Die NAMUR hat eine neue AK-Praxis veröffentlicht, die die gemeinsame Nutzung von Schützen für betriebliche und sicherheitsgerichtete Funktionen behandelt. Das Dokument beschreibt, unter welchen Voraussetzungen eine Mitbenutzung möglich ist und welche technischen sowie organisatorischen Maßnahmen zur Risikobewertung und -begrenzung erforderlich sind.
Funktionale Sicherheit steht im Mittelpunkt einer neuen AK-Praxis der NAMUR. Das Dokument erläutert, unter welchen Voraussetzungen Schütze gleichzeitig für betriebliche Funktionen und Sicherheitsfunktionen eingesetzt werden können und wie sich die daraus entstehenden Risiken bewerten und begrenzen lassen.
Funktionale Sicherheit und gemeinsame Nutzung von Schützen
Im Fokus stehen Leistungsschütze nach IEC/EN 60947-4-1 im Niederspannungsbereich, die sowohl Aufgaben der Prozesssteuerung als auch einer PLT-Sicherheitseinrichtung übernehmen. Die Autoren erläutern, dass eine solche Mitbenutzung grundsätzlich nicht ausgeschlossen ist, sofern nachgewiesen wird, dass das Gesamtrisiko beherrschbar bleibt. Grundlage hierfür sind unter anderem IEC 61511 sowie VDI/VDE 2180.
Praxisbeispiele aus der Prozessindustrie
Die AK-Praxis beschreibt typische Anwendungen anhand einer Pumpenabschaltung sowie einer temperaturgeregelten Behälterheizung. In beiden Fällen wird gezeigt, welche Auswirkungen ein gemeinsamer Fehler des Schützes auf Regelungs- und Sicherheitsfunktion haben kann. Darüber hinaus wird erläutert, weshalb redundante Strukturen andere Randbedingungen bieten als einkanalige Sicherheitsfunktionen.
HAZOP und FMEA als zentrale Bewertungswerkzeuge
Für die Bewertung möglicher Risiken stellt die Veröffentlichung mehrere Vorgehensweisen vor. Betreiber können die Mitbenutzung im Rahmen einer HAZOP bewerten und gegebenenfalls durch technische oder organisatorische Maßnahmen kompensieren. Alternativ wird eine FMEA empfohlen, um potenzielle Fehlerbilder systematisch zu analysieren und geeignete Gegenmaßnahmen festzulegen. Das Dokument betont, dass die Auswahl des Vorgehens von der Sicherheitsphilosophie des jeweiligen Unternehmens abhängt.
Anforderungen an Auslegung und Betrieb von Schützen
Die Autoren nennen konkrete Anforderungen für den Einsatz von Schützen in Sicherheitsfunktionen. Dazu zählen unter anderem eine ausreichende Überdimensionierung hinsichtlich Strombelastung und Schalthäufigkeit, die Einhaltung der Herstellervorgaben, geeignete Koppelrelais sowie Diagnosemöglichkeiten über Hilfskontakte oder Rückmeldungen. Zusätzlich werden Maßnahmen wie Thermografie, Schaltspielüberwachung und vorbeugender Austausch als Beiträge zur Erhöhung der Betriebssicherheit beschrieben
Bedeutung für die Prozessindustrie
Mit der AK-Praxis liefert die NAMUR eine Orientierung für Betreiber und Planer, die eine gemeinsame Nutzung von Schützen in Sicherheits- und Betriebsfunktionen bewerten möchten. Das Papier macht deutlich, dass eine Mitbenutzung prinzipiell möglich ist, jedoch stets auf einer nachvollziehbaren Risikobetrachtung beruhen und durch geeignete technische oder organisatorische Maßnahmen abgesichert werden muss.
Fazit
Die Veröffentlichung bietet einen praxisorientierten Leitfaden zur Bewertung der Mitbenutzung von Schützen in PLT-Sicherheitseinrichtungen. Durch die Kombination aus normativer Einordnung, Praxisbeispielen sowie Empfehlungen zu HAZOP, FMEA und Diagnosetechnik unterstützt sie Betreiber bei der Auslegung funktional sicherer Automatisierungslösungen.
Das vollständige Dokument steht zum kostenfreien Download zur Verfügung:
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