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ZVEI: Die drei Säulen der Elektrifizierung

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Autor: Charlotte Lange

ZVEI: Die drei Säulen der Elektrifizierung
ZVEI setzt sich für eine Stärkung der drei Säulen der Elektrifizierung ein (Bild: ZVEI)

Dem ZVEI zufolge besteht der Schlüssel zum Erreichen der nationalen und europäischen Klimaziele, Klimaneutralität bis zur Mitte dieses Jahrhunderts, aus der Verzahnung von Elektrifizierung und Digitalisierung. Wodurch die Elektro- und Digitalindustrie eine hohe Relevanz und das technologische Rückgrat für die Energiewende darstellen. Nach einer BCG-Studie muss in den kommenden Jahren Emissionsreduktion in der Industrie sechsmal schneller erfolgen als in den vergangenen 20 Jahre. Zu diesem Zweck fordert ZVEI, dass die drei Säulen der Elektrifizierung weiter in den Fokus rücken müssen: Der Ausbau erneuerbarer Energien, die Digitalisierung des Energiesystems und eine mutige Reform der Strompreise.

Säule 1: Grüne Elektrifizierung – Ausbau der erneuerbaren Energien

Die Elektrifizierung beschreibt die Verdrängung von fossilen Energieträgern aus Industrie, Verkehr und Gebäuden mithilfe von grünem Strom. Dabei wird Strom, wo immer möglich, direkt genutzt, um maximale Effizienz zu gewährleisten. Als Stromspeicher oder wo eine direkte Anwendung von Strom nicht möglich oder ökonomisch sinnvoll ist, muss durch grünen Strom erzeugter Wasserstoff oder emissionsfreier, synthetischer Kraftstoff zum Einsatz kommen. Die Elektrifizierung steigert auch den Stromverbrauch, da Strom als Rohstoff der Energiewende wirkt, der über 90 % des Energiebedarfs im Jahr 2045 decken soll. Um dies zu ermöglichen, muss sich der Ausbau von Wind- und Solarenergie in etwa verdoppeln, Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen signifikant beschleunigt und PPAs vereinfacht werden.

Säule 2: Digitale Elektrifizierung – Digitalisierung des Stromsystems

Die konsequente Digitalisierung des Stromsystems ist die zweite Säule der Elektrifizierung. Mit einem erhöhten und intermittierenden Strombedarf müssen auch die Transportwege – die Stromnetze – ertüchtigt und eine dezentrale Einspeisung elektrischer Energie auf allen Spannungsebenen ermöglicht werden. Oberste Maxime sollte nach ZVEI dabei sein, die vorhandene Infrastruktur so hoch wie möglich auszulasten, bevor ein physischer Netzausbau stattfindet. Damit dies geschehen kann, ist eine umfassende Digitalisierung der Stromnetze und der Verbraucher nötig, sodass Netzzustände in Echtzeit erhoben werden und Verbraucher ihren Energiebezug zeitlich optimieren können.

Diese Flexibilität ermöglicht einen geringeren Bedarf an gesicherter Leistung und physischem Stromnetzausbau und senkt so die Kosten des Stromsystems insgesamt. Um die Durchführung wirksamer Modernisierungsmaßnahmen in den Netzen und deren Begleitung insbesondere durch ein Monitoring des Digitalisierungsgrads und der Fortschritte zur „Beobachtbarkeit“ zu fördern, sollte nach ZVEI ein Smart-Grid- Readiness-Indikator (SGRI) eingeführt werden. Dieser könnten heutige Engpässe in den Netzen aufzeigen und somit Schwerpunkte für Investitionen in Digitalisierung identifizieren. Es müssen ferner Digitalisierungsinvestitionen in den Verteilnetzen durch Anpassung der Anreizregulierungs-Verordnung (ARegV) umlagefähig deklariert werden, u. a. um eine stärkere Durchdringung der Netze mit Sensorik und Aktorik zu erreichen.

Säule 3: Mutige Elektrifizierung – Umfassende Strompreisreform

Nebst der Verfügbarkeit von grünem Strom und der technischen Infrastruktur für dessen flexiblen Bezug benötigen Verbraucher ökonomische Anreize auf Stromanwendungen umzustellen, Strom dann zu verbrauchen, wenn der Strommix besonders grün ist und ihren Strombezug netzdienlich, also flexibel und zur Vermeidung von Lastspitzen beitragend, zu gestalten. Eine umfassende Strompreisreform, mit einer Neuausrichtung der Stromnetzentgelte, ist die dritte Säule der Elektrifizierung. Ein CO2-Preis allein reicht dazu nicht aus. Strom muss nach ZVEI breit entlastet werden: Nach Abschaffung der EEG-Umlage muss die Energiesteuer neu ausgerichtet und für erneuerbaren Strom gegen Null gehen. Eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Strom wäre ein einfaches und schnell umzusetzendes Instrument. Klimaschutzverträge sollten ausgewählten Sektoren vorbehalten sein, projektbezogen abgeschlossen werden und die Elektrifizierung nicht über etwaige Umlagen zulasten von Strom oder Elektrifizierungstechnologien behindern. Essenziell ist eine strukturelle Reform der Abgaben, Umlagen und Steuern für Strom.

Andernfalls droht z. B., dass auf absehbare Zeit Power-to-Heat-Anwendungen ca. viermal teurer sein werden als der Einsatz von Erdgas. Des Weiteren müssen dynamische Strompreise zur besseren Integration von erneuerbaren Energien Marktsignale für Speicher und Verbrauchseinrichtungen setzen. Voraussetzung ist, dass Verbraucher durch intelligente Netze und Zählersysteme in die Lage versetzt werden, Strom flexibel zu beziehen. Ökonomisch verhindert das aktuelle Strommarktdesign aus Abgaben, Umlagen und Entgelten, dass Preissignale beim Verbraucher ankommen, obwohl in Anbetracht von Stromgestehungskosten und CO2-Bepreisung erneuerbare Energien, wenn ausreichend verfügbar, günstiger sind als fossile Alternativen. Kommen Preissignale beim Verbraucher an, entsteht sowohl ein Anreiz zum optimierten, flexiblen Verbrauch als auch ein Anreiz für eine flexible Angebotsseite.

 

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