Generic filters
FS Logoi

Quantenrechner: Neue Technologien mit dem Einsatz von supraleitenden Qubits

Im Verbundprojekt „GeQCoS“ haben sich mit Beteiligung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) Deutschlands führende Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der supraleitenden Quantenschaltkreise die Entwicklung innovativer Konzepte für den Bau eines verbesserten Quantenprozessors zum Ziel gesetzt.

von | 02.02.21

Foto: Christoph Hohmann
: Visualisierung eines Quantenprozessors: In seinem Kern steckt ein Chip, auf dem supraleitende Qubits wie auf einem Schachbrettmuster angeordnet sind.

Quantenrechner sollen bislang nicht lösbare Problemstellungen effizient lösen können. Dazu gehören beispielsweise die Berechnung der Eigenschaften komplexer Moleküle für die Pharmaindustrie oder auch die Lösung von Optimierungsaufgaben, sei es für Herstellungsprozesse in der Automobilindustrie oder für Berechnungen aus der Finanzwelt.

Der im Verbundvorhaben „German Quantum Computer based on Superconducting Qubits“, kurz GeQCoS, zu entwickelnde Quantenprozessor-Prototyp soll aus einigen wenigen supraleitenden Qubits mit grundlegend verbesserten Bauelementen bestehen. Bei dieser Technologie werden die wesentlichen Bausteine eines Quantencomputers, die Quantenbits – kurz Qubits -, durch widerstandslos fließende Ströme in supraleitenden Schaltkreisen realisiert. Diese Ströme sind relativ robust gegenüber äußeren Störeinflüssen und können die Quanteneigenschaften über lange Zeiten beibehalten.

Neuartige Materialien für höhere Qualität der Qubits

Die geplanten Verbesserungen betreffen sowohl die Erhöhung der Konnektivität, also der Anzahl an Verbindungen zwischen den einzelnen Qubits, als auch die Verbesserung der Qualität der Qubits und damit der Möglichkeit, schnell und effizient die gewünschten Quantenzustände herstellen zu können. „Das ist in diesem Stadium eine große Herausforderung“, sagt Dr. Ioan Pop vom Institut für QuantenMaterialien und Technologien des KIT. „Durch den Einsatz von neuartigen Materialien zur Herstellung der Qubits erwarten wir eine bessere Reproduzierbarkeit, eine höhere Qualität der Qubits.“

Wichtiger Schritt zur Entwicklung supraleitender Quantenschaltungen in Deutschland

Um in diesem Bereich eine Verbesserung zu erreichen, arbeiten die Forschenden in Sachen alternative Komponenten, Änderung der Architektur, Kopplungsmechanismen und höhere Genauigkeit der Berechnungen eng zusammen. „Dies ist ein sehr wichtiger Schritt zur Entwicklung supraleitender Quantenschaltungen in Deutschland. Diese Technologie wird von IT-Führungskräften auf dem Gebiet des Quantencomputers bevorzugt und derzeit verfolgt“, betont Professor Alexey Ustinov, Leiter der Forschungsgruppe am Physikalischen Institut des KIT. „Das ist eine fordernde Forschungstätigkeit zur Lokalisierung und Diagnose von Fehlern. Dabei müssen wir die Fabrikationsmethoden verbessern, um Störstellen zu vermeiden, welche die Qualität der Qubits nachhaltig beeinflussen.“

Schon heute seien Quantenrechner in der Lage, kleine spezifische Problemstellungen zu meistern und die grundlegende Funktionsweise zu zeigen, so die Experten. Langfristiges Ziel sei es, einen sogenannten universellen Quantencomputer zu entwickeln, der wichtige Rechenprobleme exponentiell schneller als ein klassischer Computer berechne. Eine geeignete Architektur zur Berechnung praxisrelevanter Probleme könne nur durch grundlegende Verbesserungen sowohl der Hardware als auch der Software realisiert werden.

