Frau Alteheld, womit beschäftigt sich das Fraunhofer Institut in Lemgo?
Seit fast einem Jahrzehnt erforschen und entwickeln wir Lösungen für unsere Partner in Mittelstand und Industrie, um sie zu Gestaltern des digitalen Zeitalters zu machen. Dabei sind die Herausforderungen jedes produzierenden Unternehmens andere und unsere Aufgabe ist es, die richtige, passgenaue Unterstützung zu finden. Dabei kann es um Verfahren des maschinellen Lernens gehen, um Assistenzsysteme in der manuellen Montage oder Wartung von Maschinen, um das industrielle Internet der Dinge oder intelligente Sensorsysteme.
Welche Möglichkeiten und Laufbahnen bieten Sie Berufseinsteigern und Bewerbern?
Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die größte Organisation für angewandte Forschung in Europa. Mehr als 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen an mehr als 70 Instituten und Forschungseinrichtungen in den Bereichen Gesundheit, Sicherheit, Kommunikation, Mobilität, Produktion, Energie und Umwelt. Hier in Lemgo bieten wir jungen technikaffinen Menschen die Möglichkeit eines dualen Studiums der Elektrotechnik oder der Technischen Informatik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die sich hier direkt am Innovation Campus Lemgo befindet. Wer sein Studium bereits beendet hat oder aus der Industrie kommt, kann bei uns als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig werden oder promovieren. Aber auch kürzere Einblicke in die Fabrik der Zukunft oder der Stadt von morgen sind im Rahmen eines Praktikums möglich.
Welche Aufgaben erwarten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Ihnen?
Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen am Puls der Zeit, und dies nicht für die Schublade, sondern praxisorientiert. Es geht um neue Lösungen für die Produktion oder das urbane Leben der Zukunft, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richten. Darum gestalten wir Technologie partizipativ, in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzern. Unser Leitspruch lautet nicht umsonst „Empowering our partners for the digital age!“. Eine Arbeit bei Fraunhofer in Lemgo bedeutet in jedem Fall die praktische Anwendung des Wissens in realen Umgebungen, sogenannten Reallaboren. Wir betreiben daher in Kooperation mit der Hochschule die „SmartFactoryOWL“ für den Bereich Produktion und das städtische Labor „Lemgo Digital“ für die Digitalisierung und IoT-Lösungen im städtischen Alltag. Die Kombination dieser Infrastrukturen ist in Deutschland einzigartig.
Wie erleben Sie den Fachkräftemangel und wie begegnen sie ihm?
Wir haben mit Lemgo als typische Mittelstadt eine besondere Situation: Natürlich müssen wir uns den Herausforderungen an unser Recruiting stellen und unsere USPs im Vergleich mit den Ballungszentren hervorheben. Die Dichte an „Hidden Champions“ in der Region Ostwestfalen-Lippe und Initiativen wie das Technologienetzwerk it’s OWL, spielt uns hier in die Karten: Der hohe Praxisanteil eines dualen Studiums und die enge Kooperation mit der Wirtschaft machen den Standort sehr attraktiv für Zukunftsgestalter. ||| Auch überregional?
Sogar noch darüber hinaus. Auch Internationale Studierende sind für uns ebenso relevant wie die aus der Region, beide Zielgruppen werden nicht zuletzt durch die starke und mehrfach ausgezeichnete Arbeitgebermarke Fraunhofer auf Lemgo aufmerksam. Die Marke verspricht auch eine ideale Plattform, um die Karriere auszurichten und das eigene fachliche Profil zu schärfen. Diese Botschaften platzieren wir auf zahlreichen Personal- und Fachmessen sowie in den sozialen Medien.
Was erwartet Fachkräfte bei Ihnen, was sie woanders nicht finden?
Wie bereits erwähnt, agieren wir als Forschungseinrichtung herstellerneutral und pflegen in der Projektarbeit den Kontakt zu mehreren Top-Arbeitgebern auf Augenhöhe. Dieser Kontakt ist für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso wertvoll wie die Anwendung des Wissens in unseren beiden Reallaboren.
Anwendung spielt ebenso wie Forschung eine wichtige Rolle?
Absolut. Ein aktuelles Beispiel ist der Ausbau des freien WLAN in der Lemgoer Innenstadt durch Studierende. Wer hier studiert, muss auf die Anwendung des Gelernten gefasst sein – wir sind davon überzeugt, dass dies zur ausgeprägten Aufbruchsstimmung und zum Unternehmungsgeist bei uns beiträgt. Darüber hinaus bietet das Centrum Industrial IT, in dem mehr als 350 IT-Experten aus Wissenschaft und Unternehmen unter einem Dach arbeiten, ein für Gründer und Start-Ups attraktives Umfeld. Als Spitzencluster-Region für Intelligente Technische Systeme sind wir natürlich auch bestens mit vielen weiteren spannenden Akteuren vernetzt.
Wie gelingt es Ihnen, Fach- und Nachwuchskräfte langfristig an Ihr Institut zu binden?
Bestandteil der DNA der Personalpolitik bei Fraunhofer ist es, die Zeit bei uns als Karrierebaustein zu nutzen. Wir wollen unsere Fachkräfte daher nicht durch extrinsische Motivationen künstlich an uns binden. Wer sich jenseits von Bachelor oder Master weiter als Wissenschaftler profilieren möchte, findet in Lemgo sehr gute Karrierewege durch eine Promotion oder als Fach- und Führungskraft. Wie auch immer die individuelle Planung sein mag, eine persönliche und enge Betreuung in einem familiären Umfeld gehört für uns selbstverständlich zu einer ganzheitlichen Entwicklung jeder Mitarbeiterin bzw. jedes Mitarbeiters.
Zur Person:
Astrid Alteheld verantwortet seit 2014 in Personalunion das Recruiting und die Assistenz der Standortleitung bei Fraunhofer in Lemgo. Zuvor war sie mehrere Jahre für ein global agierendes Unternehmen im Bereich Automotive tätig, mit wiederkehrenden Aktivitäten in den USA, ebenfalls im Bereich Recruiting und Personalentwicklung.
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Klimaneutrale Chemie: Versorgung mit nachhaltigem Kohlenstoff ist möglich
Kohlenstoff ist ein zentraler Rohstoff in der Chemieindustrie – stammt aber heute noch überwiegend aus fossilem Öl, Gas oder Kohle. Die Verfügbarkeit nachhaltiger Kohlenstoffquellen ist für die klimaneutrale Transformation der Branche daher entscheidend. Das nun von der Initiative IN4climate.NRW veröffentlichte Diskussionspapier „Kohlenstoff – aber nachhaltig!” zeigt: Die Kohlenstoffbedarfe der deutschen Chemieindustrie lassen sich nachhaltig decken. Importe sind dafür nicht zwingend erforderlich, wohl aber besteht dringender politischer Handlungsbedarf. Das Diskussionspapier steht zum kostenfreien Download bereit.







