Mit der Eröffnung des Berlin Joint Institute for Plant Safety and Process Engineering bündeln die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und die Technische Universität Berlin ihre Kompetenzen in der Prozesssicherheit und Systemverfahrenstechnik. Ziel der gemeinsamen Forschungsplattform ist es, neue Verfahren schneller zu entwickeln, Risiken frühzeitig zu bewerten und verfahrenstechnische Anlagen sicherer, nachhaltiger sowie effizienter auszulegen und zu betreiben.
Prozesssicherheit und Systemverfahrenstechnik gemeinsam weiterentwickeln
Die am 8. Juli 2026 eröffnete Einrichtung verknüpft zwei Fachgebiete, die bislang häufig getrennt betrachtet wurden: die Systemverfahrenstechnik mit ihren Schwerpunkten Modellierung, Auslegung und Optimierung technischer Prozesse sowie die Prozess- und Anlagensicherheit. Dadurch sollen Sicherheitsaspekte bereits in frühen Entwicklungsphasen neuer Verfahren systematisch berücksichtigt werden.
Die Forschungsplattform reicht von digitalen Modellen über Pilotanlagen bis hin zu Großversuchen im industriellen Maßstab. Simulationen und experimentelle Untersuchungen ergänzen sich gegenseitig, sodass Prozessrisiken früher erkannt und Forschungsergebnisse schneller in industrielle Anwendungen übertragen werden können.
Forschungsschwerpunkte für die Prozessindustrie
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeiten stehen die sichere Nutzung neuer Energieträger – insbesondere Wasserstoff –, KI-gestützte Methoden für Anlagendesign und Anlagenbetrieb, Sicherheitsbewertungen, nachhaltige Chemie sowie resiliente industrielle Infrastrukturen. Die Forschung adressiert damit zentrale Fragestellungen der Energiewende und der digitalen Transformation der Prozessindustrie.
Die BAM bringt ihre Erfahrung in der Prozess- und Anlagensicherheit, bei Großversuchen im Realmaßstab sowie in regulatorischen Bewertungsmethoden und im Umgang mit gefährlichen Stoffen ein. Das Fachgebiet Dynamik und Betrieb technischer Anlagen der TU Berlin ergänzt diese Kompetenzen durch Forschung in der Modellierung, Simulation und Optimierung verfahrenstechnischer Prozesse sowie durch Versuche im Pilot- und Miniplant-Maßstab.
Kooperation stärkt Forschung und Ausbildung
Nach Angaben der Projektpartner baut das Joint Institute auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen BAM und TU Berlin auf. Die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, Daten und experimentellen Methoden soll den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Anwendungen erleichtern. Davon profitieren insbesondere Unternehmen der Chemie- und Prozessindustrie sowie der Energiewirtschaft.
Darüber hinaus soll das Institut die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses stärken. Studierende, Promovierende und Postdocs erhalten Zugang zu komplementären Kompetenzen in Prozessoptimierung, Sicherheitstechnik und experimenteller Forschung über verschiedene Maßstabsebenen hinweg.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Katharina Löwe – Abteilungsleiterin Prozess und Anlagensicherheit an der BAM: „Das Berlin Joint Institute baut auf der langjährigen Zusammenarbeit von BAM und TU Berlin auf. Elf gemeinsam betreute Promotionen zeigen, wie erfolgreich wir Anlagensicherheit und Prozessoptimierung bereits verbinden. Mit dem Joint Institute stärken wir diese Kooperation und machen sie sichtbarer.“
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Jens-Uwe Repke – Leiter des Fachgebietes Dynamik und Betrieb technischer Anlagen und Vizepräsident der TU Berlin für Forschung und Transfer:
„Was dieses Institut so besonders macht, ist die Breite der Ebenen, auf denen die Zusammenarbeit gelebt wird: von Studierenden über Techniker*innen bis hin zu Wissenschaftler*innen jeder Karrierestufe. Wir bilden damit eine neue Generation von Fachleuten aus, die Verfahrensentwicklung, Prozessoptimierung und Anlagensicherheit von Anfang an gemeinsam denken.“
Einordnung für die Automatisierungstechnik
Für die Automatisierungs- und Verfahrenstechnik gewinnt die frühzeitige Verknüpfung von Modellierung, Simulation und sicherheitstechnischer Bewertung zunehmend an Bedeutung. Insbesondere bei Wasserstoffanwendungen, KI-gestützten Engineering-Methoden und digitalen Zwillingen können integrierte Forschungsansätze dazu beitragen, Entwicklungszeiten zu verkürzen und Sicherheitsanforderungen bereits in der Anlagenplanung systematisch zu berücksichtigen.
Mit dem Berlin Joint Institute schaffen BAM und TU Berlin eine gemeinsame Forschungsplattform, die Prozesssicherheit und Systemverfahrenstechnik enger zusammenführt. Der integrierte Ansatz soll die Entwicklung sicherer und nachhaltiger verfahrenstechnischer Anlagen unterstützen und den Wissens- und Technologietransfer in die industrielle Praxis beschleunigen.
Weitere Informationen gibt es unter www.tu-berlin.de.