Entwicklung innovativen Erstnutzern zur Verfügung stellen

Um dieses Ziel zu erreichen, werden im Verbundprojekt auch skalierbare Fabrikationsprozesse entwickelt und die Entwicklung von optimierten Chipgehäusen wird vorangetrieben. Der Quantenprozessor soll schließlich am Walther-Meißner-Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an einem Prototyp demonstriert werden. Die entwickelten Technologien sollen nicht nur zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, sondern durch eine enge Verknüpfung mit Unternehmen auch das Quantenökosystem in Deutschland und Europa stärken. Der entwickelte Quantenprozessor soll so früh wie möglich sowohl auf der Hardware- als auch auf der Softwareebene innovativen Erstnutzern zur Verfügung gestellt werden.

Neben dem KIT sind die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das Forschungszentrum Jülich, das Walther-Meißner-Institut der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, die Technische Universität München, Infineon und das Freiburger Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik am Projekt beteiligt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Verbundprojekt „GeQCoS“ mit 14,5 Millionen Euro, über 3 Millionen Euro gehen davon an das KIT.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

Jetzt Newsletter abonnieren

Brennstoff für Ihr Wissen, jede Woche in Ihrem Postfach.

Hier anmelden

Agile Robots übernimmt Automatisierungs-Sparte von thyssenkrupp
Agile Robots übernimmt Automatisierungs-Sparte von thyssenkrupp

Agile Robots hat Assets von thyssenkrupp Automation Engineering in Europa und Nordamerika übernommen. Die bereits im November 2025 angekündigte Transaktion stärkt die Position des Münchener Unternehmens im Bereich KI-gestützter Automatisierungslösungen und soll laut einer Pressemeldung den Zugang zu neuen Märkten sowie zu Partnerschaften mit OEMs erweitern.

mehr lesen
Geringe Cloud-Reife bremst laut Studie KI-Potenziale
Geringe Cloud-Reife bremst laut Studie KI-Potenziale

Der IT- und Technologiedienstleister NTT DATA hat die Studie „Cloud-led innovation in the era of AI: The new rules for driving value with cloud“ veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen, dass lediglich 14 % der befragten Unternehmen einen hohen Reifegrad bei der Cloud-Nutzung erreicht haben – trotz einer Nutzung der Technologie über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg.

mehr lesen
Fraunhofer-Projekt will Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar machen
Fraunhofer-Projekt will Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar machen

Im Forschungsprojekt Unternehmensübergreifende Materialdaten und Materialsimulation in der Produktion, PMD-X-MAPRO, das vom Bundesforschungsministerium BMFTR gefördert wird, arbeiten Forschung und Wirtschaft daran, Materialdaten digital und maschinenlesbar verfügbar zu machen. Ziel ist es, Informationen über Werkstoff-Eigenschaften und Fertigungsdaten so aufzubereiten, dass sie entlang der gesamten Lieferkette automatisch genutzt und ausgetauscht werden können.

mehr lesen
Smart City Index: Energie- und Wärmeplanung deutsche Großstädte wird digitaler
Smart City Index: Energie- und Wärmeplanung deutsche Großstädte wird digitaler

Ob Künstliche Intelligenz, intelligente Netze oder sogar der digitale Zwilling des Energienetzes: die meisten deutschen Großstädte setzen bei der Energie- und Wärmeplanung auf digitale Technologien. Drei Viertel (76 %) haben solche Lösungen bereits im Einsatz, bei 12 % befinden sie sich gerade in der Einführung und bei 1 % in einer Testphase. Weitere 7 % planen die Nutzung digitaler Technologien rund um Energie und Wärme, nur bei 4 % ist das kein Thema. Das ist nur ein Ergebnis des Studienberichts zum Smart City Index 2025, der bislang unveröffentlichte Detailergebnisse des Digital-Rankings der 83 deutschen Städte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern des Digitalverbands Bitkom enthält.

mehr lesen

atp weekly

Der Newsletter der Branche

Ihr kostenfreier E-Mail-Newsletter für alle Belange der Automatiserung.

Sie möchten das atp magazin testen

Bestellen Sie Ihr kostenloses Probeheft

Überzeugen Sie sich selbst: Gerne senden wir Ihnen das atp magazin kostenlos und unverbindlich zur Probe!

Finance Illustration 03