Interoperabilität ist eine zentrale Voraussetzung für die digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau. Ein neuer „Interoperability Quick Guide“ von VDMA und Fraunhofer IOSB-INA will zeigen, wie OPC UA und die Asset Administration Shell (AAS) für unterschiedliche industrielle Anwendungsfälle eingesetzt werden können. Die Veröffentlichung ist für Ende des Jahres oder Anfang 2027 angekündigt.
Interoperabilität nach Anwendungsfall auswählen
Ausgangspunkt des Leitfadens sind konkrete Anforderungen aus Maschinenbau und Produktion. Dazu zählen die Vernetzung von Maschinen und Produktionssystemen, die Umsetzung digitaler Zwillinge sowie der Austausch und die Verwaltung von Software- und Lebenszyklusdaten.
Der Leitfaden folgt dabei dem Prinzip, zunächst den jeweiligen Use Case zu definieren und anschließend die geeignete Technologie auszuwählen. Unternehmen sollen damit besser beurteilen können, welche Funktionen von OPC UA oder AAS für eine konkrete Aufgabe relevant sind.
OPC UA und AAS mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Der Quick Guide beschreibt die jeweiligen Eigenschaften und Einsatzfelder von OPC UA und der Asset Administration Shell. OPC UA ist als Standard für die herstellerunabhängige Kommunikation und den strukturierten Datenaustausch zwischen Maschinen, Anlagen und digitalen Diensten etabliert. Die AAS adressiert insbesondere die digitale Repräsentation von Assets und die strukturierte Bereitstellung zugehöriger Informationen.
Im Mittelpunkt steht nicht nur die getrennte Betrachtung beider Ansätze. Der Leitfaden untersucht auch, wie OPC UA und AAS in unterschiedlichen Anwendungsszenarien zusammenwirken können. Damit soll die Auswahl einer geeigneten Architektur stärker an den betrieblichen Anforderungen ausgerichtet werden.
Verfügbare Lösungen statt Zukunftsszenarien
Nach Angaben der Herausgeber konzentriert sich die Publikation auf bereits verfügbare Lösungen, Produkte und Werkzeuge. Sie soll damit weniger eine langfristige Technologievision vermitteln als vielmehr praktische Orientierung für laufende Digitalisierungsprojekte bieten.
Andreas Faath, Head of Machine Information Interoperability beim VDMA, sieht die zentrale Frage daher nicht mehr darin, ob Unternehmen Interoperabilität umsetzen sollten. Entscheidend sei vielmehr, wie sie für einen konkreten Anwendungsfall realisiert werde. Der Leitfaden soll die jeweiligen Stärken von OPC UA und AAS dafür transparenter machen.
Orientierung für Maschinenbauer und Betreiber
Besonders kleine und mittlere Unternehmen sollen von der anwendungsorientierten Struktur profitieren. Statt eine Technologie unabhängig vom Einsatzzweck vorzugeben, verbindet der Quick Guide industrielle Aufgabenstellungen mit den dafür relevanten Eigenschaften der Standards.
Für Automatisierungsverantwortliche, Maschinenbauer und Anlagenbetreiber kann dieser Ansatz die Architekturentscheidung strukturieren: Kommunikationsanforderungen, Datenmodelle und digitale Asset-Informationen werden zunächst aus dem Use Case abgeleitet. Erst danach folgt die Auswahl oder Kombination der passenden Technologien.
Praxisorientierte Entscheidungshilfe
Mit dem neuen Quick Guide wollen VDMA und Fraunhofer IOSB-INA eine praxisorientierte Entscheidungshilfe für industrielle Interoperabilität bereitstellen. Der Fokus auf konkrete Use Cases verdeutlicht zugleich, dass OPC UA und AAS nicht grundsätzlich als konkurrierende Ansätze betrachtet werden müssen, sondern je nach Anwendung unterschiedliche und ergänzende Aufgaben übernehmen können.
Die Veröffentlichung ist für Ende des Jahres oder Anfang 2027 angekündigt.








