbesondere die Skalierung in reale Produktionsumgebungen stellt weiterhin eine Herausforderung dar. Die Studie identifiziert mehrere technologische und organisatorische Hürden:

  • Übertragbarkeit von KI-Modellen: Systeme müssen sich flexibel an unterschiedliche Anlagen anpassen
  • Sim-to-Real-Gap: Unterschiede zwischen Simulation und realer Umgebung erschweren den Einsatz
  • Datenqualität: Verlässliche und umfassende Daten sind Voraussetzung für robuste Modelle
  • Sicherheit und Erklärbarkeit: Entscheidungen autonomer Systeme müssen nachvollziehbar und vertrauenswürdig sein
  • Integration in bestehende Systeme: Technische und wirtschaftliche Hürden bei der Implementierung

Darüber hinaus gewinnt die Mensch-Maschine-Interaktion an Bedeutung. Mitarbeitende übernehmen künftig stärker überwachende und strategische Aufgaben, während Routineprozesse automatisiert werden.

Fazit: Physical AI als zentraler Entwicklungsschritt in der Industrie 4.0

Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Physical AI einen zentralen Entwicklungsschritt innerhalb von Industrie 4.0 darstellt: den Übergang von automatisierten zu lernenden, adaptiven und zunehmend autonomen Produktionssystemen.

Die Kombination aus KI, cyber-physischen Systemen und Digitalen Zwillingen eröffnet neue Möglichkeiten für Effizienz, Nachhaltigkeit und industrielle Wertschöpfung. Gleichzeitig bleiben wesentliche Fragen hinsichtlich Technologie, Infrastruktur und Akzeptanz offen, die für eine breite industrielle Umsetzung noch zu klären sind.

Die gesamte Studie ist kostenfrei zum Download erhältlich:

Zum Download

Weitere Informationen gibt es unter www.acatech.de.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Agile Robots übernimmt Automatisierungs-Sparte von thyssenkrupp
Agile Robots übernimmt Automatisierungs-Sparte von thyssenkrupp

Agile Robots hat Assets von thyssenkrupp Automation Engineering in Europa und Nordamerika übernommen. Die bereits im November 2025 angekündigte Transaktion stärkt die Position des Münchener Unternehmens im Bereich KI-gestützter Automatisierungslösungen und soll laut einer Pressemeldung den Zugang zu neuen Märkten sowie zu Partnerschaften mit OEMs erweitern.

mehr lesen
Geringe Cloud-Reife bremst laut Studie KI-Potenziale
Geringe Cloud-Reife bremst laut Studie KI-Potenziale

Der IT- und Technologiedienstleister NTT DATA hat die Studie „Cloud-led innovation in the era of AI: The new rules for driving value with cloud“ veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 14 % der befragten Unternehmen einen hohen Reifegrad bei der Cloud-Nutzung erreicht haben – trotz einer Nutzung der Technologie über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg.

mehr lesen
Fraunhofer-Projekt will Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar machen
Fraunhofer-Projekt will Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar machen

Im Forschungsprojekt Unternehmensübergreifende Materialdaten und Materialsimulation in der Produktion, PMD-X-MAPRO, das vom Bundesforschungsministerium BMFTR gefördert wird, arbeiten Forschung und Wirtschaft daran, Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar zu machen. Ziel ist es, Informationen über Werkstoff-Eigenschaften und Fertigungsdaten so aufzubereiten, dass sie entlang der gesamten Lieferkette automatisch genutzt und ausgetauscht werden können.

mehr lesen
Smart City Index: Energie- und Wärmeplanung deutsche Großstädte wird digitaler
Smart City Index: Energie- und Wärmeplanung deutsche Großstädte wird digitaler

Ob Künstliche Intelligenz, intelligente Netze oder sogar der digitale Zwilling des Energienetzes: die meisten deutschen Großstädte setzen bei der Energie- und Wärmeplanung auf digitale Technologien. Drei Viertel (76 %) haben solche Lösungen bereits im Einsatz, bei 12 % befinden sie sich gerade in der Einführung und bei 1 % in einer Testphase. Weitere 7 % planen die Nutzung digitaler Technologien rund um Energie und Wärme, nur bei 4 % ist das kein Thema. Das ist nur ein Ergebnis des Studienberichts zum Smart City Index 2025, der bislang unveröffentlichte Detailergebnisse des Digital-Rankings der 83 deutschen Städte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern des Digitalverbands Bitkom enthält.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03
Datenschutz
atpinfo.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl:
Datenschutz
atpinfo.de, Inhaber: Vulkan-Verlag GmbH (Firmensitz: Deutschland), würde gerne mit externen Diensten personenbezogene Daten verarbeiten. Dies ist für die Nutzung der Website nicht notwendig, ermöglicht aber eine noch engere Interaktion mit Ihnen. Falls gewünscht, treffen Sie bitte eine Auswahl: