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Funktionale Sicherheit: NAMUR veröffentlicht neue AK-Praxis

Die neue AK-Praxis "Integration von Sicherheitsfunktionen der Maschinensicherheit in die Funktionale Sicherheit der Prozessindustrie“ des AK 4.5 "Funktionale Sicherheit" liefert praxisrelevante Empfehlungen und Best Practices zur Verzahnung von Maschinensicherheit und Funktionaler Sicherheit in chemisch-pharmazeutischen Betrieben. Das Papier adressiert zentrale Herausforderungen im Umgang mit den teils parallel existierenden Normen IEC 61511, IEC 62061 und ISO 13849 im betrieblichen Alltag.

von | 25.09.25

Die neue AK-Praxis der NAMUR steht zum kostenfreien Download bereit.
Foto: Yellow Boat - stock-adobe.com
Namur-Hauptsitzung

Die neue AK-Praxis „Integration von Sicherheitsfunktionen der Maschinensicherheit in die Funktionale Sicherheit der Prozessindustrie“ des AK 4.5 „Funktionale Sicherheit“ liefert praxisrelevante Empfehlungen und Best Practices zur Verzahnung von Maschinensicherheit und Funktionaler Sicherheit in chemisch-pharmazeutischen Betrieben. Das Papier adressiert zentrale Herausforderungen im Umgang mit den teils parallel existierenden Normen IEC 61511, IEC 62061 und ISO 13849 im betrieblichen Alltag.

Hintergrund und Ziele der AK-Praxis

In der Prozessindustrie treffen regelhaft Anforderungen für die Maschinensicherheit auf Regelwerke zur funktionalen Sicherheit von Anlagen. Traditionell wurden diese Sicherheitsbereiche separat behandelt und führten zu Mehrfachauslegungen, erhöhtem Kostenaufwand und vermeidbaren Komplexitäten, etwa in der Instandhaltung. Ziel des Praxispapiers ist es, anhand von Beispielen praxistaugliche Wege zur Integration beider Sicherheitskonzepte aufzuzeigen und die Gleichwertigkeit von Risikominderungen verschiedener Normen anzuerkennen.

Kernaussagen und Neuerungen

  • Das Papier plädiert für einen pragmatischen Ansatz: Gleichwertige Risikominderung sollte anerkannt werden – etwa durch die Akzeptanz, dass IEC 61511 SIL3, IEC 62061 SIL3 oder ISO 13849 Performance Level e eine vergleichbare Sicherheitswirkung erzielen können.

  • Entscheidend ist die klare Zuordnung und Spezifikation der Sicherheitsfunktion am Beginn des Anlagen- oder Maschinenlebenszyklus, um redundante Maßnahmen sowie die daraus resultierenden Betriebsprobleme zu vermeiden.

  • Vorgeschlagen wird zudem, bei der Integration von Komponenten der Maschinensicherheit in Prozesssicherheitsfunktionen die jeweiligen Managementsysteme und Wartungsanforderungen strikt einzuhalten – eine Vermischung, etwa durch abweichende Prüfzyklen, sei nicht zulässig.

  • Besonders relevant: Der Beitrag diskutiert auch, wie Prozesssicherheitsfunktionen und Maschinensicherheitsfunktionen gemeinsam gewertet und ihre Risikoabschätzungen kombiniert werden können, was einen modernen Transformationsansatz im Sinn von Safety 4.0 und digitaler Industrie unterstützt.

Praxisbeispiele aus der Industrie

Anhand verschiedener Anwenderszenarien – vom Lackansatzbehälter über Extruder bis zur Flüssigkeitsringvakuumpumpe – illustriert das Dokument, wie Sicherheitsfunktionen effizient zusammengelegt oder kombiniert werden können. Die beschriebenen Lösungen fördern Synergien, ohne Sicherheitsziele zu kompromittieren, und helfen, die Anforderungen aus unterschiedlichen Regelwerken umzusetzen.

Bedeutung für die Automatisierungsbranche

Das praxisnahe Papier betont die Notwendigkeit eines durchgängigen, integrativen Sicherheitsansatzes in Zeiten modularer Produktion, Digitalisierung und Dekarbonisierung. Die Empfehlungen verstehen sich als Beitrag zu nachhaltigen, resilienten Anlagenstrukturen und liefern Orientierung für die Umsetzung aktueller und künftiger regulatorischer Vorgaben.

Aus Sicht der Prozessindustrie ist die Integration von Maschinensicherheitsfunktionen in Funktionen der Prozesssicherheit schon immer eine Herausforderung. Generell sind die Konzepte der IEC 61511 „Funktionale Sicherheit – Sicherheitstechnische Systeme für die Prozessindustrie“ die Grundlage für Sicherheitsfunktionen in der Prozessindustrie – allerdings sind diese Konzepte nicht vollständig kompatibel mit der funktionalen Sicherheit von Maschinen nach IEC 62061 oder ISO 13849.

Inhaltlich wird das Thema im Artikel „Integrating Machinery Safety Functions into Functional Safety for Process Industry”, Chemical Engineering Transactions (CTE), Vol. 116, 2025, diskutiert, der in Zusammenarbeit der beiden Arbeitskreise erstellt worden ist. In diesem Praxis Papier liegt der Fokus auf der deutschen Beschreibung und der Anwendung an konkreten Beispielen. Die Abbildungen des Hauptteils des Praxis Papiers sowie die Inhalte stammen aus dem zitierten CTE-Artikel.

Die vollständige AK-Praxis steht zum kostenfreien Download bereit:

Zum Download

Weitere Informationen gibt es unter www.namur.net.

Bildquelle, falls nicht im Bild oben angegeben:

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